• Ein Schnappschuss aus dem Januar 1993: „Trinity"-Mann Michael Ammer und Stammgast Carl-Eduard Graf von Bismarck. 
  • Foto: MOPO-Archiv

Models, VIPs & Bussibussi: Diese legendären Clubs in Hamburg sind unvergessen

Feiern konnten die Hamburger schon immer gut – kein Wunder bei der großen Anzahl an Clubs! Einige gibt es schon seit Ewigkeiten, zum Beispiel das „Gruenspan“ an der Großen Freiheit. Schon seit 1968 steigen hier Partys und Konzerte. Andere legendäre Clubs sind längst verschwunden. Lesen Sie hier, wo eine halbnackte Grace Jones auf einem Pferd einritt, wo Ronald Schill seine Frauen aufriss und wo Dieter Bohlen seiner Verona einen Heiratsantrag machte. Auf geht’s auf eine nostalgische Zeitreise durch die Hamburger Clublandschaft! 

„Trinity“ in Eimsbüttel: Hier feierten Prince & Depeche Mode

1978 wurde der Nobel-Club in der Eimsbütteler Chaussee gegründet, in den Anfängen trafen sich hier Fans der Disco-Fever-Bewegung. Der Laden sollte die kleine Schwester des berühmtesten Clubs der Welt sein, des „Studio 54“ in New York City. Später ließ hier Hamburgs Partykönig Michael Ammer die Puppen tanzen. Konzept seiner Partys: Models, Promis, Champagner. Angelehnt an eine Sause in New York ließ man einmal sogar Grace Jones im String-Tanga auf einem Schimmel einreiten. „Wir wussten nicht, was wir während ihres Auftritts mit dem Pferd machen sollten – also haben wir es draußen an eine Parkuhr gebunden“, erzählt Ammer mal. Alle haben nur auf Grace Jones geschaut. „Als wir wieder rauskamen, war das Pferd geklaut.“

Auch Prince, Billy Idol, Madonna und Joe Cocker tauchten hier auf. Ein Bandmitglied von Depeche Mode soll hier auf den Teppich gepinkelt haben. Zu den Stammgästen gehörte auch Carl-Eduard Graf von Bismarck, der hier und im „Traxx“ in den 90ern seinen Hauptwohnsitz hatte, wie manche lästerten. Im Keller gab es Betten und Duschen. „Da konnte man treiben, was man wollte“, so Ammer. 1993 war endgültig Schluss, heute befindet sich hier der Delphi-Showpalast. 

Rock ’n‘ Roll und Weltstars: Das „Madhouse“

Madhouse

Das Madhouse am Valentinskamp. 

Foto:

Patrick Sun

Der Laden am Valentinskamp 47 (Neustadt) hatte seine Hochphase in den 80er und 90ern. In dem kleinen Rockschuppen feierten Mick Jagger (wollte seine Whisky-Rechnung prellen), David Bowie, Uschi Obermaier. Sänger Prince (†57) hielt hier zu seinen Megastar-Zeiten Hof und ließ die Hälfte des Ladens für sich und seine Groupies absperren. Getanzt wurde zwischen Spiegel-Kacheln. Im Oktober 2000 war hier nach 31 Jahren Schluss, der Chef verkaufte den Laden. Es folgten Umbauten und Umzüge. Später versuchten sich weitere Clubs an dem Ort, unter anderem die „Icepeak Vodka Lounge“ und der Club „Infinity“. Seit Ende 2017 ist dort die Bar „Yoko“, die vorher im Karo-Viertel beheimatet war. 

„Wollenberg“: Schicki-Micki an der Außenalster

Schill im Wollenberg

Im November 2001 feierte Schill im „Wollenberg“ seinen 43. Geburtstag. 

Foto:

Ruega

Die wunderschöne weiße Villa am Alsterufer 35 war über Jahrzehnte Treffpunkt für Feierwütige. 1948 fing alles noch gediegen an, damals wurde die Intellektuellen-Vereinigung „Künstlerclub Die Insel“ dort gegründet. In den 60er Jahren wurde das Haus zum angesagten Nachtclub, hier feierten Stars wie Sänger Harry Belafonte und Schauspielerin Romy Schneider. In den 90ern übernahm der bekannte Koch Michael Wollenberg den Club, aus dem Haus wurde das „Wollenberg“. 1999 rückte dort Michael Ammer mit seinen Party-Ludern an, schmiss im „Wollenberg“ legendäre Feten.

Wollenberg

Das damalige „Wollenberg“. 

Foto:

MOPO-Archiv

Hamburgs damaliger Innensenator Ronald Schill vergnügte sich hier und schleppte Frauen ins Rathaus ab, der Skandal-Politiker bezeichnete den Laden gar als sein „Wohnzimmer“. Boris Becker feierte in der weißen Villa, Jennifer Lopez, Sting, HSV-Spieler, die Rapperinnen von TicTacToe, Tänzer Joaquín Cortés und viele viele mehr. Im Sommer 2003 war Schluss mit Ammer-Partys, er und sein „Select Club“ flogen raus. Später widmete sich Wollenberg anderen Projekten, diverse Gastronomen versuchten sich noch an dem Standort. Heute sind dort Büros. 

„Bronx“: Hier eskalierten Kinder der Elbvororte

Der Club am Rissener Bahnhof war in den 90er Jahren ein Szenetreff für Kinder der Elbvororte. Schluss war hier im September 1999, als einer der Gründe wurde Lärmschutz genannt. Insgesamt gab es an dem Standort 30 Jahre Diskotheken, unter anderem Läden namens „Concorde“, „El Greco“ und „Drop-In“. Heute gibt es im Hamburger Westen immer noch ab und zu „Bronx“-Revivalpartys. 

„Traxx“: Hier machte Dieter Bohlen einen Heiratsantrag

Traxx

Das Traxx. 

Foto:

MOPO-Archiv

Das „Traxx“ war eine Höhlen-Disco an den Kasematten nahe der Deichtorhallen, in den 90ern wurde der Laden zum Party-Tempel. „Das Traxx war DAS gesellschaftliche Mekka, da musste man rein“, erinnert sich Gastronom Stephan Kolba, der dort mit seiner Event-Agentur „Park Projekte“ die ersten Partys veranstaltete. „Das war neben dem Trinity die erste schicke Disco mit Lasershow. Musikalisch aber eher Standard – Dance-Classics und Co.“

John McEnroe im Traxx

Der US-amerikanische Tennisspieler John McEnroe (damals 36) gab im August 1995 ein Konzert im „Traxx“ und ging mit seinen Fans auf Tuchfühlung. 

Foto:

dpa

Dieter Bohlen baggerte Disco-Mädchen an und machte Verona am Tresen einen Heiratsantrag. Die damalige Miss Germany, Verona Feldbusch, schrieb damals in der MOPO übrigens folgendes über den Club: „Ich finde es zwar oft unmöglich, wie pingelig sich die Türsteher anstellen, aber die Musik ist klasse!“ Jenny Elvers stürzte sich aus der Beziehung mit Heiner Lauterbach direkt in die Arme von „Fanta 4“-Rapper Thomas D. und strahlte mit ihm in die Kameras der Fotografen. Unterdessen nahm George Clooney an der Bar einen Absacker und Tennis-Star John McEnroe (61) rockte mit Yannick Noah (60) auf der Bühne. 1999 war dort nach acht Jahren Schluss, nachdem es viele Partygänger mehr in Richtung Kiez zog. Ein CDU-Politiker wagte im Juni 2014 in St. Georg eine Wiedereröffnung des legendären Ladens – und scheiterte. Bereits im Mai 2015 war dort wieder Schluss, nachdem das Bezirksamts Mitte den Betrieb einer Musikanlage verboten hatte. 

„J’s“: Feiernde Promis und ein Attentat

Partybunker J's

Im Bunker an der Feldstraße eröffnete im Mai 1999 der Club „J’s“. Dieses Foto wurde wenige Tage vorher gemacht. 

Foto:

dpa

In dem ehemaligen Luftabwehrbunker am Hamburger Heiligengeistfeld öffnete im Mai 1999 die Edeldiskothek „J’s“. Hinter fast zwei Meter dicken Mauern fanden bis zu 800 Partypeople auf 1200 Quadratmetern Platz zum Feiern. In dem festungsartigen Bau aus dem Zweiten Weltkrieg wollten der Betreiber im vierten Stock einen neuen Szene-Treff für die Partygemeinde des „gehobenen Mittelstandes“ etablieren.

Michael Ammer

Party-Veranstalter Michael Ammer

Foto:

dpa

Zwei Jahre lang wurde hier gefeiert, Partykönig Michael Ammer sorgte mit seinen Promi-Feten jedes Wochenende für einen vollen Laden. 2500 Gäste kamen, Champagner und Wodka flossen in Strömen. Ein Jahr nach der Eröffnung wurde der Party-Tempel zum Tatort. Ein gekränkter Gast verletzte mit einer Handgranate neun Gäste und wurde dafür zu zwölf Jahren Haft verurteilt. Das „J’s“ ging zwei Jahre nach der Eröffnung pleite. Heute befindet sich dort der Musikclub „Uebel & Gefährlich“.

„Top Ten“: Wo die Beatles auftraten und Luden feierten

Top Ten

Theaterregisseur Peter Zadek im Gespräch und Rockmusiker Udo Lindenberg 1978 im „Top Ten“. 

Foto:

dpa

Mitte der 1960er Jahre machte an der Reeperbahn 136 das „Top Ten“ auf. Die legendären Beatles traten hier fast 100 Mal auf. Auch die Rattles, Scorpions und Udo Lindenberg rockten den Laden, der eine der ersten Diskotheken gewesen sein soll – erstmals legte dort ein Diskjockey Platten auf, was deutlich günstiger als eine Live-Band war. Später wurde das  „Top Ten“ zu einem Zuhältertreff und Rockerschuppen. 1984 übernahm der legendäre Kiezianer Karl-Heinz Schwensen den Laden. Die Scorpions, Guns’n’Roses und Bonjovi sollen hier mal als Überraschungsgäste auf der Bühne gestanden haben. 1992 wurde hier ein Zuhälter erschossen, zwei Jahre später machte das „Top Ten“ dicht. Heute ist dort das „Moondoo“, wo sich vor allem Studenten amüsieren. 

„Front“: Hamburgs erster House-Club

DJ Boris Dlugosch

Star-DJ Boris Dlugosch

Foto:

hfr

Die Kellerdisco am Heidenkampsweg eröffnete 1983, Avantgardisten und Schwule zog es in den Keller-Laden am Berliner Tor, sie waren verrückt nach House-Musik. Das „Front“ war einer der ersten Clubs in Deutschland, der den neuen Sound aus den USA spielte. Der Hamburger DJ Boris Dlugosch begann hier seine Karriere. Abgeschirmt in einer verglasten DJ-Kanzel über den Köpfen der Tanzenden beobachtete er das Treiben: Männer in Ledermasken, die sich gegenseitig an Hundeleinen führten, Kokainkonsum ohne Ende. „Die Tresenjungs vögelten auf den Theken, der Schweiß triefte von der Decke! In den Ecken stank es nach Poppers“, erinnerte sich Dlugosch mal in einem Gespräch mit der MOPO. Die berüchtigte Droge lässt kurz den Blutdruck hochschießen. Das „Front“ war der erste Laden, in dem Platten abgemischt wurden und man nonstop tanzen konnte. In anderen Läden machten DJs noch Ansagen. 1997 schloss der Club. Anschließend eröffnete dort das „Shake“. 

„Voila“: Techno mitten in Eilbek und berühmte Zwilllinge

Voila (1)

Schlangestehen vor dem Voilà. 

Foto:

Röer

Highlife im Hinterhof! In dem Laden an der Conventstraße traf sich immer mittwochs die Hamburger Gastroszene, sonnabends kamen die Techno-Jünger. 1983 machte der Laden als „Musikgalerie“ auf, 1987 legte Promi-DJ Sven Väth auf, 1993 übernahmen die Braun-
Brüder vom heutigen Miniatur Wunderland den Laden mit Mainfloor, House-Area und Chill-Raum. 2001 verkauften sie, um sich ihrer Modelleisenbahn-Anlage in der Speicherstadt zu widmen. 2006 war Schluss mit „Voila“, seitdem ist hier der Club „H1“. 

„Star-Club“: Hier in Hamburg wurden die Beatles groß

Star Club auf St. Pauli

Der „Star-Club“ auf St. Pauli. 

Foto:

picture alliance / dpa

In dem Club der Großen Freiheit 39 auf St. Pauli wurden die Beatles berühmt. Drei Mal traten die Pilzköpfe hier zu ihren mehrwöchigen Gastspielen an, auch Stars wie Jimi Hendrix, Ray Charles, Fats Domino und Little Richard stand hier auf der Bühne. 1000 Gäste hatten Platz. Ende Dezember 1969 machte der Star-Club nach nur sieben Jahren dicht – die Bands spielten in größeren Hallen und waren zu teuer für kleine Clubs, die aufkommenden Diskotheken zogen zusätzlich Publikum ab. Nach dem Aus des Star-Clubs zog das Erotik-Theater „Salambo“ ein. Nach einem Brand 1983 folgte 1987 der Abriss des Gebäudes. Heute erinnert ein Gedenkstein im Hinterhof an den Club. 

Beatles im Star-Club

Die Beatles auf der Bühne im „Star-Club“. 

Foto:

hfr

„Onkel Pö“: Wo die Hamburger Szene erwachte

Onkel Pö

Onkel Pös Carnegie Hall. 

Foto:

Buttmann

Eigentlich gehörte der Laden, 1970 am Mittelweg (Pöseldorf) gegründet, den Jazzern. Al Jarreau wurde hier entdeckt, Chet Baker, Dizzy Gillespie, Don Cherry und Charlie Haiden haben in dem kleinen Club gespielt. Otto Waalkes und Udo Lindenberg starteten hier ihre Karrieren, hier traf sich die Hamburger Szene, wie sie genannt wurde. Der neue Inhaber von Onkel Pö’s Carnegie Hall am Lehmweg (Hoheluft-Ost), so der komplette Name, öffnete das Programm für Rockbands, 1981 kommen vier junge Männer aus Dublin. Der Soundcheck beginnt leicht verspätet, die Jungs sind noch eben im Waschsalon um die Ecke. Nach der Probe räumt der Sänger die Tische zur Seite, die im Onkel Pö vor der Bühne stehen. Das Jazzpublikum sitzt gerne beim Hören, Trinken, Rauchen. Aber Bono Vox möchte, dass die Leute zu U2 tanzen. 1985 ist Schluss – danach versuchten sich hier verschiedene Gastro-Ketten.

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