Patrick Behrendt (l.), damals noch im Einsatz bei der Kontrollgruppe Autoposer, inspiziert den Lamborgini von Tim Wiese (r.). (Archivfoto)
  • Patrick Behrendt (l.), damals noch im Einsatz bei der Kontrollgruppe Autoposer, inspiziert den Lamborgini von Tim Wiese (r.). (Archivfoto)
  • Foto: Marius Röer

Ex-Polizist holt Autoposer von der Straße – aber anders als früher

Früher jagte er Fahrer mit zu lauten Motoren, illegalen Abgasanlagen und tiefergelegten Prollkarren. Heute sorgt er dafür, dass die PS-Protze glücklich hinter dem Steuer sitzen: Patrick Behrendt (34) war bei der Kontrollgruppe Autoposer der Polizei Hamburg tätig. Den Job als Polizeibeamter hing er schließlich an den Nagel, um selbst laute Abgasanlagen zu produzieren. Wie es dazu kam, wollte die MOPO wissen.

MIttwoch, der 20. Dezember 2017, 15 Uhr: Behrendt ist mit seiner Kontrollgruppe Autoposer an der Binnenalster unterwegs. Sie halten einen lauten Lamborghini Aventador an. Der Fahrer: Tim Wiese, Ex-Werder-Torwart und Kurzzeit-Wrestler. Der Wagen wird einkassiert, Wiese ist sauer.

Hier wird der Lamborghini von Ex-Werder-Torwart Tim Wiese abgeschleppt (Archivfoto).
Hier wird der Lamborghini von Ex-Werder-Torwart Tim Wiese abgeschleppt (Archivfoto).

Damals war das ein fast normaler Arbeitstag für Behrendt – hätte da nicht Prominenz hinter dem Steuer gegessen. Behrendts Aufgabe war es, Autoposer von Hamburgs Straßen zu fegen. Heute, vier Jahre später, betreibt er eine eigene Firma im rheinland-pfälzischen Rheinböllen und stellt selbst Abgasanlagen her, die laut sind – aber alles ganz legal, wie er sagt.

Ex-Polizist aus Hamburg frisiert jetzt Autos

„Als Kerl empfand ich schon immer eine Faszination für Autos. Ich würde mich nicht als klassischen Autotuner bezeichnen, jedoch aber als großen Autoliebhaber“, so Behrendt zur MOPO. „Ich habe 2016 parallel zur Polizeiarbeit meine eigene Firma zum Handel mit Fahrzeugteilen gegründet, aber anfänglich auf kleinerer Flamme. Als das Geschäft immer größer wurde, kamen natürlich auch erste Gerüchte auf, ich würde meine Stellung als Polizist ausnutzen, um daraus einen geschäftlichen Vorteil zu ziehen oder gar den Markt zu beeinflussen“, so Behrendt. „Einer der ausschlaggebenen Gründe, weshalb ich bei der Polizei aufgehört habe, war auch, dass ich diesen Gerüchten den Nährboden entziehen wollte“, sagt der Ex-Polizist.

„Als Kerl empfand ich schon immer eine Faszination für Autos“, so Patrick Behrendt.
Patrick Behrendt bei einer Veranstaltung für Autoliebhaber. „Als Kerl empfand ich schon immer eine Faszination für Autos“, so Behrendt.

„Es hieß dann: Von Firma XY beschlagnahmt die Polizei Autos, aber Kunden, welche meine Produkte nutzen würden, dürften unbescholten weiterfahren. Der Vorwurf ist natürlich vollkommen utopisch und realitätsfremd. Gerade als Polizist wurde meine Nebentätigkeit sowie meine Produkte doppelt hinterfragt, was in meinen Augen auch richtig ist“, sagt Behrendt.


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Zu Behrendts Tätigkeit bestätigt die Polizei der MOPO: „Es liegen keine Hinweise auf einen Interessenkonflikt bezüglich einer nebenberuflichen Tätigkeit und seinem Beamtenstatus vor“, so Thilo Marxsen, Sprecher der Polizei Hamburg. Behrendt habe dennoch das Gefühl gehabt, es sei nicht bei allen Kollegen gern gesehen gewesen, dass er eine Nebentätigkeit im Tuning-Geschäft hatte. Es seien ihm jedoch keine Steine in den Weg gelegt worden, wie der Ex-Polizist der MOPO erzählt.

Behrendt bei einem Polizeieinsatz in Hamburg. Den Beruf hat er hinter sich gelassen.
Behrendt bei einem Polizeieinsatz in Hamburg. Den Beruf hat er hinter sich gelassen.

Hamburg: Ex-Polizist bietet legale Alternativen

Nun nutzt Behrendt sein polizeiliches Wissen als Abgasanlagen-Bauer im Hunsrück. „Immer mehr Kunden suchten damals nach einer Lösung, die den Klang des Fahrzeuges verbessert, aber trotzdem 100-prozentig legal ist, sodass sie keinen Ärger kriegen“, erzählt Behrendt. „Die Anfragen häuften sich. Dann habe ich beschlossen, in den Markt der Abgasanlagen einzusteigen und mit meinem Wissen Produkte zu erschaffen, die diese Anforderungen erfüllen.“ So könne er schließlich dafür Sorgen, dass mehr Autotuner auf legale Alternativen umsteigen.

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„Die Polizei hat eigentlich überhaupt gar nichts gegen die Veränderung von Fahrzeugen“, so Behrendt. „Es geht darum, Verhaltensstörer ausfindig zu machen, also Poser oder Proleten, die zum Beispiel im Innenstadtbereich unnötig Lärm machen und damit das Zusammenleben stören.“

Leute, die in Ruhe ihre Autos umbauen und sich irgendwo außerhalb Hamburgs an einer Tankstelle treffen um da ihren Spaß zu haben, würden die Polizei nicht interessieren. „Natürlich kann ich nicht für alle Polizisten sprechen, der Großteil meiner ehemaligen Kollegen teilt aber meine Sichtweise.“

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