Polizei
  • Drogenfahnder knackten den Encro-Chat. (Symbolfoto)
  • Foto: imago images

Polizei knackt geheime Chats – Hamburger Dealer aufgeflogen

EncroChat-Handys sehen auf den ersten Blick aus wie normale Mobiltelefone. Aber durch die Eingabe eines Codes wird eine zweite Benutzeroberfläche geöffnet, auf der man geheim kommunizieren kann. Sie wurden europaweit besonders von Kriminellen genutzt. Europol infiltierte und sprengte das Unternehmen. Viele Chats blieben dabei erhalten. Einen solchen Chat hat die Polizei Hamburg jetzt geknackt und kam so einem Dealer auf die Schliche. Er wurde festgenommen.

Die Ermittler des Hamburger Drogendezernats waren nach geglückter Entschlüsselung auf die Spur eines 49-Jährigen gestoßen. Der steht in Verdacht zwischen März und Mai 2020 mit über 1,5 Kilo Koks sowie drei Kilogramm Amphetaminen gedealt zu haben. Im Zuge weiterer Ermittlungen erwirkten sie einen Durchsuchungsbeschluss und einen Haftbefehl.

Hamburg: Dealer in seinem Auto verhaftet

Diese wurden am Montag in Eidelstedt vollstreckt. Fahnder hatten den mutmasslichen Dealer am Eidelstedter Platz in seinem Auto aufgespürt. Er und ein Beifahrer (54) wurden festgenommen. Der 49-Jährige kam in U-Haft. Bei den Männern wurden 3000 Schweizer Franken und 1.000 Euro sichergestellt. Bei der anschliessenden Wohnungsdurchsuchung fanden Polizisten eine Tasche mit Haschplatten im Gesamtgewicht von über 16 Kilogramm sowie etwa 800 Gramm Haschisch, das an unterschiedlichen Stellen verteilt in der Wohnung gelegen hatte.


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Darüber hinaus wurden weitere 3800 Euro Bargeld gefunden und beschlagnahmt. Die Ermittler stießen aber auch auf ein hochwertiges Laservermessungsgerät, das bereits einem Diebstahl in der Schweiz zugeordnet werden konnte. Außerdem fanden sie über 400 Sonnenbrillen, welche gemäß der Preis-Etikettierung einen Gesamtwert von mehreren zehntausend Euro haben dürften. Auch dieses mutmaßliche Diebesgut wurde beschlagnahmt.

EncroChat war ein Anbieter, der Lösungen für Ende-zu-Ende verschlüsselte Instantmessenger und Endgeräte anbot. Weil das System viel von Kriminellen genutzt wurde, geriet es ins Visier von Europol. Es wurden von März bis Juni 2020 Ermittlungsverfahren gegen das Netzwerk eingeleitet und EncroChat wurde infiltriert. Französische Ermittlungsbehörden waren in das EncroChat-Netzwerk eingedrungen und hatten Malware auf den Endgeräten installiert. In der Folge stellte EncroChat den Geschäftsbetrieb 2020 ein.

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Zum Zeitpunkt seiner Schließung hatte der Dienst rund 60.000 Abonnenten, insgesamt wurden über 1000 Personen festgenommen. Das Bundeskriminalamt prüfte mehrere hunderttausend Chatverläufe und führte Ermittlungen gegen etwa 3000 in Deutschland ansässige Nutzer des Netzwerkes.

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