Spezialkräfte führen bei der Übung den Täter ab.
  • Spezialkräfte stürmen bei der Übung den Bus und nehmen den Täter fest. Bevor er abgeführt wird, werden die Geiseln in Sicherheit gebracht.
  • Foto: RÜGA

paidSchüsse und Rauchbomben: So läuft eine Geisel-Befreiung ab

Notfall-Übung auf dem Gelände der Hamburger Polizei an der Carl-Cohn-Straße in Winterhude. Das Szenario: Ein Linienbus ist gekapert worden, dem Busfahrer wird eine Pistole an den Kopf gehalten. Im Bus: ein Dutzend Fahrgäste, nun Geiseln. Als der Fahrer hält, öffnet er die Tür und flüchtet. Es fallen mehrere Schüsse. Die Geiseln schreien. Die Polizei bereitet sich vor und schickt ihre Spezialkräfte los – die rollen kurz darauf mit einem Hightech-Panzer an.

Zuvor haben bereits Kräfte des Mobilen Einsatzkommandos (MEK) die Situation observiert, maskierte Beamte verteilen sich um den Bus herum – ohne, dass der Täter sie bemerkt. Sie geben weiter, was sie beobachten und so wird der Zugriff geplant. Scharfschützen positionieren sich auf angrenzenden Dächer. Dann explodieren Rauchbomben.

Geiseln, Schüsse, Bomben: 50 Jahre Spezialeinheiten in Hamburg

Beamte des Spezialeinsatzkommandos, kurz SEK, rollen mit einem Panzer vor, der Name: „Survivor“. Ein mit Waffen und Ramme ausgestattetes Spezialfahrzeug, eingekauft für besondere Einsatzlagen. Dann noch eine Explosion, die Kräfte umzingeln den Bus, stürmen ihn dann mit gezogenen Waffen. Auch eine Scheibe wird eingeschlagen. Geiseln werden in Sicherheit gebracht, der Täter liegt gefesselt auf dem Boden, wird später dann aus dem Bus abgeführt.

dpa Bei der Übung gibt der „Täter“ Schüsse ab, Spezialkräfte postieren sich um den Bus. Es werden Rauchbomben gezündet.
Bei der Übung gibt der „Täter“ Schüsse ab, Spezialkräfte postieren sich um den Bus. Es werden Rauchbomben gezündet.
Bei der Übung gibt der „Täter“ Schüsse ab, Spezialkräfte postieren sich um den Bus. Es werden Rauchbomben gezündet.

50 Jahre schon übernehmen in Hamburg Spezialkräfte solche Einsätze, passen stets Einsatzkonzepte und Taktik an, um auf alles vorbereitet zu sein. Führen regelmäßig Übungen durch. Anlass für die Gründung bundesweiter Spezialeinheiten war der Anschlag auf die Olympischen Spiele in München 1972: Terroristen überfielen die israelische Mannschaft, töteten elf Mitglieder des Teams und einen Polizisten. Hamburgs Polizeipräsident Ralf Martin Meyer könne „diese Wunde noch immer spüren“, wie er sagt.

RÜGA Spezialkräfte rollen mit dem „Survivor“ an.
Spezialkräfte rollen mit dem „Survivor“ an.
Spezialkräfte rollen mit dem „Survivor“ an.

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Seitdem hat sich einiges getan: Waren Beamte anfangs noch rudimentär ausgerüstet, mit vergleichsweise wenig Schutz und einem Stahlhelm, tragen sie heute einen Helm aus Titan, an dem sogar Gewehrmunition abprallt. Dazu schutz- und stichsichere Westen, Visiere, schwere Waffen. Ein Beamter: „Wenn die kommen, soll jeder wissen: Hier hört der Spaß auf.“

RÜGA Großer Unterschied: Links ein Beamter in traditioneller Ausrüstung, rechts eine heutige Spezialkraft.
Großer Unterschied: Links ein Beamter in traditioneller Ausrüstung, rechts eine heutige Spezialkraft.
Großer Unterschied: Links ein Beamter in traditioneller Ausrüstung, rechts eine heutige Spezialkraft.

„Wir blicken mit Stolz auf die Geiseln und Menschen zurück, die wir gerettet haben“, sagt Meyer mit Blick auf die 50-jährige Geschichte der Spezialkräfte. „Da kommt einiges zusammen.“ LKA-Chef Jan Hieber ergänzt: „Ich bin sehr froh, so eine Einheit unter unserem Dach zu haben. Fünf Jahrzehnte ständige Bereitschaft. Hoch professionell und immer verlässlich, wenn es gefährlich wird.“

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