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Corona-Kontakte: Hamburg richtet Zentrale zur Nachverfolgung ein

Die Anzahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus steigt in Hamburg weiter rasant an. In vielen Fällen ist die Kontaktnachverfolgung kaum noch möglich. Die Gesundheitsämter in den Bezirken kommen an ihre Grenzen. In Wandsbek soll jetzt eine zentrale Stelle für die Nachverfolgung von Corona-Kontakten eingerichtet werden.

„Wir haben uns dazu entschieden, dass wir das gesamte Kontaktpersonennachverfolgungsgeschäft in Hamburg zentralisieren wollen“, teilte Sozialsenatorin Melanie Leonhard am Dienstag auf der Landespressekonferenz mit. So solle das Gesundheitsamt von diesem „Massengeschäft“ entlastet werden. Der Umgang mit infizierten Menschen finde aber weiter in den Gesundheitsämtern der Bezirke statt.

Corona-Kontakte: Nachverfolgung in neuer Zentrale in Hamburg 

Aktuell kommen auf eine Neuinfektion etwa 10 bis 30 Kontaktpersonen, die es zu ermitteln gilt. Für die Mitarbeiter der Kontaktnachverfolgung heißt das meist vor allem viel Telefonarbeit. Der Betrieb der neuen Zentrale in Wandsbek soll schon in den vergangenen Tagen mit 20 Beschäftigten angelaufen sein. Derzeit stehen insgesamt 45 voll ausgestattete Arbeitsplätze zur Verfügung.

„Gegenwärtig werden die dort sitzenden Mitarbeiter geschult. Sie stammen aus allen möglichen Einheiten in der Stadt, die es ermöglichen können, Kräfte abzugeben“, so Leonhard. Darüber hinaus habe man zusätzliche Ärzte angestellt, die die fachliche Unterstützung bieten. Zunächst soll die Kontaktverfolgung des Bezirks Wandsbek dort konzentriert werden, in der kommenden Woche folgt Mitte und dann schrittweise die anderen Bezirke.

250 Mitarbeiter sollen in der Zentrale eingesetzt werden

Langfristig sind deutlich mehr Mitarbeiter in der Zentrale eingeplant: „Perspektivisch soll der Dienstbetrieb von 7 bis 21 Uhr gewährleistet werden, das heißt, dass wir in der Spitze von bis zu 250 Mitarbeitern sprechen werden“, sagte Leonhard.

Hamburgs Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD)

Melanie Leonhard (SPD), Gesundheitssenatorin.

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Doch woher wird das Personal kommen? Schon früher war angedacht, das Personal in den Gesundheitsämtern zur Kontaktverfolgung aufzustocken – Ende Oktober waren in Hamburg gerade einmal die Hälfte aller vorgesehen Kräfte vorhanden. „Die Mitarbeitenden, die in der Zentralen Unterstützung Kontaktnachverfolgung tätig werden, sind städtische Beschäftigte aus anderen Bereichen – beispielsweise Kräfte aus dem Polizeiorchester und der Glücksspielaufsicht“, heißt es aus der Sozialbehörde.

Corona: Neuer Arbeitgeberservice in Wandsbek

In der Zentrale wird es auch einen „Arbeitgeberservice“ geben. Dort können Arbeitgeber in der Pflege und Krankenpflege Ansprechpartner für die eventuelle Entlassung ihrer Arbeitnehmer aus der Kontaktpersonenquarantäne finden. Das heißt, die dringend benötigten Fachkräfte könnten wieder schneller eingesetzt werden.

RKI setzt Prioritäten für das Gesundheitswesen

Um die Kontaktnachverfolgung zu optimieren, hat das Robert-Koch-Institut die Regelungen für die Kontaktnachverfolgungen nochmals präzisiert. So wird in den Gesundheitsämtern künftig die Bearbeitung bekannter Ausbruchsgeschehen Vorrang vor der Ermittlung von Einzelfällen haben. „Positive Personen werden in jedem Einzelfall weiter kontaktiert, hier geht es um den Umgang mit den Kontaktpersonen ersten Grades“, so Leonhard.

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Kontaktpersonen ersten Grades müssen weiter in Quarantäne. Im Anschluss entscheidet das Gesundheitsamt, ob in der Einrichtung wie Kita, Schule oder Pflegeheim, die diese Person besucht hat, eine Reihentestung erforderlich ist. Hier legt das RKI nun neu fest, dass Krankenhäuser, Pflegeinrichtungen und Einrichtungen der Eindämmungshilfe sowie Wohnunterkünfte bei dieser Entscheidung Priorität haben.

Neue Kategorie in der Kontaktverfolgung

„Darüber hinaus gibt es eine neue Kontaktpersonenkategorie“, so Leonhard. Es handelt sich dabei um Kategorie drei, in dieser Gruppe werden alle zusammengefasst, die Kontakt zu einem Infizierten hatten und gleichzeitig im Gesundheitswesen beschäftigt sind. Dies soll es ermöglichen, dass im Einzelfall auch mal eine Quarantäne nach einem negativen Test vorzeitig aufgehoben werden kann.

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„Die Lage ist weiterhin sehr angespannt“, so Leonhard. „Wir bitten sehr um Verständnis, dass die ein oder andere Person auch mal länger auf eine Kontaktaufnahme warten muss. Setzen Sie sich freiwillig in eine Isolierung und warten, bis das Gesundheitsamt Kontakt zu Ihnen aufnimmt. Aufgrund der neuen Priorisierung kann das einige Tage länger dauern.“

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