• Der Fahrrad-Boom auch rund um die Alster hält an.
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Nachfrage seit Corona deutlich gestiegen: Ist Hamburg auf dem Weg zur Fahrradstadt?

Das Fahrrad gilt als einer der klaren Gewinner in der Corona-Krise. Schon ab Mai verzeichneten die Händler eine riesig gestiegene Nachfrage nach Zweirädern. Aber hält der Boom in der Hansestadt immer noch an? Die MOPO hat noch einmal bei den Händlern nachgefragt.

Zu Beginn der Corona-Krise sind sehr viele Hamburger auf das Rad umgestiegen, während der HVV zur gleichen Zeit deutlich rückläufige Fahrgastzahlen vermeldete. Mittlerweile füllen sich die Busse und Bahnen langsam wieder – lässt der Trend zum Fahrrad also auch wieder nach?

Corona in Hamburg: Wird das Fahrrad zum nachhaltigen Trend?

Nicht, wenn es nach Jan Schulz-Langendorf, Inhaber des Hamburger Fahrradladens „Langendorf Cycles“, geht. „Der Boom hält immer noch deutlich an“, sagt er auf MOPO-Nachfrage. „Mittlerweile werden sogar schon die Räder knapp.“ Der Laden hätte zwar noch einige auf Lager, manche Wünsche könne man aber schon nicht mehr bedienen.

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„Die Hersteller haben mit so einer großen Nachfrage einfach nicht gerechnet“, erklärt Schulz-Langendorf. Er wolle den Herbst abwarten, ob der Trend bei kälteren Temperaturen weiterhin anhalte. „Erst dann kann man für das nächste Jahr planen.“

Fahrrad-Boom in Hamburg: Fahrradhändler kommen nicht hinterher

Auch Felix Lange vom „Max Lange Zweiradfachgeschäft“ in Rahlstedt klingt etwas gehetzt, während er der MOPO berichtet. „Von Langeweile sind wir Lichtjahre entfernt“, erzählt er, „Räder haben wir allerdings noch genug“. Und dann muss er auch schon am Telefon auflegen, weil „die Hütte mal wieder voll ist“.

Dirk Lau, Pressesprecher des ADFC Hamburg, bestätigt ebenfalls die anhaltende Lust aufs Zweirad. „Ich habe nicht das Gefühl, dass dieser durch Corona verstärkte Trend hin zum Fahrrad aktuell nachlässt“, sagt er auf MOPO-Anfrage. „Es ist jetzt Aufgabe des Senats, diesen Trend konsequent zu unterstützen und flächendeckend für sichere und attraktive Radwege in Hamburg zu sorgen.“

Fahrrad-Trend in Hamburg: Mehr Radfahrer als 2019

Aktuelle Zahlen des Senats stützen all diese Beobachtungen. An der Fahrradzählsäule an der Gurlittinsel waren im Juni 2020 knapp 4000 Radfahrer mehr unterwegs als noch im Juni 2019. Rosa Domm, Sprecherin für Klimapolitik und Mobilitätswende der Grünen Bürgerschaftsfraktion sieht darin einen bundesweiten Trend gespiegelt: „Die aktuellen Zahlen geben uns Rückenwind, die Radinfrastruktur deutlich zu erweitern und die Radwege an der Alster an ihre Anforderungen anzupassen.“

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Rainer König ist Vertriebsleiter der Firma „Stevens“ mit Sitz in Hamburg, die circa 500 Fachhändler und einige hundert weitere Händler im europäischen Ausland mit Fahrrädern beliefert.

Fahrrad-Boom wegen Corona: Räder werden langsam knapp

„Hamburg war schon immer ein starker Markt und die Corona Pandemie hat für weiter stark wachsende Nachfrage gesorgt“, erklärt König auf MOPO-Anfrage. „Diesen Effekt können wir europaweit feststellen. Deshalb werden in der Tat die Räder knapp.“ Schalt- und Bremskomponenten und Pedelec Systeme hätten im Moment Vorlaufzeiten von bis zu zwölf Monaten.

Video: Deutschland ist im Fahrrad-Fieber

„Die Planungen für das ab Herbst beginnende Modelljahr 2021 laufen bereits seit langer Zeit“, so König weiter, „damit wollen wir die Versorgung des Handels möglichst nahtlos gewährleisten.“

Eine rückläufige Entwicklung ist also nicht zu erkennen. Die Fahrradläden werden geradezu überrannt, an einigen Stellen werden die Räder sogar schon knapp. Es scheint, als wäre Hamburg im Moment wirklich auf dem Weg zur Fahrradstadt.

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