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Julian Nagelsmann schreit
  • wird seine Emotionen künftig als Bundestrainer ausleben.
  • Foto: imago/ActionPictures

Pro und Kontra: Darum ist Nagelsmann die richtige Wahl – und darum nicht!

Im Alter von 36 Jahren wird Ex-Bayern-Coach Julian Nagelsmann neuer Bundestrainer. Er soll die strauchelnde DFB-Elf stabilisieren und für eine erfolgreiche Heim-EM 2024 sorgen. Ist er die richtige Wahl? Die MOPO-Sportchefs Frederik Ahrens und Lars Albrecht sind da ganz unterschiedlicher Meinung.

Der Beste, den der DFB verpflichten konnte

Pro von Frederik Ahrens

Er ist zu jung, er hat die Ausstrahlung eines Schulstrebers, ihm ist die öffentliche Inszenierung viel zu wichtig. Das alles sind Argumente gegen die Entscheidung des DFB, Julian Nagelsmann zum Bundestrainer zu machen. Viel wichtiger aber ist das Argument dafür: Nagelsmann ist der beste Trainer, den der DFB verpflichten konnte.

Dass dieser für die größte Aufgabe in Fußball-Deutschland bereit ist, auf viele Millionen aus seinem Bayern-Vertrag zu verzichten, ist ein Glücksfall für den klammen Verband. Nagelsmann bringt das Rüstzeug mit, um die unter Hansi Flick schlingernde Nationalmannschaft wieder auf Kurs zu bringen. Er hat auf all seinen Stationen bewiesen, dass er Spieler von seiner Idee überzeugen kann. Weil er die Sprache der Spieler spricht. Weil er eine Frische, Energie und trotz seiner erst 36 Jahre auch eine Autorität ausstrahlt, die es leicht macht, ihm zu folgen. Punkte, die Flick während und nach der WM nicht für sich verbuchen konnte.

Natürlich hat Nagelsmanns Image durch das Aus in München gelitten. Er scheiterte an sich selbst und dem dünn gewordenen Nervenkostüm. Die bis zur EM begrenzte Zeit beim DFB wird zeigen, ob er aus diesen Fehlern gelernt hat. Dass Nagelsmann eine bessere Wahl als der zuletzt durch Verschwörungstheorien aufgefallene Louis van Gaal ist, steht für mich außer Zweifel. Und das Problem der fehlenden Sympathiepunkte? Für die könnte Sandro Wagner als Co-Trainer sorgen. Und letztlich werden Bundestrainer doch auch vor allem aufgrund einer Sache sympathisch: Erfolg.”

Julian Nagelsmann wird neuer Bundestrainer IMAGO / Ulrich Wagner
Julian Nagelsmann neben dem Logo des DFB
Julian Nagelsmann wird neuer Bundestrainer

Dieser Typ wird Fußball-Deutschland nicht mitreißen

Kontra von Lars Albrecht

Kaum war klar, dass Julian Nagelsmann neuer Bundestrainer werden würde, überboten sich diverse Bundesliga-Macher mit ihren Schwärmereien über das „Trainer-Wunderkind“. Klar, wer im Alter von 28 Jahren seinen ersten Job als Bundesliga-Coach antritt und im Rekordtempo über Hoffenheim und Leipzig nach München aufsteigt, kann mit 36 auch das DFB-Team übernehmen. Fachlich, da sind sich wohl alle einig, hat Nagelsmann das drauf.

Doch um die deutschen Fans endlich wieder hinter die Nationalmannschaft zu bringen, braucht es mehr als Taktikkniffe. Was das sein kann, hat der ewig beliebte Rudi Völler bei seinem erfolgreichen Ein-Spiel-Bundestrainer-Comeback gezeigt: authentisch nach außen und innen sein, den verunsicherten Spielern Halt geben, sei es durch die Besinnung auf die guten alten „deutschen Tugenden“, also erst Kampf, dann Kunst. Das mögen die Fans, damit können sie etwas anfangen.

Und hier sehe ich ein großes Problem bei Nagelsmann. Er ist so von sich überzeugt, dass fraglich ist, ob er überhaupt die Fähigkeit besitzt, sich fußballerisch und menschlich anzupassen. Dazu kommt, dass seine teils peinlichen Wutausbrüche in den Köpfen vieler Menschen hängen geblieben sind. Schiedsrichter als „weichgespültes Pack“ beschimpfen, das macht einen eben nicht gerade beliebter.

Ich habe große Zweifel daran, dass Julian Nagelsmann als Typ dafür geeignet ist, Fußball-Deutschland mitzureißen. Dazu sollte ein Bundestrainer, besonders mit Blick auf die Heim-EM 2024, aber unbedingt in der Lage sein.

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