Zwei Jahre lang galt Ivonne Runge als vermisst. Im April 2019 fand ein Landwirt ihre Leiche.
  • Zwei Jahre lang galt Ivonne Runge als vermisst. Im April 2019 fand ein Landwirt ihre Leiche.
  • Foto: Polizei/hfr

Mordfall Ivonne Runge: Prozess gegen ihren Ex: Lebenslange Haft gefordert

Lübeck –

Der Mordprozess um den gewaltsamen Tod der Ivonne Runge (✝39) steht kurz vor dem Ende: Die Staatsanwaltschaft Lübeck hat für den angeklagten Ex-Freund Stefan B. (39) lebenslange Haft gefordert. Der Angeklagte hatte ein Geständnis abgelegt, das die Ankläger jedoch für unglaubwürdig halten. Der Leichnam des Opfers wurde erst 18 Monate nach der Tat gefunden.

Der Fall beschäftigte sogar die Sendung „XY Ungelöst“: Im Oktober 2017 war Ivonne Runge spurlos verschwunden. Wenige Tage nach ihrem Verschwinden berichtete ihr neuer Partner im Gespräch mit der MOPO, dass Runge in ihrer letzten Sprachnachricht an ihn angekündigt hatte, sich noch einmal mit ihrem Ex zu treffen. Das einstige Paar hatte gemeinsam einen Pachtvertrag für eine Tankstelle unterschrieben, Ivonne Runge wollte diesen Vertrag beenden.

Ivonne Runge: Ex geriet früh unter Verdacht

Schnell geriet der Ex-Freund Stefan B. (39), der in Schwarzenbek eine Tankstelle betrieb, unter Verdacht, doch ohne Leichnam konnte ihm die Tat nicht nachgewiesen werden. Erst als ein Landwirt im Frühjahr 2019 die Leiche bei Hammoor fand, erhärteten sich die Indizien. Der aufgefundene Körper war in Plastiksäcke eingepackt, die ausschließlich an Betriebe der Mineralölwirtschaft, etwa Tankstellen,  ausgegeben werden. 

Stefan B.

Stefan B. beim Prozessauftakt am Lübecker Landgericht. Der 39-Jährige steht im Verdacht, seine Ex-Freundin ermordet zu haben.

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picture alliance/dpa

Mordprozess Lübeck: Das sagt der Angeklagte

Im Prozess vor dem Landgericht Lübeck hatte Stefan B. gestanden, Ivonne Runge am 25. Oktober 2017 getötet zu haben. Ihm sei nach einem Streit „die Sicherung durchgebrannt“ und er habe sie in ihrem Wohnort Schlamersdorf (Kreis Segeberg) an der Bushaltestelle erwürgt.

Dann habe er die Tote, Mutter eines Sohnes, auf den Beifahrersitz ihres Wagens gesetzt, sei ziellos umhergefahren und habe den Leichnam schließlich am späteren Fundort abgelegt. Das wäre juristisch ein Totschlag, auf den maximal 15 Jahre Haft stünden.

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Ivonne Runge war von Rümpel nach Schlamersdorf gezogen.

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Rüdiger Gärtner

Staatsanwalt wertet Tod von Ivonne Runge als geplanten Mord

Der Staatsanwalt ist jedoch nach 27 Verhandlungstagen und den Aussagen von 26 Zeugen davon überzeugt, dass die Tat ein vorbereiteter Mord aus niederen Beweggründen war. Er fordert in seinem Plädoyer lebenslange Haft. Eines der Indizien: Handydaten zeigen, dass der Angeklagte am Tattag bereits zuvor an dem Ablageort der Leiche gewesen ist, mutmaßlich, um die Örtlichkeit auszukundschaften.

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Die Vermisste lebte seit dem 1. Oktober 2017 im Obergeschoss dieses Hauses.

Foto:

Rüdiger Gärtner

Der Ankläger geht davon aus, dass Stefan B. seine Ex-Partnerin in seinem Haus in Rümpel (Kreis Stormarn) getötet habe, aus Eifersucht auf ihren neuen Partner. Um die Spuren zu verwischen, habe er später ihr Handy an ihrem Wohnort deponiert.

Ivonne Runge: Angeklagter spionierte sie aus

In den Wochen vor ihrem Tod habe der Angeklagte ein „hohes Maß an krimineller Energie“ gezeigt, zitieren die „Lübecker Nachrichten“ aus dem Plädoyer des Staatsanwaltes. Stefan B. habe Ivonne Runge mit einer Spionagesoftware  überwacht und unter falschem Namen ihren neuen Freund im Internet schlecht gemacht.

Eine Gutachterin hat Stefan B. für voll schuldfähig erklärt. Die Tat sei nicht im Affekt geschehen, so die Psychiaterin. Der Prozess wird am 14. April fortgesetzt.

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