Bei bitterer Kälte sitzen zwei Obdachlose in einer Hamburger Passage auf dem kalten Steinboden. Einer von ihnen braucht Krücken zum Gehen.
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  • Foto: TV News Kontor

Obdachlose in bitterer Kälte: Endlich! Sozialbehörde richtet Einzelzimmer ein

Fünf tote Obdachose in Hamburg innerhalb von nicht einmal zwei Wochen. Und jetzt diese bittere, schneidende Kälte. Wird sie noch mehr Leben fordern? Die Gefahr ist groß. Die Sozialbehörde reagiert jetzt endlich auf die massive Kritik an ihrem Umgang mit den Obdachlosen der Stadt. Hotelzimmer wird sie zwar weiterhin nicht organisieren, aber 35 Einzelzimmer in einer zusätzlichen städtischen Unterkunft.

Bei Minus zehn Grad lag die Temperatur in der Nacht auf Sonntag und auch tagsüber blieb es um den Gefrierpunkt. Trotzdem übernachten in der City etliche Obdachlose im Hauptbahnhof und in den Eingängen von Geschäften.

Was sie laut Sozialbehörde nicht müssten, denn in den Einrichtungen des Winternotprogramms gebe es ausreichend freie Schlafplätze. Die Auslastung liege aktuell bei 73 Prozent. Doch offenbar hat ein Teil der Obdachlosen kein Vertrauen in die Unterkünfte und Angst vor einer Corona-Ansteckung. Seit September sind bereits elf Obdachlose in Hamburg gestorben.

Kältebus Hamburg: Unterkünfte teils voll ausgelastet

Zudem berichten etwa Mitarbeiter des Kältebuses, dass sie abends mit Obdachlosen in den Unterkünften Schmiedekoppel und Kollaustrasse abgewiesen wurden, weil beide Unterkünfte voll waren. Erst in der Friesenstraße seien die Fahrgäste dann endlich aufgenommen worden.

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Grau statt rot: So sieht der neue Kältebus unter der Leitung des Hamburger CaFeé mit Herz aus. 

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Das jetzt zusätzlich eingerichtete Angebot in der Eiffestraße richtet sich speziell an Obdachlose, die „aufgrund ihrer körperlichen oder psychischen Verfassung einer speziellen Unterbringungs-Umgebung bedürfen“, heißt es in der Pressemitteilung des Senats. Aufgenommen werden sie aber erst nach Absprache mit Straßensozialarbeit, Polizei oder Feuerwehr.

Corona: Kranke Obdachlose wollen nicht in Unterkünfte

Wie dringend nötig eine solche Einrichtung ist, zeigt eine Reportage des „Spiegel“. Darin wird die Lage des Hamburger Obdachlosen Javi (57) geschildert, der an Multiple Sklerose leidet. Er wurde über das Hotelprogramm der Sozialverbände in einem Hotelzimmer untergebracht. Denn die MS sorgt gerade bei Nässe und Kälte für besonders große Beschwerden. Natürlich sorgen sich erkrankte Menschen wie er besonders, in eine Sammelunterkunft zu gehen. Auch wenn dort „nur“ drei Personen in einem Zimmer sind.

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Trotz massivem Druck von Sozialverbänden und aus der Opposition (Linke und CDU) lehnt die Sozialbehörde eine Unterbringung von Obdachlosen in Hotels weiterhin ab. Sie hatte aber die Zeiten fürs Winternotprogramm erweitert, Obdachlose können ab 15 Uhr kommen und müssen am nächsten Morgen um zehn Uhr wieder raus (vorher 17 bis 9 Uhr). In der Zeit dazwischen können Obdachlose sich in der Markthalle aufhalten.

Warum die Sozialbehörde keine Hotels mieten will: Dort könnten die Obdachlosen keine adäquat soziale Betreuung und Beratung bekommen. Thomas Paetsch, Vorstand des CaFée mit Herz, weist das zurück: „Wir haben selbst 20 Obdachlose in Hotels untergebracht und unsere Sozialarbeiter können sich sehr wohl um sie kümmern.“

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Paetsch weiter: „Leider hält die Sozialbehörde an ihrer unzureichenden Strategie fest. Und so bleiben als Alternative nur private Initiativen wie die des CaFée mit Herz oder anderer Einrichtungen. Für eine reiche Stadt wie Hamburg ein echtes Armutszeugnis.“

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