Polizeipräsident Ralf Martin Meyer.
  • Polizeipräsident Ralf Martin Meyer.
  • Foto: Florian Quandt

Nach umstrittenem „taz“-Artikel: Hamburger Polizeipräsident reicht Beschwerde ein

Wegen eines umstrittenen Artikels in der linken Tageszeitung „taz“ wird Ralf Martin Meyer, Hamburgs Polizeipräsident, nach MOPO-Informationen Beschwerde beim Presserat einreichen. Einige Gewerkschaften haben bereits Strafanzeigen gestellt.

In der Kolumne mit dem Titel „All Cops are berufsunfähig“ geht es um eine fiktive Abschaffung der Polizei. Und um eine Zukunft, in der 250.000 deutsche Polizisten sich einen neuen Job suchen müssten.

Nach „taz“-Artikel: Hamburger Polizeipräsident reicht Beschwerde ein

„Wenn die Polizei abgeschafft wird, der Kapitalismus jedoch nicht, in welche Branchen kann man Ex-Cops dann überhaupt noch reinlassen? Schließlich ist der Anteil an autoritären Persönlichkeiten und solchen mit Fascho-Mindset in dieser Berufsgruppe überdurchschnittlich hoch“, schreibt die Autorin, Hengameh Yaghoobifarah. „Oder haben Sie schon mal von einem Terrornetzwerk in der Backshop-Community gehört? Ich nämlich auch nicht.“

Darüber hinaus findet Yaghoobifarah, dass Ex-Polizisten in ihren neuen Jobs bloß keine Machtpositionen innehaben sollten: „Das kommt nicht infrage. Streng genommen möchte man sie nicht einmal in die Nähe von Tieren lassen.“ Und dann wird sie – nachdem sie einigen Polizisten sogar Nazi-Nähe attestierte – beleidigend, als sie vorschlägt, sie sollten auf Müllhalden arbeiten. „Unter ihresgleichen fühlen sie sich bestimmt auch selber am wohlsten.“

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Hamburgs Polizeipräsident Meyer fand deutliche Worte für diese doch fragwürdige Form des Journalismus: „Ich empfinde die Kolumne als menschenverachtend und gefährlich. Sie stachelt meines Erachtens nicht nur zum Hass gegen Polizeibeamte auf, sondern greift auch die Menschenwürde aller Kolleginnen und Kollegen an und verletzt diese zutiefst“, sagte er der MOPO auf Nachfrage.

Polizei-Gewerkschaften aus ganz Deutschland haben Strafanzeige gegen die „taz“ gestellt. Darunter auch die GdP, dessen Berliner Landeschef, Norbert Cioma, sagte: „Wer meine Kollegen gezielt als Nationalsozialisten vergleicht und sie auf einer Mülldeponie unter ‚ihresgleichen‘ entsorgen möchte, der ist nicht mal im Ansatz besser als jeder Nazi.“

Dazu Horst Niens, Chef der Hamburger GdP: „Die ‚taz‘ hat mit der Veröffentlichung der „Kolumne“ zur Diffamierung hunderttausender meiner Kolleginnen und Kollegen beigetragen, Grenzen des Anstandes auch in sprachlicher Hinsicht überschritten und das eigene Selbstverständnis ganz offensichtlich schwer verletzt. Die ‚taz‘ will sich für eine kritische Öffentlichkeit einsetzen; dies bedingt aus meiner Sicht aber auch, dass ein Mindestmaß an Selbstkritik vorhanden ist. Das kann ich aktuell nicht erkennen. Wenn sich die ‚taz‘ auch nur halbwegs an das eigene Selbstverständnis gebunden fühlt, dann gibt es nur ein Wort, das von ihr an die Adresse meiner Kolleginnen und Kollegen zu sagen wäre: ENTSCHULDIGUNG!“

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