Im thüringischen Sonneberg gab es eine Gratis-Bratwurst zur Impfung (Symbolbild).
  • Im thüringischen Sonneberg gab es eine Gratis-Bratwurst zur Impfung (Symbolbild).
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Pizza, Döner und ein Pieks: Reicht ein Gratis-Imbiss als Impfanreiz?

Gratis-Pizza und eine Spritze: Bei der Impfaktion in der Hamburger WunderBar auf dem Kiez herrschte ein Mega-Andrang. Das Konzept von Imbiss und Corona-Impfung zieht vielerorts die Massen an. Laut einer wissenschaftlichen Studie gehe es für viele Impfzögerer jedoch um etwas anderes.

Rund 62 Prozent der Deutschen sind bisher vollständig geimpft. Um die anstehende vierte Welle unter Kontrolle zu halten, reicht das laut Experten nicht aus. Die Bundesregierung will die Impfbereitschaft jetzt mit einer Aktionswoche ankurbeln.

In Hamburg: Gratis-Pizza zur Impfung

Die Hamburger WunderBar war Teil davon: In der Kiez-Kneipe gab es am Montagabend zu jeder Impfung eine Gratis-Pizza. „Um die 250 Leute waren zum Impfen hier, deutlich mehr als wir erwartet hatten“, sagt Chef Axel Strehlitz. „Die Schlange war ab 19 Uhr schon sehr lang und bis 23 Uhr hatten wir hier durchgehend Betrieb.“

Schon vor der Aktionswoche hatten an vielen Orten in der Bundesrepublik kreative Impfaktionen für Aufsehen gesorgt: Im thüringischen Sonneberg erhielten Impflinge eine Gratis-Bratwurst. An der Impfstelle, an der sonst durchschnittlich 140 Impfungen pro Tag verabreicht wurden, erschienen plötzlich 250 Impfwillige. Am bayerischen Tegernsee bekamen die Impflinge nach dem Pieks von FC-Bayern-Legende Uli Hoeneß ebenfalls Bratwürste überreicht. Im Rahmen der Impfwoche bietet außerdem ein Laden in Berlin kostenlose Döner zur Impfung an.

Welche Impfanreize sind wirksam?

Den Grund für den Erfolg seiner Aktion sieht WunderBar-Chef Axel Strehlitz aber nicht beim Gratis-Imbiss: „Ich glaube, der Impfanreiz war vor allem die einfache Erreichbarkeit nach Feierabend. Sich in einer Kneipe impfen zu lassen ist auch weniger spießig als in einer Praxis und schafft ein Gemeinschaftserlebnis.“ Die Pizza sei nur eine „witzige Zusatzaktion.“

Viele Menschen stehen in einer Schlange vor der Bar „Wunderbar“, um sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen.

Zur Zweitimpfung am 4. Oktober dürfen sich auch Erstimpflinge anstellen. Pizza wird es dann nicht noch einmal geben, denn die Bar hat alles aus eigener Tasche bezahlt. „Aber ein Gratis-Getränk sollte drin sein“, sagt Strehlitz.

Expertin: Darauf kommt es wirklich an

Impfungen an ungewöhnlichen Orten scheinen viele Zögerer anzusprechen. Auch die Impftage in der Elbphilharmonie und im Millerntor-Stadion wurden stark frequentiert.

„Wir wollen die Menschen aufsuchen. Das ist sicherlich eine gute Idee, aber sie muss kombiniert werden mit guter Aufklärung, mit aktiver Aufklärung“, sagt Cornelia Betsch, Expertin für Gesundheitskommunikation an der Universität Erfurt.

So viele Ungeimpfte zögern noch

Betsch ist Leiterin der Cosmo-Studie, die Bürger:innen zu Corona-Themen befragt. Etwas mehr als die Hälfte aller Ungeimpften sei sich demnach aktuell sicher, sich nicht impfen lassen zu wollen. Etwa ein Viertel der Ungeimpften ist nach Angaben der Studie noch unentschieden und der Rest impfbereit. Vor allem in den Altersgruppen unter 60 Jahren seien noch impfbereite Personen zu finden.


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Die Forscher empfehlen daher, gezielt diese Gruppe anzusprechen. Warum zögern die Befragten bisher? Als Gründe werden unter anderem die Angst vor Nebenwirkungen genannt oder die Sorge vor einer zu kurzen Testphase des Impfstoffs. Die Forscher schreiben, dass sie eine Kombination aus dem Impfen vor Ort und einer Aufklärungskampagne als „erfolgsversprechend“ beurteilen.

Cosmo-Studie: Frauen sind häufiger zögerlich

Diese Kampagnen sollten vor allem bestimmte soziodemographische Gruppen ansprechen, die sich noch unsicher sind. Vor allem Frauen seien zögerlicher, aber auch Menschen mit niedriger Bildung, einem Migrationshintergrund oder Personen, die niemanden kennen, der schon einmal an Corona erkrankt war.

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Mit Blick auf die Impfung Minderjähriger seien Informationsangebote entscheidend, die sowohl die Kinder und Jugendliche als auch ihre Eltern adressierten, so Betsch. Laut der Studie fühlen sich 61 Prozent der Eltern über Themen wie Langzeitfolgen und Nebenwirkungen einer Impfung für Kinder nicht gut informiert.

Politik und Gesundheit trennen

Wichtig sei es auch, die Impfdebatte „raus aus dieser politischen Arena wieder mehr in einen Gesundheitskontext“ zu bekommen, so die Expertin. Als Absender von Informationen müssten Ärzte und Wissenschaftler, nicht Politiker im Fokus stehen. „Impfen ist eine wichtige Gesundheitsentscheidung, keine politische Entscheidung oder ein politisches Statement“, betonte Betsch.

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