• Rechtsanwältin Ina Franck vor dem Stafjustizgebäude in Hamburg.
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Rückkehr nach Hamburg: Ex-IS-Kämpferin bleibt in Haft – darf aber ihre Kinder sehen

Neustadt –

Sie ist wieder da. Zurück zu Hause, in Hamburg. Ihrer Heimat. Elina Frizler, ehemalige Anhängerin des Islamischen Staats (IS), ist am Mittwochabend am Airport in Fuhlsbüttel gelandet. Und direkt danach in U-Haft gekommen. Dort wird sie mindestens die nächsten 14 Tage bleiben müssen, wie ein Richter am Donnerstag entschieden hat. Ohne ihre zwei kleinen Söhne (2/4).

Donnerstagmorgen in Hamburg. Um 10.15 Uhr muss Elina Frizler zusammen mit ihrer Anwältin Ina Franck im Strafjustizgebäude am Sievekingplatz vortreten. Es war eine kurze Nacht für die Beschuldigte. Am Abend zuvor Verhör am Flughafen, dann weitere Maßnahmen im Polizeipräsidium. Nun der schwere Vorwurf, der ihr auf zehn Seiten vorgelesen wird: Verdacht der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und der Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz.

Hamburg: Richter erlässt Haftbefehl gegen Ex-IS-Anhängerin

Der Richter erlässt offiziell Haftbefehl, für Elina Frizler geht es um 12 Uhr zurück in die Zelle. Einer der Haftgründe: Schwerkriminalität, Nummer 12. Eine Passage, die erst kürzlich in der Gesetzgebung verankert und die extra für solche Art von komplizierten und verstrickten Delikte konzipiert wurde.

In den kommenden drei Monaten wird die Generalbundesanwaltschaft Anklage gegen Elina Frizler erheben, dann übernimmt das Hanseatische Oberlandesgericht in Hamburg. Mindestens die nächsten 14 Tage wird sie hinter Gittern verbringen müssen – getrennt von ihren Kindern Bilal (4) und Hamza (2), die in staatliche Obhut kamen.

Anwältin: „Elina will nur, dass ihre Kinder in Sicherheit sind“

„Dann wird es einen neuen Haftprüfungstermin geben“, sagt Anwältin Ina Franck zur MOPO. Es müsse nun geprüft werden, was tatsächlich am Tatvorwurf dran ist und ob die Haftgründe gerechtfertigt sind. Franck ist optimistisch: „Die Prüfung wird zeigen, dass Elina eine ganz normale junge Frau ist, die nur will, dass ihre Kinder in Sicherheit sind.“ Sie stehe hinter Deutschland und bereue ihre Zeit in Syrien, beim IS.

Rechtsanwältin Ina Franck vor dem Stafjustizgebäude in Hamburg.

Rechtsanwältin Ina Franck vor dem Stafjustizgebäude in Hamburg.

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Für Ludmilla Frizler, Mutter der inhaftierten Elina, ist es eine große Erleichterung, ihre Tochter wieder um sich zu haben. Am Mittwochabend, bei der Ankunft ihrer Tochter am Flughafen in Hamburg, bekam sie Elina nicht zu Gesicht. „Ich habe die ganze Nacht nicht schlafen können. Ich wollte sie so gerne sehen, wenn auch nur für einen kurzen Moment ohne Umarmung. Ich will ihr nur weiter Kraft schenken.“

Das Wichtigste sei aber, dass Elina da und nun außer Gefahr ist. Alles Weitere werde sich schon klären. „Neues Jahr, neues Glück. Alles wird gut. Sie weiß, ich bin jederzeit für sie da.“

Mutter Ludmilla: „Ich kann es kaum erwarten, sie zu sehen“

Sehen wird sie ihre Tochter erst in einer Woche. An einem langgezogenen Tisch im Untersuchungsgefängnis am Holstenglacis, zusammen mit anderen Inhaftierten. Ein Wiedersehen nach mehr als acht Jahren. „Es ist alles beantragt. Ich kann es kaum erwarten.“

Ludmilla Frizler, Mutter der inhaftierten Elina.

Ludmilla Frizler, Mutter der inhaftierten Elina.

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Auch die Kinder dürfen ihre Mutter weiter sehen – in geregeltem Rahmen. Die Behörden hätten ihr Einverständnis gegeben und signalisiert, dass sie daran interessiert seien, dass der Kontakt zwischen Mutter und Kindern aufrechterhalten bleibt. „Das wurde uns zugesichert“, sagt Franck.

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Die Rückkehr Elinas ist der erste Schritt in die herbeigesehnte Normalität. In den 2000er-Jahren war sie einst ihrem Ex-Freund nach Syrien gefolgt, um im „Heiligen Krieg“ zu dienen. Vorher verteilte sie bereits Korane im Bergedorf, konvertierte zum Islam. Während ihrer IS-Zeit soll sie Anhänger im Internet rekrutiert haben. Wie die MOPO berichtete, ermittelte neben dem Bundesgerichtshof auch das FBI im Fall Elina Frizler.

Doch sie sagte sich nach eigenem Bekunden von der Terrororganisation los, wollte unbedingt nach Hause, nach Hamburg, Deutschland. Sie flüchtete aus einem kurdischen Gefangenenlager, verbrachte die vergangenen Wochen schließlich in Abschiebehaft in der Türkei.

„Ich hatte beinahe schon die Hoffnung verloren“

„Gib meiner Mama einen Kuss“, gab Elina Anwältin Franck auf den Weg mit nach draußen, nur wenige Momente, nachdem ihr der Haftbefehl vorgelesen wurde. „Mir geht es gut. Ich schaffe das.“ Worte, die bei der Mutter Tränen auslösen – aber ihr auch weiterhin Mut schenken. „Ich hatte beinahe die Hoffnung verloren“, sagt sie. „Doch nun ist sie da. Und alles wird gut.“

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