Taverna Priamos in Altona-Altstadt
  • Foto: / Florian Quandt

Nach 42 Jahren: Investor setzt Traditions-Griechen vor die Tür

St. Georg — Seit 42 Jahren gehört sie zu Altona-Altstadt: die Taverna Priamos. In all der Zeit ist sie für viele Anwohner und Stammgäste zu einem zweiten Zuhause geworden. 2007 hat Andreas Karakitsios (52) das Restaurant übernommen und aus den Schulden herausgeholt. Jetzt wollte er mit der Taverna endlich schwarze Zahlen schreiben — doch dann kam aus dem Nichts die Nachricht: Sein Vertrag wird nicht verlängert.

„Das ist menschlich einfach mies“, macht Sabine Homann-Maaß ihrem Unmut Luft. Die 50-Jährige ist eine der Stammgäste der Taverna und hat sich mit noch einigen anderen zusammengeschlossen, um ihr Lieblings-Restaurant zu unterstützen. „Wir finden das einfach nicht in Ordnung, wie das Ganze abgelaufen ist“, sagt sie.

Hamburg Altona: Beliebte Taverna Priamos plötzlich gekündigt

Aber von vorne: Im vergangenen September wechselte das Gebäude den Besitzer. Neuer Eigentümer ist die Hanseatic Living Estates GmbH. „Ich habe den neuen Vermieter dann gleich gefragt, ob ich hier weiter drin bleiben darf“, erzählt Karakitsios im Gespräch mit der MOPO. „Er meinte immer nur ‚alles gut‘, er brauche noch Zeit, sich zu entscheiden.“

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Denn der Vertrag für die Taverna Priamos läuft immer nur fünf Jahre lang und muss dann erneuert werden — zuletzt war das im Jahr 2016. „Das lief ohne Probleme ab“, berichtet der Gastronom. In diesem Jahr stand also die nächste Entscheidung an.

Hamburg Altona: Neuer Besitzer kündigt Gastronom während Corona

„Immer wenn ich ihn darauf angesprochen habe, meinte er, dass wir nächste Woche darüber sprechen und er das noch nicht entscheiden kann“, so Karakitsios.

Ende März flatterte dann überraschend die Ankündigung ins Haus, dass der Vertrag nicht verlängert wird. „Ich konnte es gar nicht glauben“, sagt der 52-Jährige. „Und ich verstehe bis heute nicht, warum.“

Andreas Karakitsios, Inhaber der Taverna Priamos, wurde vom Vermieter gekündigt. Die Stammgäste sind sauer. HIER: Sabine Homann mit Tochter.

So ganz scheint die Taverna in der Virchowstraße auf den ersten Blick nicht zu den anderen Projekten der Hanseatic Living Estates auf der Webseite zu passen: Dort werden vornehmlich alte Herrenhäuser gezeigt, die in Wohnungen umgebaut werden sollen, zum Beispiel am Mühlenberg in Blankenese.

Der Vorfall zeigt, dass selbst Arbeiter-Viertel, wie Altona-Altstadt für Investoren interessant werden. Die Frage ist, was diese daraus machen.

Altona: Kündigung während Corona — Stammgäste empört 

Die MOPO fragte bei der Geschäftsführung der Hanseatic Living GmbH an und bat um ein Gespräch. Diese antwortete innerhalb von zwei Wochen nicht darauf.

„Das sind Orte, die das Viertel hier ausmachen“, fasst Frauke Anhalt (58), ebenfalls Stammgast, die Situation zusammen. Ihre Tochter sei hier so gut wie aufgewachsen. Diese ist heute 36 Jahre alt und auch unter den Protestierenden. „Wir haben per Zufall über den Nachbarfunk davon erfahren“, erzählt Monique Anhalt. „Dann haben wir uns sofort entschieden, Andreas beizustehen.“

Hamburg Altona: Das sagt die Bezirkspolitik zur Kündigung

Die Stammgäste haben sich bereits an die Bezirkspolitik in Altona gewandt. „Dass der Besitzer der Taverna Priamos so lange im Glauben gelassen wurde, dort weiter drin bleiben zu können, um dann doch in letzter Sekunde eine Kündigung zu bekommen, ist moralisch höchst fragwürdig“, kommentiert Dennis Mielke von der SPD Bezirksfraktion Altona die Lage. Es sei nicht einfach, mit einem vollen Restaurant umzuziehen. Gerade in der derzeitigen Corona-Situation. 

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„Man sollte langjährigen Mietern hier eine Perspektive geben und sich zum Beispiel zusammen hinsetzen und um eine Lösung bemühen“, schlägt er vor. Solche wichtigen Orte der Begegnung müssten erhalten bleiben.

Hamburg Altona: Besitzer der Taverna Priamos sucht neue Bleibe

Christian Trede von den Grünen in Altona erklärt, dass sich der Gebäudekomplex in der Virchowstraße in einer „Sozialen Erhaltungsverordnung“-Lage befindet. Dort habe der Bezirk ein Vorkaufsrecht und die Sanierung von Wohnraum sei genehmigungspflichtig. „Das bezieht sich aber nicht auf das Gewerbe. Auf die Kündigung eines Gewerbemietvertrages hat die Politik leider keinerlei Einfluss“, so der Grünen-Politiker. Den Wert, den das Restaurant für die Nachbarn habe, könne er jedoch gut nachvollziehen.

Andreas Karakitsios sucht inzwischen fieberhaft nach einer neuen Bleibe für die Taverna Priamos. „Das sollte aber ganz in der Nähe sein“, betont er. Schließlich wolle er seine Stammgäste alle mitnehmen.

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