Die Musiker in der Elphi warten den Protest der Klima-Aktivisten geduldig – und teils mit einem Lächeln – ab.
Die Musiker in der Elphi warten den Protest der Klima-Aktivisten geduldig – und teils mit einem Lächeln – ab.
  • Die Musiker in der Elphi warten den Protest der Klima-Aktivisten geduldig – und teils mit einem Lächeln – ab.
  • Foto: picture alliance/dpa/Markenfotografie Elbphilharmonie

Nach Klima-Protest in der Elphi: Solistin und Veranstalter mit klarer Ansage

Das Publikum in der Elphi reagiert wütend, Twitter-Nutzer hasserfüllt: Die Klebe-Aktion zweier Mitglieder der Klimagruppe „Letzte Generation“ in Hamburgs bekanntestem Konzertsaal erhitzt die Gemüter. Doch was denken die Musiker und Veranstalter? Die Solistin Julia Fischer hat einen klaren Standpunkt – genau wie die Elbphilharmonie.

Am vergangenen Mittwoch sorgte der Klebe-Protest zweier Klimaaktivisten in der Elbphilharmonie für einiges Aufsehen: Die beiden Mitstreiter der „Letzten Generation“ hatten vor Beginn des Konzerts die Bühne betreten und sich an das Dirigentenpult geklebt.

Ihre Botschaft ans Publikum: „Genau wie es nur ein Geigenkonzert von Beethoven gibt, haben wir nur diesen einen Planeten. Es wird keine Elbphilharmonie mehr geben, um Beethoven zu genießen, wenn Hamburg unter Wasser steht. Die Krise eskaliert jetzt gerade, vor unseren Augen!“

Hamburg: Solistin reagiert auf Klebe-Prostest

Doch die Klassik-Fans hatten offensichtlich keine große Sympathie für den Appell – ihre Empörung taten sie durch laute Buh-Rufe kund. Für die Solistin und Geigerin Julia Fischer, die zur absoluten Klassik-Elite gehört, war diese Veranstaltung die letzte ihrer Tournee mit der Staatskapelle Dresden. Als sie zusammen mit ihrem Kollegen Tugan Sokhiev die Bühne betrat, hatten sich die beiden Aktivisten bereits an das Dirigentenpult geklebt.

Geigerin Julia Fischer ist oft als Solisten gefragt (Archivbild) imago/MIS
Geigerin Julia Fischer ist oft als Solisten gefragt (Archivbild)

„Es entwickelte sich rasch eine Situation, die wohl kein Künstler gerne erlebt: ein sofort aufgebrachtes, ja wütendes Publikum, eine Verzögerung, während wir Künstler vor der Aufgabe stehen, ein Konzert darzubieten, auf das wir uns ausgiebig vorbereitet haben“, schildert Fischer den Vorfall.

Elbphilharmonie: Veranstalter sieht Aktion gelassen

Sie wolle jedoch weder über die Aktion selbst sprechen, noch über das Verhalten des Publikums oder des Veranstalters. Ihr seien nur zwei Punkte wichtig: „Erstens gelingt es der Weltgemeinschaft offenkundig nicht, die größte Krise der Menschheit, die Klimakatastrophe, gemeinschaftlich anzugehen. Darüber muss gesprochen werden und nicht über junge Leute, Sekundenkleber und eine Stange am Dirigentenpult.“ Dann fügt sie hinzu: „Zweitens kann ein Konzertsaal durchaus ein Ort des politischen Austauschs sein.“

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Die Verantwortlichen der Elbphilharmonie sehen den Vorfall ebenfalls – und anders als viele Twitter-Nutzer und konservative Politiker – entspannt. Zwar habe das Publikum zum Teil mit Unmut reagiert, die Stimmung habe sich jedoch schnell beruhigt, als klar wurde, dass das Konzert mit nur sechs Minuten Verzögerung starten werde, heißt es von Seiten der Elbphilharmonie.

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„Letztendlich handelte es sich um einen kurzen Zwischenfall. Es bestand zu keinem Zeitpunkt eine Gefahrenlage. Solche Protestaktionen sehen wir gelassen“, so der Sprecher.

„Selbstverständlich wünschen wir uns störungsfreie Konzerterlebnisse für unser Publikum. Wir verstehen aber auch die von jungen Protestierenden friedlich zum Ausdruck gebrachte Sorge um unsere natürlichen Lebensgrundlagen.“ Die Elbphilharmonie erstattet keine Anzeige gegen die Aktivisten.

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