Der Hamburger Fotograf Jörg Müller vor der Eröffnung der Ausstellung im Auswanderermuseum in der Ballinstadt. 
  • Der Hamburger Fotograf Jörg Müller vor der Eröffnung der Ausstellung im Auswanderermuseum in der Ballinstadt. 

Nachfahren der Auswanderer: Ausstellung zeigt deutsches Leben auf fünf Kontinenten

Nach monatelangem Corona-Lockdown öffnen am Freitag endlich wieder einige Museen in Hamburg. Dazu zählt auch das Auswanderermuseum in der BallinStadt. Den Auftakt macht dort eine Ausstellung des Hamburger Fotografen Jörg Müller, der den Alltag von Nachfahren deutscher Auswanderer auf fünf Kontinenten portraitierte.

„Fünfmal Deutschland in aller Welt“ – so heißt die Fotoausstellung, die es ab Freitag in der BallinStadt zu sehen gibt. „In vielen Köpfen gibt es kein Bewusstsein dafür, dass es auch in Deutschland in der Vergangenheit Armut und Hunger gegeben hat und Menschen deswegen ihre Heimat verlassen mussten“, erklärt Fotograf Jörg Müller.

Ausstellung in Hamburg: So ist das Leben in deutschen Kolonien 

In der Ausstellung wird nun das Alltagsleben der Nachfahren jener Auswanderer beleuchtet. „Jeder dieser Orte ist auf seine Art etwas ganz Besonderes“, meint Müller.

Das könnte Sie auch interessieren: Was ab heute in den Bundesländern möglich ist

„Man taucht ein Stück weit in die Geschichte der Kolonien ein“, so der Fotograf. Noch bis zum 18. April gastiert die Ausstellung in der BallinStadt. Die MOPO zeigt, welche Orte der Hamburger Fotograf auf seinen Reisen besucht hat.

Neuer Inhalt (19)

Viele der Kinder in der mexikanischen Mennoiten-Kolonie kommen zum Schüleraustausch nach Deutschland.

Foto:

Jörg Müller / Agentur Focus

In der Menoita-Kolonie in der mexikanischen Halbwüste wurde lange Zeit noch auf plattdeutsch unterrichtet, erst seit Kurzem haben die Schulen auf Hochdeutsch umgestellt. Und auch die strengen Regeln der Glaubensgemeinschaft werden wegen des Einflusses von Internet und Smartphones langsam etwas gelockert. Viele der Kinder werden inzwischen zum Schüleraustausch oder zum Studieren nach Deutschland geschickt.

Pommern in Brasilien: Oktoberfest in den Tropen

Bierzelt und Lederhosen mitten in Brasilien? Was erstmal unpassend klingt, ist in der deutschen Auswanderer-Kolonie Pomerode ganz normal. Die 30.000-Einwohner-Gemeinde liegt südlich von Rio de Janeiro und wurde 1861 von pommerschen Auswanderern gegründet.

Neuer Inhalt (19)

Lederhosen, Bier und Volksfeste gehören in der brasilianischen Kolonie zum Alltag.

Foto:

Jörg Müller / Agentur Focus

Heute haben sich dort zahlreiche Brauereien und auch deutsche Auslandswerke von Bosch und Netzsch (weltgrößter Pumpenhersteller) angesiedelt. Die typisch deutschen Feste ziehen Touristen an, was zum Wohlstand der Kleinstadt beiträgt.

Müller: „Norddeutscher Dialekt war für mich überraschend“

„Die extreme Abgeschiedenheit des Ortes war sehr beeindruckend“, erinnert sich Müller an seine Reise nach Litkowka in Sibirien. Das 500-Seelen-Dorf ist nur über eine einzige Straße erreichbar, in der Regenzeit ist es wegen des Schlamms oft völlig von der Außenwelt abgeschnitten. 

Neuer Inhalt (19)

Im sibirischen Dorf Litkowka leben Nachfahren deutscher Auswanderer.

Foto:

Jörg Müller / Agentur Focus

Der Ort konnte im Gegensatz zu den umliegenden russischen Dörfern seine Kolchose retten, die meisten Familien versorgen sich selbst mit eigenem Obst- und Gemüseanbau.

Das könnte Sie auch interessieren: BallinStadt „Bin ja nur ein Hafenjude“

Die deutsche Kolonie Wartburg in Südafrika ist hingegen sehr wohlhabend. Die Nachfahren der wegen einer Hungersnot im 19. Jahrhundert aus der Lüneburger Heide geflohenen Missionare sind durch den Anbau von Zuckerrohr reich geworden.

Neuer Inhalt (19)

Die Bewohner der deutschen Kolonie Wartburg in Südafrika sind heute sehr wohlhabend. 

Foto:

Jörg Müller / Agentur Focus

In den Schulen lernen die Kinder die deutsche Sprache – „der norddeutsche Dialekt war für mich erstmal überraschend“, erzählt Müller von seiner Reise nach Südafrika.

In der BallinStadt: Fotoprojekt „Fünfmal Deutschland in aller Welt“

Die einzige dampfbetriebene Schmalspurbahn Rumäniens lockt Touristen in das erstmals Ende des 18. Jahrhunderts von deutschsprachigen Familien besiedelte Dorf Oberwischau in Rumänien. Bis heute gibt es dort noch eine deutschsprachige Minderheit von etwa 600 Personen.

Neuer Inhalt (19)

Auch in diesem rumänischen Dorf gibt es heute noch eine deutschsprachige Minderheit.

Foto:

Jörg Müller / Agentur Focus

„Man hat in allen Kolonien gemerkt, dass die Menschen sehr gelassen sind und in sich ruhen. Sie haben ein gutes Leben, vor allem im Vergleich zum oft sehr armen Umfeld“, so Müller. Das schon vor einigen Jahren begonnene Fotoprojekt wird von mehreren Institutionen gefördert – unter anderem durch das Goethe-Institut und das Bundesinnenministerium.

Tickets für die Ausstellung müssen wegen Corona vorgebucht werden. Die Buchung ist online oder telefonisch möglich. 

Email
Share on facebook
Share on twitter
Share on whatsapp