An vielen Ecken Hamburgs sieht man den „Großvater des Graffiti“ noch lächeln. Der Smiley war einer seiner bekanntesten „Tags“.
  • An vielen Ecken Hamburgs sieht man den „Großvater des Graffiti“ noch lächeln. Der Smiley war einer seiner bekanntesten „Tags“.
  • Foto: Patrick Sun

Neues Projekt: Graffiti-Ikone „Oz“: Stadtkarte weist Weg zu seinen Kunstwerken

Er ist ein Mann, der das Stadtbild Hamburgs auch noch nach seinem Tod prägt: Walter Josef Fischer war einer der bekanntesten Sprayer Deutschlands. Er wurde als Schmierfink angeprangert und gleichzeitig als Vorbild verehrt. So weit die Meinungen auch auseinander gehen, eines bleibt er in Hamburg: Eine Legende der Straßenkunst. 

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„Tags“ wie diesen gibt es bestimmt ein paar tausend mal in und um Hamburg.

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Patrick Sun

Am 7. Januar wäre Walter Fischer, bekannt unter dem Alias „Oz“, 71 Jahre alt geworden. Am 25. September 2014 wurde er jedoch auf den Gleisen in der Nähe des Hamburger Hauptbahnhofs von einem Zug erfasst und starb an seinen Verletzungen. Das Ereignis ging vielen Hamburgern nahe. „OZ hat uns die Stadt vererbt“, verkündete ein Banner bei der Beerdigung von Walter Fischer, an deren Trauerzug etwa 350 Freunde und Fans teilnahmen.

„Oz“: Mit der Sprühdose gegen die Norm

Fast jeder Hamburger hat schon mal eines seiner Werke gesehen, auf tausenden Hauswänden, Brücken und Stromkästen prangt seine Signatur: „Oz“. Weitere Spuren des Künstlers sind überall in Hamburg zu finden: Weit über 120.000 Zeichen in Form von Smileys, Kringeln, Punkten und Strichen. Gewöhnungsbedürftig vielleicht, aber vor allem eines: Gegen die Norm.

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„Seht euch nur seine großen bunten Zellhaufen an! Was man, künstlerisch gesehen, aus einem Punkt und einem Strich alles machen kann…“, meint Alex Heimkind, Galerist der Ausstellung „Untitled – Eine Ausstellung von Oz“.

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picture alliance / dpa

Denn für „Oz“ war seine Graffiti nicht nur irgendein Gekritzel, sondern vielmehr ein stummer Protest gegen gesellschaftliche Strukturen – die Sprühdose wurde sein Mittel zum Ausdruck. Immer wieder musste er vor Gericht und sich wegen Sachbeschädigung verantworten. Davon ließ Fischer sich aber nicht einschüchtern. Er war der Meinung, Graffiti sei ein wichtiger Bestandteil einer Stadt, ansonsten wäre diese nicht bunt genug: „Ich will Vielfalt statt einfältig, grau und monoton. Wenn man nicht kontert, dann ist es nur noch grau. Ich mag halt lieber die Wände bunt anstatt wehrmachtsgrau. Das ist auch mein Antrieb.“

City of Oz: Stadtkarte von Hamburg zeigt seine Gemälde

Bis heute ist „Oz“ nicht in Vergessenheit geraten. Schon bei der Beerdigung entstand die Idee, das Werk von „Oz“ in Hamburg zu dokumentieren. In Gedenken an den „Großvater des Graffiti“ erstellte Hamburgs Soziotop, das Gängeviertel, jetzt in Zusammenarbeit mit dem Graffitiarchiv im Archiv der Jugendkulturen e.V. eine Stadtkarte, auf der „Oz’“ Werke rund um Hamburg vermerkt und mit Fotos dokumentiert werden. Über 260 Fotoeinträge zeigen dort schon die Standorte seiner Malereien. Jeder, der ein Werk von „Oz“ entdeckt kann mitmachen und dazu beitragen, das Abbild von „Oz’“ Schaffen wachsen zu lassen.

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Einige von „Oz’“ Werken sind auch sieben Jahre nach seinem Tod noch gut erhalten.

Foto:

Patrick Sun

Hamburg ohne „Oz’“ Spuren wäre für viele nicht mehr das echte Hamburg. Im Gästebuch der Ausstellung „Untitled – Eine Ausstellung von Oz“ schreibt ein Gast: „Danke Oz, dafür dass zwei Buchstaben dafür sorgen, dass ich mich zu Hause fühle, wenn ich in diese Stadt zurück komme.“ (tks)

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