• Foto: SOKO Tierschutz

Nicht nur bei LPT: Hier werden in Hamburg Tierversuche gemacht – das wird getestet

Dass das Unternehmen LPT trotz eklatanter Verstöße gegen den Tierschutz zumindest in Neugraben wieder Tierversuche durchführen darf, empört nicht nur Hamburger Tierschützer. Tatsächlich ist das Skandal-Labor nur eine von mehreren Tierversuchs-Einrichtungen. Auch bei der Suche nach einem Corona-Impfstoff werden Versuche an Tieren durchgeführt.

Welche Rolle spielen Tierversuche bei der Suche nach einem Corona-Impfstoff?

Es wird an Tieren geforscht, vor allem an Mäusen, aber auch an Rhesusaffen, wie der Göttinger Neurowissenschaftler und Biologe Professor Dr. Stefan Treue von der Lobbyvereinigung „Tierversuche verstehen“ erklärt. Schweine und Hühner haben sich als ungeeignet in der Coronaforschung erwiesen, während Frettchen als einigermaßen geeignete „Tiermodelle“, gelten. Ebenso syrische Goldhamster, die von dem Virus eine leichte Lungenentzündung bekommen, was die Befürworter so interpretieren, dass der Krankheitsverlauf dem eines Menschen ähnelt.

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Frettchen gelten als geeignete „Tiermodelle“ in der Coronaforschung (Symbolbild).

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picture alliance/dpa

Ganz anders sehen das die Wissenschaftler von „Ärzte gegen Tierversuche“: „Eine schnelle und zuverlässige Entwicklung von Medikamenten und Impfstoffen mit Tierversuchen ist nachweislich nicht möglich“, erklärt Sprecherin Dr. Gaby Neumann: „Die Corona-Krise zeigt, welch großer Fehler es in der Vergangenheit war, tierversuchsfreie, humanbasierte Forschungsmethoden wie menschliche 3D-Lungenmodelle und Multi-Organ-Chips nicht ausreichend zu fördern.“

Welche Institutionen in Hamburg führen Tierversuche durch?

In der Reihenfolge der Tierzahlen: UKE (2018: 152.336), LPT (96.533), Evotec (Firma für Wirkstoffforschung, 5127), LeibnizInstitut für experimentelle Virologie (4173), Bernhard-Nocht-Institut (3580), Uni Hamburg (1413). Im Jahr 2018 wurden in Hamburger Laboren fast eine Viertelmillion Tiere für Versuche benutzt.

An welchen Tieren werden Versuche durchgeführt?

Die meisten Versuchstiere in Hamburg sind Mäuse, allein im Jahr 2018 rund 198.000. Das UKE hat 2018 aber auch Schweine, Schafe, Meerschweinchen, Fische und Krallenfrösche als Versuchstiere gemeldet. LPT führt in Hamburg, anders als an seinem Standort in Mienenbüttel, keine Versuche an Affen und Hunden durch. Laut Bundeslandwirtschaftsministerium sind fast die Hälfte der deutschen Versuchstiere genetisch verändert (zumeist Mäuse).

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Versuch an einer narkotisierten Maus (Symbolbild)

Foto:

picture alliance / Friso Gentsch

Wie viele Tierversuche finden in Hamburg statt?

Pro Jahr werden rund 450 Genehmigungsanträge gestellt.

Was für Versuche an Tieren finden in Hamburg statt?

Am vorübergehend geschlossenen LPT Standort Neugraben wurden Jahrzehnte lang Chemikalien und Giftstoffe für Auftraggeber (etwa Pharmaunternehmen) an Nagern getestet – auch das Nervengift Botulinumtoxin, das überwiegend zur kosmetischen Faltenglättung eingesetzt wird, aber als Medikament gilt. Jede neue Charge des Giftes muss wieder neu getestet werden, indem Mäusen der Stoff in die Bauchhöhle gespritzt wird. Es wird getestet, bei welcher Konzentration die Hälfte der Tiere stirbt. „Ärzte gegen Tierversuche“ hat einige Tierversuche am UKE zusammen getragen, etwa eine Versuchsreihe, bei der Kaninchen die Schienbeine durchbohrt wurden, um ein Osteoporosemedikament zu testen. Bestandteile von Kosmetik dürfen seit 2009 nicht mehr an Tieren getestet werden.

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Aktivisten des Vereins „Ärzte gegen Tierversuche“ protestieren im Dezember 2019 gegen das neue Tierversuchslabor am UKE, dem größten Standort für Tierversuche in Hamburg.

Foto:

picture alliance/dpa

Welche Kontrollmöglichkeiten hat die Hamburger Politik?

Die gesetzliche Vorgabe ist schwach: Alle drei Jahre müssen Tierversuchslabore von Veterinären kontrolliert werden, lediglich Affenversuche werden einmal jährlich kontrolliert. Außerdem müssen Tierversuche beantragt werden, derzeit bei der Behörde für Justiz und Verbraucherschutz. Dabei hat der Antragsteller Versuchszweck und gegebenenfalls Prüfsubstanzen zu erläutern. Diese Daten werden statistisch allerdings nicht gesondert erfasst, wie der Senat 2017 auf eine Große Anfrage der Linken erklärte. Labore sind rechtlich auch nicht verpflichtet, Angaben zu Produktnamen und Auftraggebern zu machen.

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