Die Domicil-Seniorenresidenz am Öjendorfer Damm in Hamburg-Jenfeld.
  • Die Domicil-Seniorenresidenz am Öjendorfer Damm in Hamburg-Jenfeld.
  • Foto: Marius Roeer

Nächster Impf-Ärger: Seniorenheim-Chefs wurden geimpft – Mitarbeiter: „Schamlos“

Nächster Impf-Ärger in Hamburg: Nachdem sich Führungskräfte bei Feuerwehr und DRK bevorzugt impfen lassen haben, griffen auch diverse Chefs der Domicil-Seniorenresidenzen zu übergebliebenen Ampullen – das gab das Unternehmen gegenüber der MOPO auch zu. Und eine Arztgattin hat offenbar versucht, sich eine Corona-Impfung zu erschleichen.

Zunächst zum Sachverhalt bei Domicil: Am 21. Januar und am 11. Februar wurden Repräsentanten sämtlicher Geschäftsleitungen von Domicil geimpft, und zwar mit dem Vakzin der Firma Biontech.

Hamburg: Seniorenheim-Chefs wurden bevorzugt geimpft 

„Respekt, Toleranz und Vertrauen – das sollen die Werte sein, die die Domicil-Seniorenzentren und ihre Mitarbeiter leben sollen“, sagt ein Mitarbeiter der Einrichtung in Jenfeld, wo die Chefs die Ampullen bekamen. Er möchte anonym bleiben. „Das von der Unternehmungsführung ‚vorgelebte, herzliche Miteinander‘ und das ‚Wohlbefinden von Mitarbeitern und Bewohnern‘ scheinen aber eine Grenze zu haben.“

Er moniert außerdem, dass die „Schlipsträger“ wenig bis gar keinen persönlichen Kontakt zu den Häusern haben, eine Impfung also überhaupt gar nicht nötig gewesen sei. „Dort, wo Macht und Geld sitzt, bedient man sich schamlos. Das unterhalb der Geschäftsführung arbeitende Personal bleibt mit Ausnahme der wenigen zwischen den Residenzen pendelnden Mitarbeitern außen vor.“

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Domicil wehrt sich gegen die Vorwürfe, gibt auf MOPO-Nachfrage Bescheid, dass „bislang alle impfwilligen Bewohnerinnen und Bewohnern sowie auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geimpft werden konnten“. Dazu seien die geimpften Führungskräfte „auch immer wieder in den Einrichtungen vor Ort persönlich präsent.

Hamburg: Arztgattin will sich zu Unrecht impfen lassen

Völlig zu Unrecht hat sich offenbar die Frau eines Arztes in Hamburg versucht impfen zu lassen: Mit einer gefälschten Bescheinigung soll die 64-Jährige am 4. Februar im Impfzentrum an den Messehallen erschienen sein – mit der Bescheinigung ausgeschrieben von derselben Firma, für die ihr Ehemann arbeitet.

Der Haken: Der hatte sich nur eine halbe Stunde davor impfen lassen. Das Impfpersonal wurde misstrauisch, rief bei der besagten Firma an. Ergebnis: Die Frau arbeitet nicht dort. Das Personal informierte die Hamburger Polizei. Als Erstes hatte der „Spiegel“ dazu berichtet.

Polizeisprecherin Sandra Levgrün bestätigte auf MOPO-Nachfrage den Fall. „Es besteht der Verdacht der Urkundenfälschung.“ Sollte die 64-Jährige verurteilt werden, drohen ihr ein Geld- oder eine Gefängnisstrafe.

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