• Die  Kiez-Größen Harry Voerthmann (l.) und „Beatle“ Vogeler 1982 bei der Beerdigung des „Schönen Mischa“ in Ohlsdorf.
  • Foto: Will

Serie „Paten von St. Pauli“: Falsche Tränen um den „Schönen Mischa“

Die MOPO lässt in der Serie „Paten von St. Pauli“ zwielichtige Kiez-Größen aufleben, legendäre Fehden Revue passieren und zeigt seltene Fotos. Im heutigen dritten Teil blicken wir zurück auf die Zeit Anfang der 80er Jahre, als sich das Gebahren auf dem Kiez drastisch veränderte.

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Mischa Luchting, genannt „Schöner Mischa“. 

Foto:

Hirschbiegel

Lange schwarze Kaschmirmäntel, Einstecktuch, Stehkragen, Krawatte – die beiden langhaarigen Herren, die am 25. Oktober 1982 in Ohlsdorf den Trauerzug für den „Schönen Mischa“ anführen, haben Stil. Mit ihrem filmreifen Outfit zeigen Harry V. und Walter „Beatle“ V. dem Milieu: Wir sind die Herrscher vom Kiez, an uns kommt niemand vorbei.

Beerdigung Kiez-Pate Schöner Mischa

Stefan Hentschel (rechts), der sich später auch das Leben nahm, auf der Beerdigung des „Schönen Mischa“.

Foto:

Will

Hamburg: Zuhälter von GMBH beherrschten das Milieu

GMBH – diese Buchstaben standen damals für Gerd G., „Mischa“ Luchting, „Beatle“ V. und Harry V. Als Kiez-Pate „Frida“ Schulz sich zurückzog, übernahm diese Zuhältervereinigung St. Pauli. Im „Eros-Center“ und im „Palais d’Amour“ schafften hunderte Frauen für die „GMBH“ an.

Lesen Sie hier Teil 1 von Paten von St. Pauli“: Über die Anfänge der „Hells Angels“ in Hamburg

Der Lebensstil der Männer: Rennboot, Rolex für 100.000 Euro oder Rolls-Royce Corniche – so einen hatte der „Schöne Mischa“.

Beisetzung Schöner Mischa

Für den „Schönen Mischa“ wurde 1982 ein Blu­men­ge­steck in Form seines Rolls Royce Corniche angefertigt.

Foto:

Hirschbiegel

Und auf dem Grab des „Schönen Mischa“ prangte ein Gesteck in Form seines Lieblingsautos – geformt aus 8000 weißen Nelken. Der „Oberste Frauen-Poussierer“ St. Paulis hatte sich aufgehängt, weil seine Partner ihn ausgebootet hatten, während er im Knast saß. Nun standen die beiden „Kiez-Granden“ an seinem Grab. Eigentlich wollten sie danach zum Tagesgeschäft (täglicher Umsatz um 100.000 Euro) übergehen.

Lesen Sie hier Teil 2 von Paten von St. Pauli“: Wie das Imperium der „Hells Angels“ zusammenbrach

Hamburg: Vor der Beerdigung gab es Schüsse auf St. Pauli

Doch drei Tage vor der Beerdigung waren im Eros-Center 18 Schüsse gefallen. „SS-Klaus“(23) und „Angie“ B. (28) waren tot. „Karate-Thommy“ Born entkam mit einem Bauchstreifschuss. Es ging um 2000 Mark Schmerzensgeld für eine verprügelte Hure.

Auch der einstige „Kiez-Boss" Josef N. vergoss am Grab vom „Schönen Mischa" Tränen.

Auch der einstige „Kiez-Boss“ Josef N. vergoss am Grab vom „Schönen Mischa“ Tränen.

Foto:

Hirschbiegel

Früher wäre so etwas mit Fäusten geregelt worden – nun war ein Damm gebrochen. Fast jeden Monat starb nun ein Lude an akuter „Bleivergiftung“.

Video: Schüsse auf „Hells-Angels“-Boss im Sommer 2018

Jung-Zuhälter („Nutella-Bande“) rüsteten auf, kauften Maschinenpistolen, ja sogar Handgranaten. Harry V., den sie wegen seiner Lebenserfahrung den „Hundertjährigen“ nannten, und „Beatle“ gingen in Deckung.

Das war nicht mehr ihre Welt. Mit „Wiener-Peter“ war ein Konkurrent auf dem Weg nach oben, der sich einen eigenen Killer leistete. Er war bereit, alle Rivalen aus dem Weg zu schießen.

Lesen Sie morgen: Wie der letzte deutsche Kiez-Pate der Polizei entkam

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