Anne Rol (vorn) und die anderen Mieter:innen ärgern sich über das defekte Garagentor.
  • Anne Rol (vorn) und die anderen Mieter:innen ärgern sich über das defekte Garagentor.
  • Foto: Roeer

Gang in die Garage wird für Hamburger Mieter zum Horror

Müll, üble Gerüche und Süchtige, die sich den nächsten Schuss setzen. Die Anwohner:innen einer Straße im Stadtteil St. Pauli wissen nie, was sie beim Betreten ihres Kellers erwartet. Seit etwa einem Monat ist das Tor der Tiefgarage defekt, jeder kann hereinspazieren und das haben Einbrecher:innen auch schon mehrfach getan. Von der Wohnungsbaugesellschaft SAGA fühlen sich die Anwohner:innen im Stich gelassen.

Die Fluchttüren zum Wohnhaus dürfen nicht abgeschlossen werden, deshalb kommen über die Tiefgarage auch „alle möglichen Leute ins Treppenhaus und den Keller“, sagt Mieterin Anne Rol zur MOPO. Mehrere Keller wurden schon aufgebrochen, Abhängige würden Drogen konsumieren und Obdachlose die Garage nutzen als Toilette oder Schlafstelle.

Hamburger Mieter:innen haben Angst, in ihre Garage zu gehen

Ein MOPO-Reporter hat sich vor Ort die Lage angesehen. Er berichtet von üblen Gerüchen, Müll, Styroporpappen und Kleidung, die womöglich als Schlafstätte für eine/n Obdachlose:n dienten. Eine andere Nachbarin erzählt ihm, dass ihre kleine Tochter im Keller einmal eine Frau überraschte, die gegen Geld sexuelle Handlungen an einem Mann vornahm. An der Tür der Garage hängt ein Schild der SAGA, dass die Mieter:innen über das defekte Tor informieren soll. Auf manch andere wirkt das offene Tor womöglich wie eine Einladung.

Müll und Dreck sammeln sich in der Garage.
Müll und Dreck sammeln sich in der Garage.

„Alle Nachbarn haben Angst in den Keller und die Garage zu gehen. Die Polizei ist etwa jeden zweiten Tag hier“, sagt Mieterin Anne Rol. Die Polizei bestätigt auf MOPO-Nachfrage mindestens drei Einsätze seit Anfang Juli wegen gemeldeter Kelleraufbrüche und einen wegen einer hilflosen Person. „Die SAGA sagt, sie müssen ein neues Tor einbauen, aber wann das passieren soll, wissen wir nicht. Ich habe mich auch an den Senat gewandt, dort will man den Fall an die Stadtentwicklungsbehörde weitergeben“, sagt Rol.

Müll und Dreck: Wann kommt das neue Garagentor?

Die MOPO fragt beim Vermieter nach, wann ein neues Tor eingebaut werden soll und was bis dahin zum Schutz der Mieter:innen unternommen wird. SAGA-Sprecher Gunnar Gläser teilt mit, dass das komplette Tor erneuert werden muss. „Der Austausch ist bereits Ende Juni dieses Jahres beauftragt worden. Da es sich um eine Sonderanfertigung handelt, beträgt die Lieferzeit rund acht Wochen, so dass wir aktuell davon ausgehen, dass das Tor Ende August erneuert werden kann“, so Gläser.

An vielen Kellertüren wurden wegen der Einbrüche neue Schlösser eingebaut.
An vielen Kellertüren wurden wegen der Einbrüche neue Schlösser eingebaut.

SAGA hat die Polizei informiert

Nach Bekanntwerden des Defekts am Tor habe die SAGA den Bürgernahen Beamten vor Ort über das offene Tor informiert. „Sollten sich nachts fremde Personen im Haus oder der Garage aufhalten, appellieren wir an unsere Mieterinnen und Mieter, die Polizei zu informieren“, sagt Gläser.

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Bei gemeldeten Verschmutzungen wolle die SAGA unmittelbar eine Reinigung der betroffenen Bereiche in Auftrag geben. Die Stadtentwicklungsbehörde schickt nach Rückfrage bei der SAGA eine ähnliche Stellungnahme, hier heißt es ergänzend, „der Prozess kann momentan nicht beschleunigt werden, da eine Ersatzteillieferung aussteht“. Die Wohnungsbaugesellschaft werde mit ihrem Handeln dem Brandschutz gerecht und habe die staatlichen Stellen in die Beurteilung der Lage einbezogen.

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