• Holger Völsch vom Restaurant Trude in Barmbek.
  • Foto: Marius Roeer

Öffnung zu Pfingsten?: „Viel zu kurzfristig!“ Hamburgs Gastronomen laufen Sturm

Ein Schnitzel im Freien, ein Kaffee auf der Terrasse – was in Schleswig-Holstein und Niedersachsen längst wieder möglich ist, soll nun auch in Hamburg bald Realität werden. Am Dienstag will der Senat über die Öffnung der Gastronomie zu Pfingsten beraten. Was wie eine gute Nachricht für die seit Monaten geplagten Restaurantbetreiber klingt, sorgt aber in Wirklichkeit für Empörung.

„Das ist viel zu kurzfristig!“, schimpft Holger Völsch, Geschäftsführer des Restaurants „Trude“ in Barmbek, das seit November geschlossen ist. „Wir müssen ja erstmal die Ware besorgen“, so Völsch. Und das könne dauern. Schließlich hätten alle Lebensmittelproduzenten die Produktion heruntergefahren. Brauereien hätten seit Monaten kein Fassbier mehr gebraut. „Das dauert mindestens zwei bis drei Wochen, bis alles wieder hochgefahren ist.“

Dehoga-Chef in Hamburg: „Wir brauchen einen Stufenplan“

Völsch hat die Nachricht über die bevorstehende Öffnung wie aus heiterem Himmel erwischt. „Wir hatten hier einen Wasserrohrbruch und haben uns mit der Sanierung Zeit gelassen. Wenn wir gewusst hätten, dass es bald wieder losgeht, hätten wir uns mehr beeilt.“

Auch der Vizepräsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga), Niklaus Kaiser von Rosenburg, kritisiert die Öffnung im Hauruck-Verfahren: „Wir brauchen einen klaren Stufenplan: Wann wird die Außengastronomie geöffnet? Wann die Innengastronomie? Und wann ist touristisches Reisen wieder erlaubt?“, so Kaiser von Rosenburg. Alles andere sei ein „Herumgeeier“. Der Senat habe sich „super-unprofessionell verhalten“.

Hamburg reagierte erst, als eine Klage drohte

Der Dehoga-Chef will Klarheit für seine Mitglieder. Schließlich müssten nicht nur Lieferketten wieder in Gang gebracht, sondern auch Dienstpläne geschrieben werden. „Da hängen Menschen dran!“, mahnt Kaiser von Rosenburg.

Nach Meinung des Dehoga-Chefs wird die Öffnung in den Nachbarbundesländern Schleswig-Holstein und Niedersachsen kompetent umgesetzt. Hamburg hinke hinterher. Obwohl die Inzidenz unter hundert liegt, die Notbremse also außer Kraft gesetzt ist, passierte hier zunächst nichts. Kaiser von Rosenburg hat eine Vermutung, warum sich nun doch etwas bewegt. Erst am vergangenen Dienstag waren die Dehoga-Mitglieder schriftlich über eine bevorstehende Klage des Verbands gegen die Stadt informiert worden. „Es ist wohl kein Zufall, dass ich nur einen Tag später informell über die mögliche Öffnung nächste Woche informiert worden bin“, mutmaßt Kaiser von Rosenburg.

Dehoga befürchtet enormen wirtschaftlichen Schaden

Der Direktor des Hotels Baseler Hof macht sich Sorgen um die gesamte Branche. „Dieses unklare Verhalten des Senats bedeutet für uns einen enormen wirtschaftlichen Schaden. Es kostet uns Geld. Es kostet uns Mitarbeiter, die sich lieber einen Job im Umland suchen.“

Auch „Trude“-Betreiber Holger Völsch befürchtet Einbußen trotz der Öffnung. „Wir müssen erstmal die Details abwarten. Wenn die Menschen nur mit Test in die Lokale dürfen, kommen sie nicht.“ Auch die Maskenpflicht könnte viele davon abhalten, ins Lokal zu gehen. Völsch plant daher, den coronabedingt eingeführten Lieferdienst beizubehalten. „Ob wir so Geld verdienen, steht in den Sternen.“

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