Prozess wegen versuchten Mordes Hamburg
  • Der Angeklagte (l.) sitzt neben seinem Anwalt Haydar Güler zu Beginn seines Prozesses im Gerichtssaal im Strafjustizgebäude.
  • Foto: Christian Charisius/dpa

Ekelfotos, Drohungen und Kopfschüsse: Wie ein Stalker fast zum Mörder wurde

Versuchter Mord in zwei Fällen, Verbreitung pornografischer Inhalte und weitere Straftaten: Die Liste der Vergehen, die ein 23-Jähriger in Hamburg begangen haben soll, ist lang. Seit heute muss er sich vor dem Landgericht verantworten – und zeigte sich umgehend geständig.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann vor, am 11. März dieses Jahres auf eine damals 52 Jahre alte Frau und deren 13-jährigen Sohn geschossen zu haben. Der Verteidiger des Angeklagten kündigte zum Prozessauftakt an, sein Mandant werde die objektiven Tatumstände gestehen. Der 23-Jährige habe die Frau und den Jungen nicht töten wollen. Die Polizei hatte den mutmaßlichen Täter wenige Stunden nach den Schüssen nahe seiner Wohnung in Wilhelmsburg festgenommen. Sein Mandant habe sich im Grunde selbst gestellt, erklärte der Verteidiger.

Schoss der Angeklagte aus Ärger über die Tochter?

Der Angeklagte soll den beiden vor einem Mehrfamilienhaus im Stadtteil Wilhelmsburg aufgelauert und viermal mit einer Pistole gefeuert haben. Die Frau erlitt lebensgefährliche Kopfverletzungen und lag acht Tage lang im Koma, der Junge blieb körperlich unverletzt. Motiv der Tat soll die Verärgerung des Angeklagten über die Tochter der Frau gewesen sein. Die damals 17-Jährige habe seine Annäherungsversuche zurückgewiesen.

Schüsse Wilhelmsburg
Ein Ermittler untersucht ein Einschussloch an einem Haus in Wilhelmsburg. (Archivbild)

Im September vergangenen Jahres habe der 23-Jährige sie deswegen geschlagen und als „Schlampe“ beleidigt, im Januar habe er ihr Fotos seines Geschlechtsteils zusammen mit Beleidigungen und Bedrohungen über Instagram schicken wollen. Dabei verwechselte er jedoch die Adresse und sandte sie an eine andere Frau mit ähnlichem Namen, die ihn daraufhin angezeigt habe, sagte ein Gerichtssprecher.

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Der Angeklagte habe in der Zeit danach angenommen, die ihm bekannte junge Frau zeige die versandten Bilder im Stadtteil herum, hieß es in der Anklage. Er habe sich als Vergewaltiger dargestellt gefühlt.

Mutter und Sohn sind im Prozess als Nebenkläger zugelassen. Die Strafkammer hat acht weitere Verhandlungstermine bis Mitte Dezember angesetzt. (dpa/mp)

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