Olaf Nieß
  • Jedes Jahr im November fängt Olaf Nieß die Schwäne auf der Alster ein und bringt sie ins Winterquartier.
  • Foto: (c) dpa

Olaf Nieß, der Vater aller Hamburger Schwäne

Die Schwäne: Sie sind ein lebendiges Wahrzeichen für Freiheit und Wohlstand der Stadt! Bereits seit 347 Jahren leistet sich Hamburg einen Schwanenvater, der die majestätischen Tiere versorgt und beschützt. Und am Sonntag hatte der aktuelle Schwanenvater Olaf Nieß Dienstjubiläum: Seit dem 1. August 1986 ist er in der – wie es offiziell heißt – Abteilung „Schwanenwesen“ tätig. Also schon 35 Jahre.

Und ein weiteres Jubiläum kommt hinzu: 25 Jahre ist er nun auch der Chef – nachdem er die ersten zehn Jahre unter seinem Vater Harald tätig war. 20.000 Tiere, so wird geschätzt, hat Olaf Nieß (54) in seinem Leben schon gerettet. Denn auch wenn die Bezeichnung „Schwanenvater“ den Eindruck erweckt, er sei allein für diese majestätischen Tiere da, ist sein Aufgabenbereich weit größer: Nieß kümmert sich genauso um verunglückte Rehe, Gänse, Füchse usw. Manch ein kurioser Einsatz war schon dabei. So erinnert sich Nieß, dass er 2012 in die City gerufen wurde, um eine Horde Wildschweine einzufangen.

35 Jahre ist er im Dienst, seit 25 Jahren Chef-„Schwanenvater“

Harald Nieß
Ab 1950 war Harald Nieß Hamburgs „Schwanenvater“. Der Sohn trat 1996 die Nachfolge an.

Sein Vater Harald Nieß trat das Amt des Schwanenvaters 1950 an, als sein Sohn noch lange nicht geboren war. So kommt es, dass Olaf Nieß am Schwanenhaus am Eppendorfer Mühlenteich groß geworden ist. Er wuchs in seinen Beruf regelrecht hinein.

Wenn Olaf Nieß die Schwäne auf der Alster einfängt, bedeutet das, es wird Winter

In Hamburg gibt es kaum jemanden, der Olaf Nieß nicht kennt: Wenn er im November die Tiere einfängt, ist das ein Medienereignis und gilt in der Hansestadt als offizieller Winterbeginn. Und wenn er im Frühjahr die Tiere wieder in die Freiheit entlässt, dann weiß die Stadt: Jetzt kommen die warmen Tage. Und auch darüber berichten jedesmal alle Medien.

Nieß
Der Schwanenvater bei der Arbeit.

Als Nieß vor 25 Jahren Nachfolger seines Vaters wurde, war das, wie er zugibt, eine echte Herausforderung, denn er trat in große Fußstapfen. „Wenn man zu hören kriegte, Ihr Vater hat das aber soundso gemacht, dann musste man sich schon hinstellen und sagen, ich mach das aber jetzt anders“, so Olaf Nieß in einem Interview mit dem NDR-„Hamburg Journal“. Er habe sich durchsetzen und klarmachen müssen, dass er jetzt entscheidet, wie die Dinge zu laufen haben.

Die älteste Tierschutzbehörde reicht zurück bis 1674

Die Geschichte der ältesten Tierschutzbehörde Europas reicht bis 1674 zurück. Damals stellten Hamburgs Stadtväter mit Empörung fest, dass immer wieder „böse Buben“ die Nester der Alsterschwäne störten und ihre Eier raubten. „Das muss aufhören“, so die einhellige Meinung der Herren Senatoren, und es wird der Beschluss gefasst, jemanden einzustellen, „der auf die stolzen Vögel Acht gibt“. Und so wurde das Amt des Schwanenvaters geschaffen.

Suhr
Eine Lithographie aus dem 19. Jahrhundert zeigt die Schwäne auf der vereisten Binnenalster.

Der Schwan gilt als Symbol der Furchtlosigkeit, der Stärke und der Treue. Deshalb führen von jeher viele Herrscherhäuser den Vogel im Wappen – auch die Herzöge von Stormarn, zu deren Besitz Hamburg in grauer Vorzeit zählt. Als die Hansestadt sich um 1400 löst und freie Reichsstadt wird, wollen die Bürger ihre Unabhängigkeit dokumentieren und nehmen sich ganz bewusst etwas heraus, was sonst nur Königen und Fürsten erlaubt ist: das Halten von Schwänen.

Eine Abrechnung aus dem Jahr 1591 zeigt, dass schon damals Schwäne auf der Alster auf Kosten des Steuerzahlers mit Futter versorgt werden. Bereits seit 1664 steht es schwer unter Strafe, einen Alsterschwan anzugreifen, Hunde auf ihn zu hetzen oder ihn auch nur zu beleidigen. Wer es wage, diesem Verbot zuwiderzuhandeln, sei wie ein Verbrecher zu behandeln und ins Gefängnis zu werfen.

400 Schwäne gab es vor dem Krieg in Hamburg

Ende des 19. Jahrhunderts gab es auf der Alster dieses Schwanenhaus.

Vor dem Zweiten Weltkrieg gibt es einen ziemlich großen Schwanenbestand in der Stadt. Rund 400 Tiere hält Hamburg damals. Auf der Binnenalster wird extra ein Futterhaus errichtet, das auf vielen alten Postkarten noch zu sehen ist.

Während des Krieges kommen die meisten Tiere ums Leben. Die letzten beiden verschwinden im Nachkriegswinter 1946/47, als die Menschen frieren und hungern. Wahrscheinlich sind sie im Kochtopf gelandet.

Hamburgs Wohlstand hängt angeblich von den Schwänen ab

Nach Kriegsende gibt Bürgermeister Max Brauer (SPD) den Auftrag, wieder Schwäne auf der Alster anzusiedeln. Die ersten 80 Tiere werden 1949 und 1950 von Hagenbeck gekauft. Zum selben Zeitpunkt tritt Harald Nieß seinen Job als Schwanenvater an.

Schwanenvater Olaf Nieß geht in seinem Beruf auf.

Mit genauso viel Leidenschaft wie der Vater füllt heute Olaf Nieß den Posten aus. Und so wird es hoffentlich bleiben. Denn es gibt eine Legende: Demnach wird Hamburg nur so lange eine freie und wirtschaftlich erfolgreiche Hansestadt sein, wie stolze Schwäne auf der Alster ihre Runden drehen. „Ich werde meinen Teil dafür tun, dass es so bleibt“, schwört Olaf Nieß hoch und heilig. Zehn Jahre hat er noch bis zu seiner Pensionierung.

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