Ottensen soll im Zentrum möglichst autoarm werden. Dafür soll nun ein größerer Prozess gestartet werden. 
  • Ottensen soll im Zentrum möglichst autoarm werden. Dafür soll nun ein größerer Prozess gestartet werden. 
  • Foto: imago images / Nikita

Neue Freiheiten, kaum Verkehr: So soll das autoarme Ottensen diesmal klappen

Das Projekt sorgte für Aufsehen in der Stadt – und für Zoff im Viertel: Als die zentralen Straßen in Ottensen kurzerhand in autofreie Zonen umgewandelt wurden, gab es viel Lob, aber auch Kritik. Gewerbetreibende wehrten sich gegen das Konzept. Gerichtlich wurde der Modellversuch „Ottensen macht Platz“ im Februar vor einem Jahr gestoppt. Die Idee soll dennoch umgesetzt werden – modifiziert und mit mehr Bürgerbeteiligung. Montagabend wurde das neue Konzept im Verkehrsausschuss vorgestellt.

Hamburg plant mit großen Schritten die Verkehrswende. Der Bezirk Altona spielt hierbei eine wichtige Rolle. Die Velo-Route zwischen Altona-Altstadt und Rissen wird weiter ausgebaut, es soll gesicherte Radwege geben und die Gerichtstraße wird zur Fahrradstraße. Das Herzstück ist eine autoarme Zone. Dafür wurde ein Kompetenzteam zusammengestellt, das unter der Leitung von Bastian Hagmaier einen ersten Rahmenentwurf erstellt hat. Wichtigste Merkmale: ein neuer Name, ein klares Beteiligungskonzept und eine neue Fahrradstraße.

Aus „Ottensen Macht Platz wird“ „freiRaum Ottensen“

Das Projekt heißt nun „freiRaum Ottensen“ und soll vor allem positive Assoziationen bei den Menschen im Bezirk wecken. So soll es „bunte, offene Straßen, weniger parkende Autos“ geben sowie mehr „Freiraum zur Entspannung, Entfaltung und Gestaltung des Straßenraums“. Übersetzt heißt das: Im Kern sollen die Bereiche, die schon während des ersten Modellversuchs Teil von „Ottensen macht Platz“ waren, erneut umgestaltet werden. Damals waren in der Ottenser Hauptstraße, der Bahrenfelder Straße und kleineren angrenzenden Straßen weite Teile für den Autoverkehr gesperrt worden.

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Gegen diese Komplett-Sperrung liefen einige Gewerbetreibende Sturm, auch in der Bezirks-Opposition gab es Unmut. Ältere Patienten klagten, dass sie ohne Auto nicht zu ihren Ärzten kommen könnten, Unternehmer berichteten von Umsatzeinbußen durch fehlenden Verkehr von außerhalb. Das Projekt wurde gekippt. Da sich bei einer Befragung im Anschluss eine große Mehrheit für eine Fortsetzung eines autoarmen Quartiers fand, wurde diese durch die Bezirksversammlung im April 2020 beschlossen.

Altona: Anwohner, Unternehmer und Lobbyisten sollen in Beirat

Nun soll das Projekt besser laufen und so die Zufriedenheit der Interessengruppen erhöhen. Eine mögliche Umsetzung soll diesmal ein autoarmer Bereich in der Ottenser Hauptstraße sein. Hier könnten Autos beispielsweise nur zu bestimmten Tageszeiten fahren. Für die Bahrenfelder Straße ist eine Mischung aus Fahrrad- und Fußgängerzone inklusive entsprechender Umbauten im Fahrbahnbereich vorgesehen. Dazu kommen Querungen, Stellplätze.

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So wird die Ottenser Hauptstraße zwar nicht aussehen, aber es soll Freiraum für neue Ideen geschaffen werden.

Foto:

Patrick Sun

Allerdings sind die Pläne nicht final, denn anders als beim letzten Mal ist eine insgesamt 76.000 Euro teure Bürgerbeteiligung vorgesehen. Dafür soll ein Beirat gebildet werden, der aus 18 Personen plus VertreterInnen besteht: Bewohnern, Gewerbetreibenden, Grundeigentümern, Lobbyverbänden wie ADFC und ADAC, Vertretern der Initiativen „Ottensen bewegt“ und „Ottenser gestalten“ sowie Repräsentanten der Handelskammer, Handwerkskammer, einer Seniorenvertretung und einer Person vom Kompetenzzentrum für Barrierefreiheit.

Anfang 2023 soll der Umbau in Ottensen starten

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Die grüne Bezirksamtsleiterin Stefanie von Berg

Foto:

Quandt/ Florian Quandt

Das Ziel ist ein Start der Umbaumaßnahmen im ersten Quartal 2023. Dann soll aus dem einstigen Verkehrsversuch endlich eine dauerhafte Lösung werden. Bezirksamtsleiterin Stefanie von Berg (Grüne) zur MOPO: „Es lohnt sich, dass wir uns jetzt bei dem Projekt die Zeit nehmen. Es geht dabei um Stakeholder-Management. Es geht jetzt darum, wie wir es umsetzen. Ich hoffe, dass es uns gelingt, so viel Verständnis wie möglich für unsere Idee zu erlangen. Wir werden aber nicht alle befriedigen können. Die Leute sollen sagen: Das ist ein echter Benefit für mich, etwas fürs Gemeinwohl.“ Ein ambitioniertes Ziel.

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