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Schüler ja, Studierende nein? : Hamburger Studenten wollen zurück an die Hochschulen!

Hamburger Studenten haben Online-Vorlesungen satt. Nach einem digitalen Sommersemester wollen sie endlich zurück in die traditionellen Bibliotheken, Vorlesungssäle und Seminarräume. Für ihre Forderungen haben sie schon öffentlich mit einer Kundgebung am Gänsemarkt gekämpft.

Für Hamburger Studenten hatte das Sommersemester 2020 kaum etwas mit ihrem normalen Uni-Alltag zu tun, denn wegen Corona wurden die Hochschulen geschlossen, und der Unterricht läuft überwiegend digital.

Für das Wintersemester, das im Oktober beginnt, fordern viele Studierende nun aber wieder Präsenzunterricht. Über 1500 Unterschriften haben verschiedene Fachschaftsräte (FSR) der Universität Hamburg gesammelt und gemeinsam mit dem „AStA“ der Hochschule für Angewandte Wissenschaften der Behörde für Wissenschaft und Forschung übergeben.

Fehlender Ausrüstung: Studierende können nicht am digitalen Unterricht teilnehmen

„Sinnvoller wissenschaftlicher Austausch und Bildung können nur in Präsenzform stattfinden“, sagt Mena Winkler, Mitglied des FSR Sozialwissenschaften, zur MOPO. Wegen schlechter Internetverbindung, fehlender Computer-Ausstattung oder anderer technischer Probleme können viele Studenten gar nicht oder nur teilweise am digitalen Unterricht teilnehmen.

Doch auch emotional ist die Situation für viele belastend: „Viele Studenten haben uns erzählt, dass sie Angst haben, im Studium den Anschluss zu verlieren“, sagt Winkler zur MOPO. „Außerdem sind Universitäten ja auch ein sozialer Raum, in dem man seine Freunde sieht.“ Wenn das wegfalle, könne es zu Vereinsamung oder psychologischen Problemen kommen.

Unterricht in Kleingruppen und Blockseminaren während Corona möglich

Gerade werde in Schule praktisch erprobt, wie Unterricht trotz Corona stattfinden kann, meint Winkler. „Warum traut man Schülern einen Corona-konformen Umgang miteinander zu, aber nicht Studenten?“ Dass es für die Unis noch keine konkreten Lösungen gebe, sei für sie „absolut unverständlich.“

Denkbar wäre zum Beispiel Unterricht in Kleingruppen und Blockseminaren, in denen abgeschlossene Gruppen über einen längeren Zeitraum zusammen bleiben. Außerdem könnten weitere Räumlichkeiten innerhalb der Stadt angemietet werden, wie das bereits für Prüfungen gemacht wurde. „Dafür bräuchten die Universitäten natürlich die entsprechende politische und finanzielle Unterstützung“, sagt Winkler.

Studierende fordern Wiedereinführung von Präsenzunterricht

Neben der Wiedereinführung von Präsenzunterricht fordern die Studenten auch bessere finanzielle Unterstützung, wieder längere Öffnungszeiten der Mensen und Bibliotheken und ein „Solidarsemester“, in dem administrative Fristen ausgesetzt werden und freiwillige Wiederholungen von Prüfungen möglich sind.

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Für ihren Protest haben sich die Studierenden außerdem eine außergewöhnliche Aktion überlegt: Rund 300 Kommentare, in denen Studenten von ihrer Situation berichten und die unter der Petition gepostet worden waren, wurden vertont und auf einer Kundgebung auf dem Gänsemarkt abgespielt. Dazu wurden sie zum Nachlesen auf Zetteln an einer Wäscheleine veröffentlicht.

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