So posierte Dariusch F. vor dem Anschlag auf ihn am Hafen. Der Rocker-Boss sitzt aktuell im Rollstuhl. 
  • So posierte Dariusch F. vor dem Anschlag auf ihn am Hafen. Der Rocker-Boss sitzt aktuell im Rollstuhl. 
  • Foto: RUEGA

Nach Schüssen gelähmt: Richterin: „Hells Angels“-Boss will Rache

Im Prozess um die beinahe tödlichen Schüsse auf den „Hells Angels“-Boss Dariusch F. auf St. Pauli sind Donnerstag die Urteile gefallen: Das  Landgericht Hamburg verknackte den Hauptangeklagten und Ex-„Mongol“ Arash R. (29) wegen versuchten Mordes zu lebenslanger Haft, sein Vater (73) bekam neuneinhalb Jahre. Der Schütze muss in die Psychiatrie. Das Ende des Rocker-Krieges? Die Richterin: „Dari“ hat sich noch nicht geschlagen gegeben.

Bereits in einem ersten Verfahren war Arash R. zu der gleichen Haftstrafe verurteilt und schuldig gesprochen worden. Der Prozess musste aufgrund eines Formfehlers allerdings neu aufgelegt werden.

Urteil in Hamburg: Ex-„Mongol“ muss lebenslang ins Gefängnis

Beim zweiten Mal mit auf der Anklagebank: der geständige Schütze (27), der Ende August 2018 auf „Dari“ geschossen haben will, als der in seinem Bentley am Millerntor saß. „Dari“ wurde bei  den Schüssen aus dem Hinterhalt lebensgefährlich an Kopf und Oberkörper verletzt. Der Vater des Hauptangeklagten, der 73 Jahre alte Toryali R., musste sich ebenfalls wegen Beihilfe im zweiten Prozess verantworten.

Montage MongolRocker

Arash R. sitzt auf der Anklagebank. Er wurde mittlerweile zu lebenslang verurteilt.

Foto:

Quandt/Röer

Der Schütze wird die ihm auferlegten sechs Jahre und neun Monate aber nicht im Gefängnis verbringen, sondern in einer psychiatrischen Anstalt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass er krank, deswegen vermindert schuldfähig ist. Außerdem habe er  aktiv „Aufklärungshilfe“ betrieben, wie Gerichtssprecher Kai Wantzen der MOPO sagte: So sollen erst seine Aussagen die Ermittler zu  Arashs Vater Toryali geführt haben – er soll am Mord-Plan mitgetüftelt haben.

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Die Richterin sprach in ihrer Urteilsbegründung von einem „feigen Racheakt basierend auf kulturell geprägten und übersteigerten Ehrvorstellungen“. Arash R. habe sich die Chance auf Milderung verbaut, weil er nicht von Anfang an die volle Schuld auf sich genommen habe – obwohl er sich am letzten Verhandlungstag reumütig gegeben hatte: Ihm tue die Tat und die Verletzungen, die das Opfer dadurch erlitten habe, „sehr leid“.

Arash R.s Verteidigung hatte gestern kurz vor der Urteilsverkündung noch versucht, einen neuen Zeugen vors Gericht zu bringen: Einen Kellner, mit dem „Dari“ über einen möglichen Angriff auf sich gesprochen haben soll. „Der Antrag wurde nicht stattgegeben“, so Gerichstssprecher Kai Wantzen.

Video: Mordversuch auf offener Straße

Schüsse auf „Dari“ aus Rache nach Elternhaus-Hinterhalt?

Doch wieso traf es den „Hells Angels“-Boss überhaupt? Hintergrund: 2016 war auf Arash R. und Freundin Lisa S. mehrfach geschossen worden. Den Hinterhalt in R.s Elternhaus überlebten beide schwer verletzt. Lisa S. wurde bei dem Angriff in die Brust geschossen. In Rocker-Kreisen hieß es, dass die „Mongols“ davon überzeugt waren, dass Feind und „Hells Angel“ Dariusch F. die Aktion in Auftrag gegeben hatte.

Bedeutet die Verurteilung von Arash R. nun das Ende des jahrelangen Rocker-Krieges zwischen „Hells Angels“ und „Mongols“? Die Richterin glaubt das nicht: „Dariusch F. hat sich nicht geschlagen gegeben. Er wird natürlich niemals Ruhe geben“, wird sie in der „Zeit“ zitiert. Für sie scheint es durchaus möglich, dass der „Höllenengel“-Boss auf Rache sinnt – und es zum nächsten Vergeltungsschlag kommt. (dg)

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