Schüler:innen in Mecklenburg-Vorpommern an ihrem ersten Schultag.
  • Schüler:innen in Mecklenburg-Vorpommern an ihrem ersten Schultag.
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Impfen, Tests, Masken: Die Sorge vor dem Schulstart

In Hamburgs Nachbarländern Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern ging der Unterricht diese Woche wieder los. Aus Sorge vor dem Coronavirus soll dort nun auch an den Schulen geimpft werden – terminlich passend haben sich die Bundesländer am Montagabend darauf verständigt, künftig allen ab 12 Jahren eine Impfung anzubieten. In Hamburg kehren die Schüler:innen am Donnerstag in die Klassen zurück. Ein Impfangebot an allen Schulen ist hier aber noch nicht geplant.

Mobile Teams sollen an Mecklenburg-Vorpommerns Schulen Impfungen für Schüler:innen ab 16 Jahren anbieten. In Schleswig-Holstein werden Schüler:innen schon ab zwölf Jahren ein Impfangebot erhalten. Das kündigte Bildungsministerin Karin Prien (CDU) an. Dieser Vorstoß stößt bei Eltern und Schulbeschäftigten auf Skepsis. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) etwa befürchtet, dass Schulen zwischen die Fronten von Impfbefürwortern und Impfgegnern geraten könnten, berichtet der NDR.

Impfen in der Schule: Bald auch in Hamburg?

In Hamburg sind Impfaktionen bisher nur an Berufsschulen geplant. Aktive Impfangebote für Jugendliche ohne Vorerkrankungen zwischen zwölf und 15 Jahren macht Hamburg bislang nicht. Im Impfzentrum beträgt das Mindestalter 16 Jahre. Eltern und Kinder ab zwölf Jahren können sich aber im Einzelfall gemeinsam mit ihrem Arzt oder ihrer Ärztin auch ohne Vorerkrankungen für eine Impfung entscheiden. Die Hamburger CDU-Fraktion fordert mehr Initiative. Birgit Stöver, bildungspolitische Sprecherin der Fraktion, sprach sich für ein „dezentrales Angebot mit mobilen Impfteams an Hamburgs Schulen“ aus.

Maskenpflicht und Tests zum Schulstart

Masken und Tests gehören in allen drei Bundesländern zum Schulstart. Schleswig-Holstein hat für die ersten drei Wochen nach den Ferien eine Maskenpflicht in Schulgebäuden festgelegt. Mecklenburg-Vorpommern ordnet Masken in Schulgebäuden zunächst für die ersten zwei Wochen an, um mögliche Infektionen von Reiserückkehrer:innen abzufedern. Danach müssen die Masken nur getragen werden, wenn die landeseigene Corona-Ampel auf Orange steht. Wann die Ampel in einer Region auf orange springt, hängt neben der Sieben-Tage-Inzidenz auch von der Zahl der Krankenhaus-Einweisungen und der der Intensivpatienten ab. Die Maskenpflicht in Hamburgs Schulräumen hingegen gilt erstmal ohne zeitliche Begrenzung.

Hamburg: Präsenzpflicht weiter aufgehoben

Zwei Mal in der Woche müssen sich in Hamburg und in Schleswig-Holstein alle Lehrkräfte und Schüler:innen testen, die noch nicht geimpft oder genesen sind. Mecklenburg-Vorpommern schreibt die Tests in derselben Frequenz für alle Schüler:innen und ungeimpfte Lehrkräfte vor.

Masken und Corona-Tests gehören weiter zum Schulalltag.
Masken und Corona-Tests gehören zunächst weiter zum Schulalltag.

Besonderheiten: In Hamburg ist die Präsenzpflicht weiterhin aufgehoben. Das heißt, Schüler:innen die ein erhöhtes Gesundheitsrisiko haben, können so auch von zu Hause lernen. Außerdem will die Stadt für alle Klassenräume bis zu den Herbstferien mobile Luftfilter anschaffen. In Mecklenburg-Vorpommern mussten die Eltern noch vor dem Unterricht eine Gesundheitsbestätigung einreichen. Damit sollen sie bestätigen, dass für ihr Kind nach dem Urlaub keine Quarantänepflicht besteht.

Gesundheitsminister:innen beschließen Impfungen für Jugendliche

Die Gesundheitsminister:innen der Länder haben unterdessen am Montagabend beschlossen, dass alle Länder Impfungen für 12- bis 17-Jährige auch in Impfzentren oder auf andere niedrigschwellige Weise anbieten wollen – und zwar mit den Vakzinen von Moderna und Biontech. Dabei sei aber eine entsprechende ärztliche Aufklärung erforderlich. Auf die Frage, mit welcher Position Hamburg in die Beratungen gegangen war, gab es aus der Gesundheitsbehörde am Montag keine Antwort mehr.

StiKo lässt sich nicht unter Druck setzen

Außerdem beschlossen Gesundheitsminister:innen, dass Kinder und Jugendliche auch durch Kinder- und Hausärzte sowie im Rahmen von Impfungen für Angehörige von Beschäftigten in Firmen geimpft werden können. Sie fassten den Beschluss ohne eine entsprechende Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko).

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Die StiKo will sich auch nach der Entscheidung der Länder nicht unter Druck setzen lassen. Der Vorsitzende Thomas Mertens sagte dem Sender „NDR Info“ gestern, es gebe noch zu wenige Daten über mögliche gesundheitliche Folgeschäden für 12- bis 17-Jährige. „Wir sagen, wir können nicht eine generelle Empfehlung aussprechen, solange wir diesbezüglich nicht die notwendige Datensicherheit haben.“

Lauterbach: StiKo hat sich „ein bisschen verrannt“

Politischer Druck für eine schnelle Entscheidung habe keinen Einfluss auf die Stiko, machte Mertens deutlich. „Es kann durchaus sein, dass wir unsere Empfehlung ändern werden, aber sicher nicht, weil Politiker sich geäußert haben“, sagte der Stiko-Vorsitzende.

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SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sagte im „Deutschlandfunk“, er könne die Haltung der StiKo nicht mehr nachvollziehen. Die Kommission habe sich in der Frage nach Corona-Impfungen für Kinder „ein bisschen verrannt“. Die Durchseuchung mit der Delta-Variante halte er für gefährlicher als die Impfung.

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