Mann wählt den Notruf – als die Sanitäter kommen wird er aggressiv
  • Polizisten führen den Mann zum Rettungswagen und begleiten ihn in die Klinik.
  • Foto: BlaulichtNews

paidAttacken auf Rettungskräfte: „Kommt vor, dass wir mit Messern empfangen werden“

Es sollte ein Routineeinsatz sein, doch auf St. Pauli wurden am Samstagabend plötzlich Rettungskräfte selbst zu Opfern. Schon wieder. Immer häufiger werden Notärzte, Sanitäter und medizinisches Personal verbal und physisch attackiert. Wie sich Retter gegen die Angst rüsten – und was noch helfen könnte.

Laut Polizei habe ein 51-Jähriger gegen 21.45 Uhr den Notruf der Feuerwehr gewählt. Er gab an, eine Überdosis Tabletten genommen zu haben. Als die Besatzung eines Rettungswagens der Feuerwache Altona am Einsatzort in der Kleinen Freiheit eintraf, eskalierte die Situation.

Auf St. Pauli: Mann greift Sanitäter an – Polizisten überwältigen ihn

Der Mann habe sich laut Polizei aggressiv gezeigt und die Retter angegriffen. Die Sanitäter zogen sich zurück und riefen die Polizei hinzu. Die Beamten überwältigten schließlich den Mann und brachten ihn zum Rettungswagen. Unter Polizeibegleitung wurde er in eine Klinik transportiert.


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Kein Einzelfall. Immer wieder kommt es zu Übergriffen auf Sanitäter und auch Notärzte. Häufig werden die sogar bespuckt. Aber auch Handgreiflichkeiten mussten die Retter schon über sich ergehen lassen. „Es kam schon vor, dass wir mit einem Messer empfangen wurden“, sagt ein Feuerwehrmann der MOPO.

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Einige seiner Kollegen hätten Geld zusammengelegt und sich eine hieb- und stichsichere Weste gekauft, die sie sich nun in den Schichten teilen würden.

Polizei zählt 73 Angriffe auf Sanitäter im vergangenen Jahr

Im vergangenen Jahr wurden der Polizei 73 Angriffe auf Rettungskräfte gemeldet. Man vermute aber, dass die Dunkelziffer um ein Vielfaches höher sein dürfte. Wird ein Fall bekannt, werde jedes Mal Strafanzeige gestellt, erklärt ein Sprecher der Innenbehörde dazu.

Die Feuerwehr habe das Thema in ihre Ausbildungslehrgänge integriert. Zudem können sich die Beamten jährlich fortbilden. Doch Hamburgs Notärzte und Sanitäter wünschen sich noch mehr Unterstützung, wie sie der MOPO jüngst erzählten. „Die Fortbildungen können dich gar nicht auf das vorbereiten, was da wirklich auf den Straßen passiert. Die Konzepte werden meist von Menschen entworfen, die nie im Rettungsdienst gearbeitet haben. Da fängt das Problem schon an“, sagt ein Notarzt. Die Retter wünschen sich mehr Rückenwind, mehr Schutz und „den Mut, mal auch zuzugeben, dass die Lage schlimmer geworden ist“.

Wegen vermehrter Angriffe: Ärztekammer fordert zentrales Meldesystem

Die niedersächsische Ärztekammer tut das jetzt. Sie fordert nun, dass der Anstieg der Angriffe mithilfe eines neuen Meldesystems dokumentiert werden müsse. Es gehe um Taten in Rettungsdienst, Praxis und Klinik. Flankierend zu einem zentralen Meldesystem müssten die Vorfälle strukturiert aufgearbeitet werden – „inklusive Strafverfolgung“, wie ein Sprecher der MOPO sagt. Außerdem müsste man psychologische Unterstützungs- und Hilfsangebote etablieren.

„Längst nicht jeder Fall wird auch zur Anzeige gebracht“, so der Sprecher weiter. „Jeder Betroffene beschreibt es ähnlich: Die Geduld und die Umgangsformen leiden seit Jahren.“ Der Appell der Ärztekammer: „Melden Sie diese Gewalt, auch alle, die Zeugen solcher Angriffe werden!“

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