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Seit 30 Jahren im Programm: Traditionsreiche NDR-Sendung steht vor dem Aus

Seit mehr als 30 Jahren werden abends in der Radiosendung „Ohrenbär“ Gute-Nacht-Geschichten für Kinder vorgelesen. Die Sendung ist vielen Zuhörern ans Herz gewachsen, doch nun ist ihre Zukunft zumindest im linearen Radio bedroht – eine Petition soll sie retten.

Schon seit 1987 können kleine Zuhörer ab vier Jahren jeden Abend den Gute-Nacht-Geschichten im Radio lauschen. Die Fortsetzungsgeschichten vom „Ohrenbär“ werden jeweils eine Woche lang erzählt, immer montags fängt eine neue Geschichte an. Die Sendung wird vom Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) produziert und ist auf den Radiosendern rbb 88.8 und NDR Info zu hören.

Dem NDR stehen Kürzungen von 300 Millionen Euro bevor

Noch – denn der NDR-Sendeplatz der traditionsreichen Literatursendung für Kinder ist in Gefahr: Beim NDR stehen über die nächsten vier Jahre Kürzungen von 300 Millionen Euro an – möglicherweise wird im Zuge dessen der „Ohrenbär“ aus dem linearen Radioprogramm gestrichen. Dann wäre die Sendung nur noch über das digitale Angebot abzurufen.

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Die Hamburgerin Katharina Schmidt-Brass will das nicht hinnehmen. Die 36-Jährige hört den „Ohrenbären“, seit sie selbst ein Kind war und hat die Tradition mit ihren eigenen Söhnen fortgeführt. Als sie von der drohenden Kürzung hörte, startete sie kurzerhand eine Petition, um den „Ohrenbären“ im linearen Radio zu halten. Mittlerweile haben mehr als 1500 Menschen unterschrieben. „Viele Hörer, die immerhin auch GEZ-Gebühren zahlen, wünschen sich, dass dieses kindgerechte Traditionsformat erhalten bleibt“, sagt Schmidt-Brass zur MOPO.

Liegt die Zukunft des Hörfunks im digitalen Bereich?

Der NDR verteidigt die Idee, den „Ohrenbären“ künftig nur noch digital anzubieten: „Wir bieten gern unsere wertvollen Inhalte für Kinder an und möchten, dass Eltern und Kinder diese Vielfalt und Qualität auch finden. Das Medium ist heute noch für viele das lineare Radio, aber in abnehmendem Maße: Die Radionutzung bei Kindern sinkt, die Onlinenutzung steigt stark an“, erklärt Adrian Feuerbacher, NDR-Chefredakteur Hörfunk und Programmchef von NDR Info, der MOPO. Die Kanäle Digitalradio, Online und App seien gerade in Corona-Zeiten sehr erfolgreich gewesen.

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Katharina Schmidt-Brass und ihre Unterstützerin Frauke Angel sind skeptisch: „Wir haben nichts gegen die Digitalisierung“, sagt Angel zur MOPO – die Kinderbuchautorin schreibt regelmäßig Geschichten für den „Ohrenbär“. „Aber gerade während Corona haben wir gesehen, dass wir in Deutschland noch nicht so weit sind.“ Wenn Angebote nur noch digital zur Verfügung stehen, werden manche Kinder abgehängt, fürchtet die Autorin. Denn dass sich vier- bis achtjährige Kinder die Sendung selbstständig über eine App einschalten werden, glaubt sie nicht. „Wir brauchen die Sendung als niedrigschwelliges Angebot im linearen Radio, damit jemand auch mal darüber stolpern kann“, ergänzt Schmidt-Brass.

Petition kämpft für Kinder-Radiosendung beim NDR

Die beiden Mütter befürchten außerdem, dass die Produktion des „Ohrenbären“ künftig ganz eingestellt wird, sollte die Sendung von ihrem angestammten Radio-Sendeplatz bei NDR Info verschwinden. „Ich finde es sehr bedauerlich, dass Kinder beim NDR anscheinend nicht auf der Agenda stehen“, so die 46-jährige Autorin Frauke Angel zur MOPO. Angel wurde dieses Jahr bereits mit dem MDR-Hörspielpreis und dem österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis ausgezeichnet. Bei dem „Ohrenbären“ handele es sich auch um Literaturförderung: „Was ist mit den Kindern, denen abends niemand vorliest?“ fragt sie. Die Nachricht, dass der Sendeplatz des „Ohrenbären“ gefährdet sei, habe sie sehr traurig gestimmt, so Angel.  

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„Über die Wertschätzung für den ,Ohrenbär‘, die in der Petition zum Ausdruck kommt, freuen wir uns“, erklärt der NDR-Info-Programmchef Feuerbacher der MOPO. Auch im NDR befasse sich niemand leichten Herzens mit dem Thema. Über die Zukunft des „Ohrenbären“ im Radioprogramm sei noch nicht entschieden: Derzeit werden mit dem RBB Gespräche geführt, „mit dem Ziel, den „Ohrenbär“ im NDR erhalten zu können, auch in finanziell für uns überaus schwierigen Zeiten“, so Feuerbacher zur MOPO. Ob das gelinge, sei aber noch unklar.

NDR will Sendezeit für Kinder ausbauen

Insgesamt werde der NDR aber trotz der finanziellen Kürzungen künftig mehr Sendezeit für Kinder aufbringen als jetzt, so Feuerbacher. Die Sendung „Mikado“ und auch die Kindernachrichten werden auf NDR Info an den Wochenenden erhalten bleiben. Außerdem soll ab 2021 jeden Werktag eine Stunde Kinderprogramm im Radio auf NDR Info Spezial, NDR.de und in der NDR Radio App entstehen – darüber, ob auch die „Ohrenbär“-Geschichten Teil dieses Programmes werden könnten, werde gerade gesprochen.

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„Ohrenbär“-Fans können also noch hoffen: „Ich hoffe sehr, dass die Diskussion tatsächlich noch offen ist und dass die Argumente der Petitions-Unterzeichner auch wirklich gehört werden“, sagt Angel.

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