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Razzia im Tierheim : „Keine Kleinigkeit“: 21 Katzen hatten einen ansteckenden Pilz!

Hamm –

Drei Stunden dauerte die Razzia im Tierheim Süderstraße. Am Mittwoch hatten rund zehn Veterinäre des Bezirksamts Mitte das Gebäude kontrolliert. Jetzt liegen die Ergebnisse vor. Demnach wurden 21 Katzen mit einem ansteckenden Pilz gefunden. „Keine Kleinigkeit“, findet das Bezirksamt.

Die Katzen waren gemeinsam mit anderen Katzen untergebracht. Auch mit solchen, die immungeschwächt sind. „Das ist keine Kleinigkeit, Krankheiten breiten sich so aus“, sagt Sorina Weiland, Sprecherin des Bezirksamtes. „Das kann sogar für Menschen ansteckend sein.“ Das Amt hat dem Tierheim jetzt die Auflage eines Sanierungsplans verhängt. Es soll nachweisen, wie es die Problematik abstellt.

Tierärztin: Katzen hatten keinen Kontakt zu gesunden Tieren

Von den Untersuchungs-Ergebnissen hat das Tierheim erst von der Presse erfahren: „Sofern sich der Vorwurf auf die bei uns befindlichen mit Pilz erkrankten Katzen bezieht, so befanden sich diese bereits vor der Kontrolle des Bezirksamts Hamburg-Mitte aufgrund ihrer Erkrankung in tierärztlicher Behandlung. Nur durch unsere Diagnosestellung, die auf den Behandlungskarten der Tiere grundsätzlich vermerkt wird und in diesem Fall auch wurde, wurden die Kontrolleure überhaupt auf die Pilzerkrankung aufmerksam“, heißt es.

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Die Tiere seien jedoch nicht zusammen mit gesunden Tieren, sondern in getrennten Gehegen untergebracht. „Sie haben keinen direkten Kontakt zu gesunden Tieren, was eine Ansteckungsgefahr ausschließt“, erläutert Larissa Hofmann, eine Tierärztin des Tierheims Süderstraße. Zudem sei gerade bei Katzen der Anteil der kranken Tiere sehr hoch, da sehr viele schon längere Zeit auf der Straße lebten oder von ihren Haltern aufgrund ihrer Erkrankung ausgesetzt oder aber medizinisch vernachlässigt ins Tierheim gebracht würden. „Alle kranken Tiere befinden sich in tierärztlicher Behandlung.“ 

Das Bezirksamt hatte am Mittwochmorgen noch vor Geschäftsbeginn die Räumlichkeiten an der Süderstraße kontrolliert. Zuvor hatte es laut Bezirksamt mehrere anonyme Anzeigen und Hinweise gegeben, dass zu viele Tiere von zu wenigen Mitarbeitern betreut würden. Deshalb wurden bei der Razzia auch Tiere und Mitarbeiter gezählt.

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Hamburg: Tierheim hält Razzia für „rechtswidrig“

Eine Überbelegung hat es aber offenbar nicht gegeben. Das bestätigt die Sprecherin des Bezirksamts. Insbesondere bei den Hunden gab es keine, obwohl am Wochenende wieder 12 Hunde aus Rumänien geholt wurden.

Das Tierheim hält das Vorgehen des Bezirksamts für „rechtswidrig“. „Eine derartige Anordnung ist nur zur Beseitigung festgestellter Verstöße und zur Verhütung künftiger Verstöße zulässig, setzt also das tatsächliche Vorliegen eines Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz oder die konkrete Gefahr eines solchen Verstoßes voraus“, heißt es in einer Mitteilung. Auch sei ein Betreten zum Zwecke der Aufsichtsausübung außerhalb der Geschäftszeiten nur bei Vorliegen einer dringenden Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung zulässig. „Eine solche wurde von den Behördenvertretern weder schriftlich noch auf Nachfrage vorgetragen.“

Timo Hohmuth

Rechtsanwalt Timo Hohmuth vertritt den Tierschutzverein. Er bezeichnet die Razzia als rechtswidrig.

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Marius Roeer

Tierheim in Hamburg: 23 Kontrollen im vergangenen Jahr

Auch dafür, dass 200 Tierkadaver beschlagnahmt wurden, um sie untersuchen zu lassen, hat das Tierheim kein Verständnis. „Es liegt in der Natur eines großen Tierheims, dass viele verletzte oder sehr kranke Tiere eingeliefert werden, die von den vier Tierärzten des Tierheims nur noch von ihren Leiden erlöst und eingeschläfert werden können.“

Seit mehr als einem Jahr gibt es die heftigen Auseinandersetzungen zwischen dem Hamburger Tierschutzverein und dem Bezirksamt Mitte, die auch bereits vor Gericht ausgetragen wurden. Dabei geht das Bezirksamt als Kontrollinstanz immer wieder Hinweisen auf Verstöße im Tierheim nach. Im vergangenen Jahr gab es 23 Kontrollen. Diese haben laut Tierheim jedoch zu „keinerlei nennenswerten Erkenntnissen geführt.“

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Vielmehr dränge sich der „Verdacht auf, dass das behördliche Vorgehen darauf abzielt den vom HTV unter seinem aktuellen Vorstand mit großem Herzblut betriebenen Tierschutz einzudämmen und gleichzeitig die Leitungskontrolle über ein privates Tierheim zu erlangen“, so der Tierschutzverein.

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