Der Angeklagte „Milliarden-Mike“ steht zu Beginn des Prozesses im Sitzungssaal.
  • Der Angeklagte „Milliarden-Mike“ steht zu Beginn des Prozesses im Sitzungssaal.
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Prozess in Hamburg: „Milliarden-Mike“ zur Polizistin: „Guck das mal nach, Mäuschen“

Prozessbeginn gegen „Milliarden-Mike“ Wappler (65) und eine frühere Berliner Polizistin (45). Es geht um Bestechung und Bestechlichkeit: Die Ex-Beamtin hat gestanden, gegen Geld und im Auftrag von Mike Wappler Daten im Polizeicomputer abgefragt zu haben. Wappler wirft sie „körperliche und seelische Vergewaltigung mit Zustimmung“ vor.

Andere Angeklagte halten sich Aktenordner vors Gesicht, sobald die Pressefotografen den Saal betreten. Nicht so Mike Wappler. Der nimmt sogar den Mundschutz herunter, steht kerzengerade. Seine Mitangeklagte hat sich einen schwarzen Schal um den Kopf gewickelt. 

Hamburg: Prozess gegen Milliarden-Mike und Polizistin hat begonnen

Sie ist die erste, die aussagt. Sie sei spielsüchtig gewesen, sagt sie. 2013 sei sie dermaßen verzweifelt gewesen, dass sie über Facebook prominente Menschen angebettelt hat: „Es war der letzte Versuch, auch wenn der gesunde Menschenverstand sagt, dass da keiner antwortet.“

Es antwortete aber einer: Mike Wappler, notorischer Betrüger, schillernd, bekannt aus Funk und Fernsehen. Sie trafen sich in einem Berliner Hotel, sie log, dass sie Schulden aus einer früheren Beziehung habe: „Die Spielsucht konnte ich noch nicht gestehen.“

Später habe sie einen Anruf bekommen: „Mike Wappler würde mir 100.000 Euro geben, wenn ich mit ihm Sex habe.“ Sie sei nach einer Fehlgeburt aber zu kaputt gewesen. Zu einem späteren Zeitpunkt jedoch sei es zu „der Sache im Hotel“ gekommen: „Eine körperliche und seelische Vergewaltigung mit Zustimmung“, nennt sie es. 

Milliarden-Mike-Prozess: Berliner Polizistin sagt aus 

Aus dieser „Sache“ leitet Stefanie H., damals noch Polizistin, fortan ihren Anspruch auf 100.000 Euro ab – und wird natürlich enttäuscht: „Er lachte mich aus: Du kriegst gar nichts, immerhin bin ich nicht zum Ende gekommen.“

2017 bettelt sie ihn an, per Sprachnachricht. Mike Wappler kann nicht lesen und schreiben: „Mikey, ich wollte dich fragen, ob du mir einen kleinen Kredit gewähren kannst?“ Im Gericht sagt sie: „Ich habe es als mein Recht empfunden, dass er sich an unsere Vereinbarung hält.“

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Wappler kommt eine spielsüchtige Polizistin in Geldnöten zu Pass: Zehn Mal bittet er sie von Februar 2018 bis April 2019 laut Anklage, Daten aus dem Polizeirechner anzufragen. Mal geht es um die Führerscheinsperre seines Kumpels Nino du Angelo, mal um ihn selbst, wenn er wissen will, ob ein Haftbefehl gegen ihn vorliegt: „Guck das mal nach, Mäuschen“, heißt es in den Sprachnachrichten, die für die Akten fein säuberlich erfasst wurden. 

Prozess in Hamburg: Aussage von Milliarden-Mike am Nachmittag erwartet

Geld floss spärlich. Mal 100, mal 200 Euro vom Konto der damaligen Wappler-Lebensgefährtin. Insgesamt 400 bis 500 Euro. 

Im Februar 2019 wurde Stefanie H. zur Kommissarin befördert. Kurz nach der Beförderung kam in einem anderen Verfahren gegen Mike Wappler vor dem Hamburger Landgericht auch ihr Fall ans Licht. Hausdurchsuchung, Suspendierung. Stefanie H. ist im Januar 2021 freiwillig aus der Berliner Polizei ausgeschieden. 

Wapplers Aussage wird für den Nachmittag erwartet. 

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