• „Meine Tochter weinte nach den Fahrstunden oft“, sagt die Kundin und verweigerte eine Top-Bewertung der Fahrschule (Symbolfoto).
  • Foto: picture-alliance / Armin Weigel

Mistsau! Drecksschlampe! Rotzgöre!: Hamburger Fahrschule bepöbelt Schülerin und Mutter

„Drecksschlampe“, „hinterfotzige Mistsau“ – es sind vulgäre Pöbeleien, mit denen die Chefin einer Hamburger Fahrschule die Mutter einer Fahrschülerin angeht. Grund für den unflätigen Wortschwall per Messenger: Die Mutter hatte eine 5-Sterne-Google-Bewertung verweigert und den Fahrlehrer ihrer Tochter kritisiert. Was war da los? Die MOPO hat mit beiden Seiten gesprochen.

Die Nachricht kam per Messenger nach bestandener Fahrprüfung: „Die Schinderei hat sich ausgezahlt, würde mich sehr über 5 Sterne bei Google freuen“, schrieb der Fahrlehrer. Die Mutter antwortet unfreundlich: „Für eine 5-Sterne-Bewertung sind Sie leider nicht geeignet! Sie haben mein Kind angeschrieen, was auf Schwäche Ihrerseits deutet. Sie haben sie null motiviert und zum Glück war der Prüfer kompetenter als Sie.“

Mistsau! Hamburger Fahrschule bepöbelt Schülerin und Mutter

Ihre Tochter war zuvor bei einer anderen Fahrschule gewesen und bereits einmal durch die praktische Prüfung gerasselt, wie fast jeder zweite Prüfling im vergangenen Jahr. „Sie brauchte aber dringend den Führerschein“, sagt die Mutter im Gespräch mit der MOPO. Nur eine Fahrschule war bereit, die 18-Jährige als „Quereinsteigerin“ aufzunehmen: „Wir waren froh, haben einen langen Anfahrtsweg in Kauf genommen.“

40 weitere Fahrstunden habe ihre Tochter absolvieren müssen, so die Mutter. Der Ton des Fahrschulinhabers sei rabiat gewesen: „Er sagte Sachen wie ,so blond wie du dich anstellst, bist du doch gar nicht‘. So oft weinte meine Tochter, als ich sie abholte.“

Hamburg: Fahrschule schickt Pöbel-Nachricht an Kundin

Nach der Weigerung, eine Top-Bewertung abzugeben, erhielt die Mutter eine Nachricht, die der MOPO vorliegt: „Ich habe Ihre Tochter durch die Prüfung gepaukt. Schade, dass ich nicht vorher gewusst habe, was Sie für ein falsches Miststück, für eine Drecksschlampe sind. Ihre Tochter hätte den Führerschein nicht bekommen!!! Dafür hätte ich gesorgt!!! Im Übrigen ist Ihre Tochter nicht blöd, sondern SAU BLÖD!!! Ich reiß mir für Ihre verwöhnte Rotzgöre den Arsch auf und Sie sind das letzte Stück Scheiße!!! PS: Meine Frau hatte Recht. Schon bei der Anmeldung sagte sie zu mir, Frau…. ist eine hinterfotzige Mistsau.“

Die Mutter ist fassungslos:„Wie kann man sich so im Ton vergreifen?“

Beleidigungen: Das sagt die Hamburger Fahrschule

Anruf in der Fahrschule. Wie kommt der Inhaber zu so einer Wortwahl einer Kundin gegenüber? Es stellt sich heraus: Absender war nicht der Chef, sondern seine Frau: „Das habe ich geschrieben“, sagt die Fahrschulchefin und setzt trotzig hinzu: „Dazu stehe ich auch. Die Frau ist falsch und hinterfotzig.“

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Sie und ihr Mann seien der Kundin und ihrer Tochter weit entgegen gekommen, hätten die Schülerin außer der Reihe aufgenommen, Doppelstunden abgehalten, weil der Führerschein so dringend gebraucht wurde und „die Mutter so gebettelt hat“.

Hamburger Fahrschule: rabiater Ton bei Fahrstunden

Trotzdem habe es Ärger gegeben, etwa um die Bezahlung einer seitens der Tochter kurzfristig abgesagten Fahrstunde. Der Tonfall ihres Mannes sei streng, räumt die Chefin ein: „Der ist kein Geradeaus-Fahrlehrer. Natürlich wird da mal die Stimme erhoben, und auch mal Stop! geschrieen, wenn zum dritten Mal ein Stopp-Schild übersehen wird. Aber das Mädchen hat nie geweint während der Stunden. Da war nichts.“

Pöbel-Nachricht: Hamburger Fahrschulchefin ohne Reue

Dass die „Mühe“, die ihr Mann sich mit der Schülerin gegeben habe, nicht mit fünf Sternen bei Google honoriert werden sollte, habe sie „unverschämt“ gefunden, sagt die Fahrschulchefin: „Die hat meinen Mann auch auf Facebook kritisiert und gesagt, dass er kein guter Fahrlehrer ist. Meine Wortwahl bereue ich nicht. Für uns ist die Sache erledigt.“ Die Mutter hat Anzeige wegen Beleidigung gestellt, die inzwischen eingestellt wurde.

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