• „Free Now“ Deutschland-Chef Alexander Mönch vor einem der neuen Elektro-Taxis
  • Foto: Florian Quandt

Projekt „Zukunftstaxi“: So viele E-Taxis sollen bis Dezember durch Hamburg rollen

Hamburgs eigene Klimaziele sehen vor, bis 2050 klimaneutral zu sein, bis 2030 sollen bereits 55 Prozent der CO2-Abgase eingespart werden. Dabei helfen soll das Programm „Zukunftstaxi“ der Stadt. Die MOPO sprach mit dem Hamburger Taxi-Vermittler „Free Now“ darüber, was das für die Branche bedeutet.

Das deutschlandweit agierende Unternehmen mit Sitz in der Hansestadt ist selbst Projektpartner und unterstützt dessen Förderung. „Durch die Anschaffung einer Elektro-Flotte entsteht automatisch ein Mehraufwand für die Taxi-Unternehmen“, sagt der Deutschland-Chef von „Free Now“, Alexander Mönch. „Nicht nur die Anschaffung ist kostenaufwendig, es müssen auch Lade-Zeiten mit einberechnet werden.“

Taxi in Hamburg: „Free Now“ unterstützt Projekt „Zukunftstaxi“

Die erste von insgesamt drei Förderstufen ist am 12. April gestartet. „Für ein Taxi gibt es von der Stadt bis zu 10.000 Euro Zuschuss, für ein Inklusionstaxi sogar bis zu 20.000 Euro“, so Mönch. Bei Letzerem handele es sich um Fahrzeuge, die Rollstuhlfahrer mitnehmen können, ohne den Rollstuhl einklappen zu müssen.

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„Die Nachfrage war riesig, bereits nach wenigen Stunden war die erste Stufe komplett ausgebucht“, erzählt Mönch. Diese soll die Förderung von insgesamt 150 Elektrotaxis garantieren, davon 20 Inklusionstaxis. Laut Angaben der Stadt müssen die Taxi-Unternehmen bis Ende Mai die verbindlichen Fahrzeugbestellungen nachweisen. Ansonsten verfalle die Zusage. Bisher seien Nachweise für die ersten 33 E-Taxen sowie zwei Inklusionstaxen eingegangen.

Hamburg: Bis Ende 2021 bis zu 150 E-Taxis auf den Straßen

Das Ziel ist, dass bis Jahresende alle 150 Elektro-Taxen auf Hamburgs Straßen fahren. Bereits im Sommer werde man eine wachsende Zahl davon in der Stadt sehen. „Die zweite Förderstufe soll laut Planungen der Stadt im Oktober starten“, verrät Mönch. Er habe nicht mit einem so großen Andrang gerechnet.

Verkehrssenator Anjes Tjarks (links) mit einem der zukünftigen E-Taxis in Hamburg.

Verkehrssenator Anjes Tjarks (links) mit einem der zukünftigen E-Taxis in Hamburg.

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BVM

Auch die Verkehrsbehörde freut sich über das Interesse. „Die große Nachfrage am Förderprojekt zeigt deutlich: Hamburgs Taxiunternehmen und –verbände haben die Zukunft fest im Blick“, so Senator Anjes Tjarks (Grüne). „Im Oktober startet die nächste Förderstufe für weitere 170 E-Taxis und 30 Inklusionstaxis.“

Taxi in Hamburg: „Move-to-Net-Zero-Strategie“ von „Free Now“

Bis Ende des Jahres will „Free Now“ die Flotte der Elektro-Taxis in der App integriert haben. „Wir haben auch unsere konzerneigene ‚Move-to-Net-Zero‘ Strategie“, ergänzt der Deutschland-Chef. „Damit wollen wir europaweit bis 2030 nur noch emissionsfreie Angebote vermitteln.“ Diese müssten aber nicht alle elektrisch betrieben sein, auch Wasserstoff-Technologien oder andere emissionsfreie Antriebsformen können ihren Teil dazu beitragen.

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Als Problem sieht Mönch die noch nicht optimal ausgebaute Lade-Infrastruktur für die Elektro-Taxen. „Wichtig ist, dass es mehr Schnell-Ladepunkte für die Fahrer gibt, bei denen in einer halben Stunde etwa 80 bis 90 Prozent nachgeladen werden können“, sagt er. Auch für die steigenden Strompreise brauche es tragbare Lösungen.

„Free Now“ in Hamburg: Nicht mehr nur Taxis im Angebot

Mit Konflikten musste „Free Now“ bereits vor etwa einem Jahr kämpfen. Damals demonstrierten Taxi-Fahrer in Hamburg gegen das Unternehmen, das neben Taxis auch andere Mobilitätsangebote, wie eine Mietwagenflotte, ins Angebot aufgenommen hatte. Die Fahrer sorgten sich wegen einer möglichen „Wettbewerbsverzerrung“.

„Das Taxi spielt auch nach der Namensänderung von ‚mytaxi‘ zu ‚Free Now‘ die Hauptrolle“, sagt Mönch. Trotzdem wolle man die Bandbreite der städtischen Mobilität abbilden. Dazu gehörten eben auch E-Scooter, E-Mopeds, E-Fahrräder und Car Sharing. „Damit kann der motorisierte Individualverkehr in den Städten stark reduziert werden“, sagt der Deutschland-Chef. In Zukunft soll die App auch durch Wetter-Informationen sowie Informationen zum Öffentlichen Nahverkehr ergänzt werden.

Mobilität in Hamburg: „Free Now“ unterstützt „Zukunftstaxi“

„An einem gewissen Punkt werden die Menschen sagen, dass sie das eigene Auto stehen lassen oder zum Beispiel den Zweitwagen abschaffen wollen. Das geht aber erst, wenn es solche integrierten und komfortablen Angebote in nur einer App gibt“, ist er überzeugt.

Nach eigenen Angaben vermittelt „Free Now“ zwei Drittel aller Taxis in Hamburg. Vor zehn Jahren eröffneten die Gründer das erste Büro in der Stadt — inzwischen kann die BMW- und Daimler-Tochter rund 850.000 registrierte Fahrgäste und mehr als 3200 Fahrer:innen verzeichnen.

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