Die Mieter der Jenfelder Au produzieren ihren eigenen Strom
  • Die Mieter der Jenfelder Au produzieren ihren eigenen Strom
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In Hamburg wird Strom nun mit Fäkalien produziert

Photovoltaik und Solarpanels – darauf wird meist gesetzt, wenn es um regenerative Energien geht. Doch es gibt auch neue Ansätze: So werden in Hamburg jetzt auch Stoffe wie Fäkalien direkt vor Ort in Strom und Wärme umgewandelt. Die MOPO erklärt, wie das funktioniert.

Im Stadtquartier Jenfelder Au (Jenfeld) produzieren die Bewohner der frisch fertiggestellten Wohnungen ihren eigenen Strom. „Hamburg Water Cycle“ nennt sich das Projekt von Hamburg Wasser, das von der EU gefördert und erstmals in Hamburg umgesetzt wird. Dabei wird Abwasser in Energie und Wärme umgewandelt.

„Das Abwassersystem Water Cycle der Jenfelder Au ist einzigartig“

„Das Abwassersystem Water Cycle der Jenfelder Au ist einzigartig“, erzählt Sabrina Schmalz von Hamburg Wasser. Üblicherweise wird das verbrauchte Schmutzwasser zur Kläranlage geleitet. Bei der Anlage in der Jenfelder Au ist das anders.

Denn dort wird das sogenannte Grauwasser, das beim Duschen, von der Waschmaschine und beim Händewaschen produziert wird, vom schmutzigeren Schwarzwasser – dem Abwasser aus der Toilette – getrennt. Aus den Vakuum-Toiletten wird das Schwarzwasser zu einem Betriebshof in einem Gewerbegebiet der Jenfelder Au geleitet. Dort vergärt es zu Biogas, das in einem Blockheizkraft in Strom und Wärme umgewandelt wird.


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Nebenan in Billstedt erzeugen Mieter ihre Energie zwar nicht selbst, doch sie kommt direkt aus dem Bezirk. Am Dudenweg (Wandsbek) produziert ein Blockheizkraftwerk (BHKW) nämlich seit September 2019 Strom und Wärme für das Quartier. „Wir sparen sehr viel Platz, da sich das Kraftwerk unter der Erde befindet“, sagt die Sprecherin von Hamburg Energie.

Projekte gehen zurück auf die Quartierslösungen

Das Projekt beruht auf der Idee des Energiebunkers in Wilhelmsburg. Dieser versorgt seit 2015 gut 3000 umliegende Haushalte mit klimafreundlicher Wärme und 1000 mit klimafreundlichem Strom.

Das Blockkraftheizwerk wird in die Baugrube eingeführt
Das Blockkraftheizwerk wird in die Baugrube eingeführt

Das Kraftwerk produziert Energie für 614 Wohnungen. „Mit unseren Quartierslösungen verfolgen wir einen ganzheitlichen Ansatz, dass Energie dort erzeugt wird, wo sie verbraucht wird“, erläutert Hamburg-Energie-Geschäftsführer Michael Prinz.

Blockheizkraftwerke sind sehr effizient. Darin produziert eine mit Wasserdampf angetriebene Turbine ganz klassisch Energie. Aber während ein herkömmliches Kraftwerk 62 Prozent der produzierten Abwärme nicht verwerten kann, wird hier die bei der Stromerzeugung entstehende Wärme genutzt, in Pufferspeichern aufgefangen und an angeschlossene Haushalte in den Quartieren weitergegeben. Verbrauchen die Haushalte die Wärme nicht, wird sie in das Fernwärmenetz gespeist. So bleiben nur zwölf Prozent der Energie ungenutzt.

Der Pufferspeicher im Energiebunker in Wilhelmsburg
Der Pufferspeicher im Energiebunker in Wilhelmsburg

In Stadtquartier Jenfelder Au sollen in einem Jahr 450.000 Kilowattstunden Strom und 690.000 kw/h Wärme produziert werden. Das genügt, um den Strombedarf von 225 und den Wärmebedarf von 70 Haushalten zu decken. Nebeneffekt: Der Wasserbedarf einer Klo-Spülung liegt bei unter einem Liter, statt bei sechs bis neun wie sonst..

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Beeindruckend: Die Anlagen in Billstedt sparen 850 Tonnen Kohlenstoffdioxid pro Jahr ein.

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