Im U-Bahnhof Osterstraße kämpfen Sanitäter und Notarzt um das Leben von Artur W., die Leiche der ermordeten Ingeborg L. ist mit einem Laken abgedeckt. 
  • Im U-Bahnhof Osterstraße kämpfen Sanitäter und Notarzt um das Leben von Artur W., die Leiche der ermordeten Ingeborg L. ist mit einem Laken abgedeckt. 
  • Foto: Thomas Hirschbiegel

Mord vor 30 Jahren: Als um halb sieben in der Früh im U-Bahnhof Schüsse fielen

Eimsbüttel –

Am 28. Februar 1991 wurde der U-Bahnhof Osterstraße frühmorgens zum Tatort eines brutalen Verbrechens. Ein Taxifahrer (55) erschoss seine Ex-Partnerin (51) mit einem großkalibrigen Revolver, richtete die schwere Waffe dann gegen sich selbst.

Ingeborg L. war wie jeden Morgen auf dem Weg zu ihrem Arbeitsplatz, dem damaligen „Spar“-Markt an der Ecke Osterstraße/Heußweg (heute befindet sich hier ein „Edeka“-Markt). Artur W., ihr Ex-Partner, wusste das. Nervös ging der grauhaarige Mann, der eine braune Lederjacke trug, in der Bahnhofshalle auf und ab und sah immer wieder auf die Uhr.

Vor 30 Jahren in Hamburg: Mord im U-Bahnhof Osterstraße

Um 6.30 Uhr verließ Ingeborg L. zusammen mit einer Kollegin (31) die U-Bahn. Artur W. packte sie am Arm. Ingeborg L. sagte zu der Kollegin: „Geh schon mal vor.“ Andere Fahrgäste drehten sich um, als die 55-Jährige schrie: „Es ist Schluss. Lass mich doch in Ruhe!“ Dann fiel ein Schuss. Von einem Geschoss in den Kopf getroffen, brach Ingeborg L. tödlich verletzt zusammen. Der Täter richtete die Waffe auf sein Herz und drückte ab. Er starb wenig später im UKE.

Ingeborg L. war 1982 nach einer gescheiterten Ehe aus Sachsen-Anhalt nach Hamburg gekommen. Ihre Tochter ließ sie damals in der DDR zurück. Die Frau kam zunächst bei ihrer Mutter in Eilbek unter, fand dann schnell Arbeit in dem Eimsbütteler Supermarkt. Sie betreute dort den Obst- und Gemüsestand, war wegen ihrer Freundlichkeit bei Kunden und Kollegen überaus beliebt.

Taxifahrer erschoss in Hamburg seine Ex-Freundin

Dann lernte Ingeborg L. den Taxifahrer Artur W. kennen. Der gelernte Schmied aus Wedel war beim Bau der Fehmarnsundbrücke beteiligt gewesen, arbeitete bei Thyssen, fuhr zuletzt Taxi. Auch er hatte eine gescheiterte Ehe hinter sich, daraus waren drei Kinder hervorgegangen. 1990 scheiterte auch seine Beziehung zu Ingeborg L. – Artur W. trank, es war oft zu Streitereien gekommen. Auch um einen Mercedes, den er fuhr, den sie aber mit einem Kredit finanziert hatte.

Artur W. wollte die Trennung nicht wahrhaben und begann seine Ex-Partnerin zu stalken, angetrunken erschien er in dem Supermarkt an der Osterstraße und bepöbelte Ingeborg L. vor Kunden. Oft verbrachte der Mann seine Abende in Wedeler Kneipen. Als er einmal volltrunken war, sagte er in einem griechischen Lokal: „Wenn ich eine scharfe Waffe hätte, dann würde ich mich erschießen.“

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Am 28. Februar 1991 verließ er früh um 5 Uhr seine Wohnung in Wedel, Nachbarn wurden durch das Poltern wach. Der Taxifahrer hatte sich einen scharfen Revolver besorgt und wenig später machte er im Bahnhof Osterstraße seine Drohung wahr.            

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