Dieser Platz an der Hafenkante soll nach dem Vorschlag der CDU-Fraktion zum „Jan-Fedder-Platz“ werden.
  • Dieser Platz an der Hafenkante soll nach dem Vorschlag der CDU-Fraktion zum „Jan-Fedder-Platz“ werden.
  • Foto: imago images/Carsten Dammann

Plätze nach Männern benennen: Ist das jetzt noch gerecht? Oder großer Unsinn?

Ärger um den geplanten Jan-Fedder-Platz an den Landungsbrücken: Die Grünen-Bezirksfraktion Hamburg-Mitte hat ein Problem mit dem Vorhaben – weil Fedder ein Mann war. Ihr Antrag, Straßen und Plätze im Bezirk Mitte künftig „ausschließlich nach realen Frauen, inter, trans* und non-binary Personen“ zu bennennen, wird in der MOPO-Redaktion kontrovers diskutiert.

Pro: Höchste Zeit, die Frauen aufholen zu lassen

MOPO-Chefredakteur Maik Koltermann

MOPO-Chefredakteur Maik Koltermann

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Quandt

Gut findet den Vorstoß der Grünen MOPO-Chefredakteur Maik Koltermann: „Rund 2500 Straßen in Hamburg sind nach Männern benannt. Etwa 500 tragen die Namen von Frauen. Erstaunlich, oder? Nee, eigentlich nicht.

Das liegt daran, dass über Jahrhunderte einflussreiche Männer entschieden haben, dass Straßen nach einflussreichen Männern benannt werden. Ich kann es gut  aushalten, wenn Männer jetzt mal ’ne Weile nicht zum Zug kommen …

Ich wundere mich darüber, wie schnell manche Männer Angst bekommen, wenn Regeln eingeführt werden sollen, die ihrer über Ewigkeiten zementierten Vormachtstellung einen ausgleichenden Faktor entgegenstellen sollen. Wie allergisch manche auf Frauenquoten reagieren. Als wären all die Dax-Konzerne dem Untergang geweiht, wenn man in ihren Vorständen Frauen zum Zuge kommen ließe. Wie Männer dann oft rufen, solche Vorgaben seien ungerecht. Da wiederhole man ja nur die Fehler der Vergangenheit, wenn man jetzt eine Gruppe bevorteilt.

Geht’s nicht schlicht um Fairness? Ist es nicht legitim anzustreben, dass Frauen im Stadtbild genauso umfangreich vertreten sind wie Männer? Weil viele Frauen über all diese Zeit als Schriftstellerinnen, Ärztinnen, Widerstandskämpferinnen, Künstlerinnen und Politikerinnen Großartiges geleistet haben? Und zwar oft noch über die meist wie selbstverständlich und traditionell bei ihnen abgeladene Verantwortung für Kind und Kegel hinaus?

Klar ist das Symbolpolitik. Aber Symbole helfen, Veränderung zu erzielen. Ein paar Denkmäler für Frauen wären übrigens auch mal was. Bisher stehen in der Stadt hauptsächlich metallene Männer herum. Und wenn’s mal ’ne Frau ist, dann ist sie häufig nackt.“

Wir haben nicht mal Namen für die Schilder – das ist das Problem!

Stellvertretende MOPO-Chefredakteurin Geli Tangermann

Stellvertretende MOPO-Chefredakteurin Geli Tangermann

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Quandt

Die stellvertretende Chefredakteurin Geli Tangermann sagt: „Keine Plätze und Straßen mehr nach Männern benennen? Da sage ich als Frau, der an Gleichberechtigung durchaus gelegen ist: Am Ziel vorbei, liebe Grüne! Und das gleich auf zwei Ebenen:

Erstens: Der Vorstoß ist bereits in seiner Grundidee inkonsistent.

Die Initiatoren wollen Männer dort ausschließen, wo über Jahrhunderte Frauen nicht berücksichtigt wurden. Das ist vielleicht vom Ergebnis her richtig gedacht. Weil absolut nichts dagegenspricht, in Zukunft mehr Frauen diese Art der Ehrung zuteilwerden zu lassen. Weil es unserer Gesellschaft guttut, starke Frauen im Alltag sichtbarer zu machen.

Der Knackpunkt ist aber, dass die Grünen in der Radikalität ihrer Forderung – dem Ausschluss einer ganzen Gesellschaftsgruppe – mit Ungleichbehandlung gegen Ungleichbehandlung ins Feld ziehen. Und damit ihren Grundgedanken selbst zunichtemachen.

Zweitens: Gleichberechtigung? Aber gern! Für mich bedeutet das praktisch betrachtet: Männer übernehmen die Hälfte des Haushalts, stellen ihre eigenen Karrierepläne nicht über die ihrer Partnerin. Unternehmen schieben Frauen, die Kinder bekommen, nicht aufs Abstellgleis.

Klar, da hat sich schon vieles getan. Wenn ich als Führungskraft aber Mutter werden will, ist das auch im Jahr 2021 noch kompliziert. Meine männlichen Chef-Kollegen haben es deutlich leichter.

Vielleicht konzentrieren wir uns also beim Thema Gleichberechtigung erst mal auf die Probleme in unserem Alltag. Denn wenn sich Frauen noch immer auf den Kopf stellen müssen, um Familie und Karriere unter einen Hut zu bekommen, dann haben sie von verkopften Debatten herzlich wenig.

Sorgen wir als Gesellschaft doch dafür, dass überhaupt genügend Frauen die Chance bekommen, sich einen Namen zu machen. Und wenn wir das geschafft haben, schreiben wir diese Namen auf Schilder. Als Beleg der echten Veränderung.“

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