Ein 69-jähriger ist wegen zweifachen Mordes angeklagt.
  • Ein 69-jähriger Angeklagter sitzt in einem Verhandlungssaal des Strafjustitzgebäudes. Der Mann soll in den 1990er Jahren zwei Frauen jeweils aus Habgier und zur Verdeckung einer Straftat getötet haben und ist nun wegen Mordes angeklagt.
  • Foto: picture alliance/dpa/Markus Scholz

Rund 30 Jahre später: Mutmaßlicher Frauenmörder vor Gericht

Es sind die Jahre 1993 und 1999, als zwei Frauen im Hamburger Osten gewaltsam ums Leben kommen. Schauplätze der Verbrechen: Berzeliusstraße in Billbrook und Steinbeker Hauptstraße in Billstedt. Die Taten ähneln einander, konnten jedoch nie aufgeklärt werden. Fast 30 Jahre später muss sich nun ein 69-Jähriger wegen der beiden Morde vor dem Hamburger Landgericht verantworten.

Der erste Mord geschah an dem Wochenende des 12. und 13. Juni 1993: Eine 28-jährige Frau wird tot in ihrer Wohnung gefunden, vergewaltigt und mit einem Handtuch erwürgt. Zwei Handtaschen und ein Wohnungsschlüssel sind verschwunden. Das Opfer lebte in der Berzeliusstraße, damals ein stadtweit bekanntes Elendsquartier. Die junge Frau litt an Multipler Sklerose, einer Krankheit des Nervensystems, war manchmal mit Krücken unterwegs.

Hamburg: Zwei Morde, ein mutmaßlicher Täter

Sechs Jahre später, am 19. April 1999, wird eine 79-jährige Frau in der Steinbeker Hauptstraße ermordet – rund drei Kilometer vom ersten Tatort entfernt. Der Täter vergewaltigt die Rentnerin, stülpt ihr eine Plastiktüte über den Kopf und fixiert diese mit einem Seidenschal. Es verschwinden Schmuck und eine Handtasche samt Scheckkartenheft.

Die Gemeinsamkeit: Beide Mordopfer kannten Willi S. (69), der am Dienstag im Hamburger Landgericht sitzt, eine schwarze Kapuze über den Kopf gezogen. Der Angeklagte ist ein mehrfach verurteilter Gewalttäter. Zuletzt soll er versucht haben, seine Nichte totzuschlagen, wurde deshalb im Jahr 2011 in Lübeck zu neun Jahren Haft plus Sicherungsverwahrung verurteilt.

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Die aktuelle Anklage wirft ihm zwei Morde aus Habgier und zur Verdeckung einer Straftat vor. Als Ermittler sich nach Jahrzehnten noch einmal mit den „Cold Cases“ befassten, stießen sie auf Parallelen zu früheren Taten des Angeklagten. Der 69-Jährige schweigt und lässt seinen Anwalt für sich sprechen.


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Hamburg: Angeklagter bestreitet die Tat

Der Verteidiger erklärt, dass sein Mandant das 28-jährige Opfer an einem Kiosk kennengelernt habe. Gelegentlich sei es zum Geschlechtsverkehr gekommen, getötet habe er die junge Frau nicht. Bei der älteren Damen, dem zweiten Opfer, habe er gewohnt. Eines Tages seien zwei Einbrecher in die Wohnung eingedrungen und hätten Geld gefordert. Er selbst habe die Flucht ergriffen. Kurz darauf sei die Leiche der 79-Jährigen gefunden worden. Aus Angst vor den beiden Männern habe er nie etwas gesagt.

Im Prozessauftakt sagt der damalige Lebensgefährte des 28-jährigen Opfers aus. „Er war scharf auf meine Freundin“, sagt er über den Angeklagten: „Sie haben auch öfter herumgeschäkert. Ich bringe dich nochmal irgendwann um“, habe Willi S. zu der jungen Frau gesagt. Das Paar habe die Drohung damals als Scherz aufgefasst.

Der Prozess wird kommende Woche fortgesetzt, dann kann es auch ein Urteil geben.

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