Ein Darsteller wird bei der Übung behandelt.
  • Ein Darsteller wird bei der Übung behandelt.
  • Foto: Marius Roeer

Notfall-Übung im Hamburger Hafen: Wenn auf einem Schiff eine Seuche ausbricht

Ein Kreuzfahrtschiff mit Ziel Hamburg. Mehrere Hundert Menschen kommen aus dem Urlaub. Doch kurz vor dem Hafen bricht an Bord eine Seuche aus: 119 Menschen sind mit einem unbekannten Virus infiziert, jeden Moment könnte Panik ausbrechen. Glücklicherweise ist das hier beschriebene Szenario nur eine Notfall-Übung am Terminal des Cruise Centers Steinwerder. Das Hamburg Port Health Center (HPHC) hatte sich schon vor der Corona-Pandemie folgende Frage gestellt: Was ist zu tun, wenn an Bord eine gefährliche Krankheit ausbricht?

Schreie, Gewusel und Menschen in Schutzanzügen: Als Schiff-Ersatz dient das Terminal, die meisten der Passagiere sind Puppen oder nur Zettel – coronabedingt. Aber auch einige menschliche Darsteller liegen auf Tragen und werden „behandelt“.

Notfall-Übung in Hamburg: Wenn auf Schiff die Seuche ausbricht

Ein Havariekommando der Marine wurde per Helikopter an Bord abgesetzt. Schwerverletzte werden abtransportiert, Proben der unbekannten Seuche ins Labor gebracht. Kliniken und Hotels sind für die Unterbringung der Menschen alarmiert worden.

Rettungskräfte gehen Daten durch.
Rettungskräfte gehen Daten durch.

Eine Puppe ist festgeschnallt. Sie soll einen Mann darstellen, der randaliert hat. Derweil werden auf engstem Raum Menschen betreut. Im wahren Leben wären die Gänge und Räume enger, der Blick für die Rettungskräfte nicht so frei. Davon abgesehen wirkt das geübte Szenario aber echt. „Vor allem dient es dazu, wichtige Abläufe durchzuspielen“, so Martin Helfrich, Sprecher der Gesundheitsbehörde, „die Kommunikationswege der Akteure einzuüben und Optimierungspotenzial zu zeigen“. Passagiere und Besatzung können bei Landausflügen mit verschiedensten Erregern in Kontakt kommen und diese auf dem Schiff verbreiten.“ Für Hamburg als Hafen- und Tourismusstadt sei es wichtig, mit dem „jederzeit möglichen Eintrag unbekannter Infektionen so umzugehen, dass die Bevölkerung geschützt wird“.

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Erstmals sei auch ein digitaler Ansatz zur Vereinfachung der Aufnahme von Patientendaten zum Einsatz gekommen: Über ein Tablet konnten die Daten bereits vor dem Eintreffen in der Klinik weitergegeben und verarbeitet werden, damit sich das dortige Personal entsprechend vorbereiten kann. Ähnliche Systeme nutzt die Hamburger Feuerwehr.

Mit so einem Tablet können Daten bereits vor Ankunft an Krankenhäuser weitergegeben werden.
Mit so einem Tablet können Daten bereits vor Ankunft an Krankenhäuser weitergegeben werden.

„Es geht auch darum, Fragen zu klären“, sagt Martin Dirksen-Fischer, Leiter des HPHC. „Wer arbeitet im Notfall mit wem zusammen? Wo sind Schnittstellen? Welche Rollen spielen soziale Medien?“ Auf Kreuzfahrtschiffen machten die Leute Urlaub und seien nicht auf Notsituationen vorbereitet. „Auch das Bordpersonal muss daher entsprechend und gut geschult werden, denn es muss im Ernstfall mit aufgewühlten Passagieren umgehen können.“


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Dass während dieser Übung tatsächlich in der realen Welt ein Virus wütet, das sei Zufall und nicht geplant gewesen, so Dirksen-Fischer. „Das Projekt hatten wir lange vor Covid-19 beantragt und genehmigt bekommen. Für uns ist der der internationale Austausch auch wichtig. Wir wollen Erkenntnisse vertiefen, austauschen und uns bestmöglich vorbereiten können.“ Damit sich letztlich keine Panik an Bord ausbreitet – und kein unbekanntes Virus an Land.

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