Hamburger Polizisten stehen vor dem Wohnhaus und bewaffnen sich.
  • Hamburger Polizisten stehen vor dem Wohnhaus und bewaffnen sich.
  • Foto: Blaulicht News

Kommissar Zufall: Fake-Notrufe eines 13-Jährigen führen Polizei in Dealer-Wohnung

Der Streich eines 13 Jahre alten Jungen aus Mecklenburg-Vorpommern hat dazu geführt, dass Polizisten in einer Wohnung in Hamburg-St. Pauli Drogen und mutmaßliches Dealgeld fanden – und zwar rein zufällig.

Um kurz vor 19 Uhr am Sonntag gehen über die „Nora“-App gleich mehrere digitale Notrufe bei der Hamburger Polizei ein. In diesem Fall wird von einer Schlägerei im obersten Stockwerk eines Mehrfamilienhauses an der Lerchenstraße in St. Pauli berichtet. Auch eine Schusswaffe soll im Spiel sein. Die Polizei trifft kurz darauf mit diversen Streifenwagen am angeblichen Tatort ein. Mit Schutzausrüstung und Maschinenpistolen im Anschlag stürmen die Beamten durch das Wohnhaus ins Dachgeschoss.

Junge (13) aus MeckPomm löst Großeinsatz in Hamburg aus

Die Wohnungen im obersten Stock werden überprüft. Nur bei einer Wohnung reagiert niemand auf das Klopfen der Beamten. „Da die Notruf-App aber während des Einsatzes weiter bedient wurde, musste man annehmen, dass eine Notlage vorlag“, teilte eine Polizeisprecherin auf MOPO-Nachfrage mit. „Die Tür wurde daraufhin geöffnet.“


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In der Wohnung: niemand. Keine Schlägerei. Keine Schusswaffe. Dafür aber: Drogen, auf dem Tisch verteilt, Gras und Hasch, und mehr als 1000 Euro in bar. Die Beamten erwirken einen Durchsuchungsbeschluss, finden insgesamt 60 Gramm Betäubungsmittel. Spürhunde werden eingesetzt. Ein Verfahren gegen den Mieter wird eingeleitet.

Ermittler verfolgen derweil auch die Notruf-Spur. Sie führt nach Mecklenburg-Vorpommern. „Wie sich herausstellt, ist die App missbräuchlich genutzt worden“, so die Sprecherin. Ein 13-jähriger Junge soll sich einen Spaß erlaubt, die Beamten auf eine „falsche Fährte“ gelockt haben, die dann zufällig in die Wohnung eines mutmaßlichen Dealers führte. Der Anruf wird für den Jungen trotzdem Konsequenzen haben: Seine Eltern müssen mit einer Geldstrafe rechnen.

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Im Juni 2020 hatte ein ebenfalls 13-Jähriger einen falschen Amoklauf an einer Schule in Billstedt angekündigt. Der riesige Polizeieinsatz inklusive Hubschrauber, Spezialkräften und Spürhunden wurde den Eltern des Jungen in Rechnung gestellt – sie mussten 45.000 Euro bezahlen. (dg)

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