Mädchen mit Wattestäbchen im Mund
  • Statt mit Nasenabstrichen sollen Hamburger Grundschüler in einem Pilotprojekt durch Speichelproben auf Corona getestet werden (Symbolbild)
  • Foto: (c) dpa

Vor allem in einem Bezirk: Pilotprojekt an Hamburger Grundschulen

Statt sich zwei Mal in der Woche ein Stäbchen in die Nase zu schieben, sollen Grund- und Förderschüler an zehn ausgewählten Hamburger Schulen demnächst an Wattestäbchen („Lollis“) lutschen. Die Spuckeproben werden dann gruppenweise im Labor auf eine Corona-Infektion untersucht. Ziel des Pilotprojektes ist es, genauere Ergebnisse zu erhalten und gleichzeitig jüngeren Kindern das vorgeschriebene Testen so angenehm wie möglich zu machen. Seit Ferienbeginn wurden 193 Kinder und Jugendliche positiv getestet.

Bei den sogenannten „Pool“- oder „Lollitests“ behalten die Schülerinnen und Schüler ein Wattestäbchen 30 Sekunden im Mund. Die Stäbchen mit den Speichelproben werden dann gruppenweise zusammengeführt (zu so genannten „Pools“), in ein Labor transportiert und einem PCR-Test unterzogen. Diese Labortests sind aufwändiger und zuverlässiger als die Nasen-Schnelltests mit ihrer mitgelieferten Testflüssigkeit. Der Vorteil: Zeigt der PCR-Test ein negatives Ergebnis, sind alle Kinder der entsprechenden Gruppe mit Sicherheit nicht infiziert. Bei einem positiven PCR-Test müssen die Kinder des betroffenen „Pools“ in Quarantäne und werden einzeln erneut getestet.

„Da diese Testform besonders für jüngere Schülerinnen und Schüler oder solche mit speziellen Förderbedarfen geeignet ist, wurden ausschließlich Grund- und Sonderschulen ausgewählt“, so Peter Albrecht, Sprecher der Schulbehörde auf MOPO-Nachfrage: „Der Schwerpunkt liegt im Bezirk Mitte, da dort die Testung mit der gegenüber den Antigentests sensitiveren Methode als besonders relevant erscheint.“

„Lolli“-Tests gegen Corona an Hamburger Grundschulen

Das Pilotprojekt soll in ein bis zwei Wochen starten, um den Schulen genug Zeit zur Vorbereitung zu geben. Da die Tests in Labors ausgewertet werden müssen, ist der logistische Aufwand deutlich höher als bei den Antigentests.

Dass die „Lollitests“ auf alle Schulformen ausgeweitet werden, ist unwahrscheinlich, das geben die Laborkapazitäten vermutlich nicht her. Bei dem Pilotprojekt soll nun erprobt werden, ob in Hamburg ausreichende Laborkapazitäten bestehen und das Verfahren logistisch umsetzbar ist. Wie schnell liegen die Ergebnisse vor? Wieviele Kinder bilden einen „Pool“? Diese Details werden laut Behördensprecher Albrecht nun gemeinsam mit den teilnehmenden Schulen und dem ausgewählten Laborbetreiber abgestimmt.

Hamburg: 193 Corona-Infektionen bei Schülern

Seit Beginn des neuen Schuljahres vor einer Woche sind der Hamburger Schulbehörde 193 infizierte Schülerinnen und Schüler gemeldet worden. Dabei handele es sich um Meldungen der Familien, so Schulsenator Ties Rabe (SPD). Die Kinder hätten sich nicht in der Schule angesteckt, sondern in den Ferien, wahrscheinlich überwiegend während des Urlaubs in Hochrisiko- oder Virusvarianten-Gebieten. Auch vier Schulbeschäftigte hätten sich seit dem Schulstart am vergangenen Donnerstag infiziert.

Die Infektionszahlen zeigten „schmerzhaft“, dass es vom Bund „mehr als fahrlässig war, die Corona-Einreiseregeln erst so spät und für Hamburg zu spät“ anzupassen, sagte Rabe. Hamburg war eines des ersten Länder, in denen die Ferien zu Ende gingen.

Wie hoch die Impfquote unter den Lehrkräften ist, weiß die Schulbehörde nicht: „Dazu führt Hamburg leider keine Statistik und wir dürfen das aus personalrechtlichen Gründen auch nicht abfragen“, so Behördensprecher Albrecht. Man gehe von einer Quote geimpfter Lehrkräfte von 75 bis 80 Prozent aus, hatte Senator Rabe kürzlich im MOPO-Interview erklärt. Eine Corona-Impfpflicht für Hamburgs Lehrer schloss Rabe nicht grundsätzlich aus: „Wir haben bei den Masern durchaus eine Impfpflicht für Lehrkräfte eingeführt und wenn es am Ende nötig sein wird, um dauerhaft wieder einen krisensicheren Schulbetrieb sicherzustellen, dann ist das grundsätzlich nicht ausgeschlossen.“

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