Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD)
  • Die Stasi sammelte jahrelang Informationen über den heutigen Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD).
  • Foto: dpa | Bernd von Jutrczenka

Akten verraten: Das wusste die Stasi über Jung-Politiker Olaf Scholz

Die DDR-Staatssicherheit hat über den heutigen Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) in seiner Zeit als Juso-Politiker in den 1980er Jahren jahrelang Informationen gesammelt und Akten angelegt. Das Bundesarchiv bestätigte am Donnerstag in Berlin auf Anfrage, dass es Scholz‘ Stasi-Akte der „Bild“-Zeitung übermittelt hat. In den Dokumenten geht es um Reisen in die DDR und die Bespitzelung des Politikers und Rechtsanwalts in Hamburg.

Der heute 63-jährige Scholz trat Mitte der 1970er Jahre den Jungsozialisten bei und war von 1982 bis 1988 stellvertretender Bundesvorsitzender. In der Zeit reiste er mehrfach auf Einladung der Jugendorganisation FDJ mit Delegationen in die DDR. Das ist laut „Bild“ auch in den Stasi-Unterlagen dokumentiert.

DDR: Stasi bespitzelte Olaf Scholz in Hamburg

Scholz und seine Delegation hätten bei der Einreise keinen Zwangsumtausch leisten müssen und die Grenze ohne Zollkontrolle passiert, schreibt die Zeitung. So etwa am 4. Mai 1988 am Berliner Bahnhof Friedrichstraße. Grenzer hätten vorab eine Anweisung erhalten: „Erteilung Visa für Berlin, gebührenfrei, Befreiung vom Mindestumtausch, höfliche Abfertigung, ohne Zollkontrolle.“


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Eine solche Vorzugsbehandlung an der Grenze sei für offiziell eingeladene Delegationen üblich gewesen, erläuterte Daniela Münkel, Leiterin Forschung beim Stasi-Unterlagen-Archiv. „Das war in solchen Fällen nicht ungewöhnlich, sondern eher der Regelfall.“

Delegationsreisen auf Einladung von DDR-Organisationen habe es häufiger gegeben. „Das war ein durchaus übliches Vorgehen besonders in den 70er und 80er Jahren, da die DDR auf ihre internationale Reputation bedacht war, sich weltoffen zeigen wollte und Interesse an politischen Kooperationen hatte“, erklärte Münkel. Über solche Treffen habe die Staatssicherheit grundsätzlich Informationen gesammelt, sei es durch Hauptamtliche oder Inoffizielle Mitarbeiter.

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Die Stasi notierte laut «Bild» nach einer Juso-Reise 1986 über Scholz die Einschätzung: „Gehört zum Stamokap – alter Politprofi, der in der Organisation großen Einfluss hat.“ Die Abkürzung Stamokap steht für Staatsmonopolistischer Kapitalismus – nach der entsprechenden marxistisch-leninistischen Denkschule die Endphase des Kapitalismus.

In Hamburg, wo Scholz auch als Anwalt tätig war, wurde er laut «Bild» von der DDR-Auslandsspionage beobachtet. West-Agenten der Stasi mit den Decknamen „Kugel“, „Gustav“, „Giesbert“, „Konrad“, „Holm“, „Heine“ und „Udo“ hätten zwischen 1978 und 1987 mindestens 19 Mal über Olaf Scholz und seine Juso-Tätigkeit in Hamburg berichtet. Allein der 1993 enttarnte DDR-Spion „Kugel“ habe nach Angaben aus der elektronischen SIRA-Datenbank der Stasi-Hauptverwaltung Aufklärung mindestens zwölf Berichte mit Hinweisen auf Scholz geliefert.

Der junge Olaf Scholz wurde in den 1980er Jahren durch die Staatssicherheit der DDR beobachtet. (Archivbild)
Der junge Olaf Scholz wurde in den 1980er Jahren durch die Staatssicherheit der DDR beobachtet. (Archivbild)

Bespitzelung von Olaf Scholz war kein Einzelfall

Auch diese Bespitzelung war nach Erläuterungen von Münkel kein Einzelfall. „Für die Stasi war das Sammeln von Information über jede Art von gesellschaftlicher Aktivität zentraler Bestandteil ihrer geheimpolizeilichen Arbeit“, schrieb Münkel in einer Email an die dpa. „Das galt auch für ihre Spionage-Arbeit in der Bundesrepublik – hier standen neben vielen anderen Bereichen vor allem Politiker und politische Parteien im Fokus des Interesses.“ 1988, also ein Jahr vor der Wende, habe die DDR 3000 West-Agenten gehabt. Akteure des gesamten politischen Spektrums seien bespitzelt und die Information nach Ostberlin weitergeleitet worden.

„Bild“ zitierte Münkel mit den Worten: „In den SIRA-Datensätzen, in denen Olaf Scholz und andere Mitglieder der Jusos namentlich genannt werden, geht es um Informationen zum Landesverband Hamburg der Jusos sowie den allgemeinen politischen Strömungen und Auseinandersetzungen innerhalb der Jusos auf Bundesebene in den 80er Jahren.“ (dpa/mp)

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