Nimmt mich noch jemand wahr? Christian Lindner gibt in der Corona-Krise kein gutes Bild ab.
  • Nimmt mich noch jemand wahr? Christian Lindner gibt in der Corona-Krise kein gutes Bild ab.
  • Foto: imago images/Christian Spicker

Dünnsinn in der Krise: Wie Corona die FDP-Spitze entlarvt

In Zeiten wie diesen wird nochmal das ganze Ausmaß des Desasters deutlich: Die FDP, sie ist intellektuell ein Trauerspiel. Sie ist, sagen wir es frei heraus: so erschütternd schlicht, dass sich alle Selbstständigen und Mittelständler, alle Porsche-Cayenne-Fahrer, Investment-Banker mit Jagdschein, alle Nienstedtener und Sylt-Zweitwohnsitzhabende, alle also, die zur natürlichen Zielgruppe dieser wirtschaftsfreundlichen, jungdynamischen, gutaussehenden, turbo-digitalen Truppe um Vorturner Christian Lindner gehören, sich die Haare im Cabrio-Fahrtwind raufen müssten: „DIE sollen MEINE Interessen vertreten?“

Die Corona-Krise fegt durchs Land. Sie schlägt Schneisen in die wirtschaftlichen Strukturen des Landes, und Lindner, diese letzte Bastion in Sachen messerscharfe Rationalität, er wird nicht müde, zu betonen, worauf es ankommt. Und die Erkenntnis ist so strahlend, so originell, man wäre nie drauf gekommen: Die derzeitigen Maßnahmen dürften „nicht einen Tag länger andauern als unbedingt nötig“, sagt er typischerweise. Und das schon seit Tagen. 

Das wird viele überraschen. Wir dachten ja bisher immer: Das läuft so gut, das sollte möglichst ewig so gehen.

FDP kann froh sein, dass die AfD noch schlechter klar kommt

Die FDP kann gottfroh sein, dass es mit der AfD eine Partei gibt, die tatsächlich noch eine Spur schlechter mit der Thematik klar kommt und so vom liberalen Versagen ein wenig ablenkt. Schon wieder übrigens, dass man die beiden im gleichen Schlamassel sieht …

Wer sich bei Lindner noch nicht intellektuell unterfordert fühlt, muss Katja Suding bei Twitter folgen. Die smart-zart-harte liberale Wunderwaffe von der Elbe hat vor ein paar Tagen einen echten Wandkalender-Haiku für die Ewigkeit rausgehauen:

„Ich starte nachdenklich in die Woche: Was ist das Leben wert, wenn wir uns die Freiheit zu leben nehmen lassen? #Coronakrise #Wochenstart“

Sudings FDP-Grübel-Tweet: So traurig, dass er fast schon wieder toll ist

Katja Suding (FDP)

Katja Suding (FDP)

Foto:

dpa

Das ist, vor allem, weil man aufgrund des vorangestellten Grübel-Intros so ein Bild vor Augen hat, wie Frau Suding, die Stirn in Falten gelegt, sich zwischen zwei Skype-Konferenzen irgendeinen wirklich wichtigen, emotionalen und „deepen“ Satz für Social Media versucht abzupressen, auf so viele Arten traurig, das es schon fast wieder toll ist. Aber eben nur fast.

„Was ist das Leben wert …?“ Das ist der erste Teil. Ja! Was? Viel? Wenig? Nix? Geld? Naturalien? Das ist schon das große Fass.

Aber rund wird es erst durch den Teil hinter dem Komma: „ … wenn wir uns die Freiheit zu leben nehmen lassen?“ Hier denkt man ein bisschen an Ché Guevara oder Sitting Bull, die zum Kampf gegen die Unterdrücker aufrufen.

Und bei Shopping-Verbot und Sylt-Blockade ist es ja vielleicht auch immer eine Option, dass die Liberalen früher oder später an die Waffen gehen …

Die Antwort auf Sudings dahingetwitterte Dünnsinn-Meditation

Aber ernsthaft: Dieser als „nachdenklich“ positionierte Satz ist deshalb so entlarvend, weil er suggeriert, ein Leben ohne Bundesliga, Konzerte und unbeschränktes Einkaufen sei nicht lebenswert – was Milliarden unterprivilegierte Menschen auf der Welt vermutlich eher irritiert zur Kenntnis nehmen würden.

Und er hilft nichts. Er bietet keine Perspektive. Er leistet keinen Beitrag zu der wichtigen Frage, wie man den Schutz der Bevölkerung und die Wahrung der demokratischen Freiheitsrechte sinnvoll gegeneinander austariert. Er ist einfach nur jammerig und unpassend.

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Eine Antwort auf Frau Sudings nachdenklich dahingetwitterte Dünnsinn-Meditation bleibt sie selbst uns übrigens schuldig. Aber keine Sorge: Ich kenne sie. Sie kann nur lauten: Wenn Chanel nicht nach Ostern wieder aufmacht? Nix!

Dann können FDP-Wähler sich gleich die Kugel geben. Also, Golf spielen gehen. Im Garten hinterm Haus. Und darüber weinen, dass ihre parlamentarische Speerspitze ein so schlicht formulierender Haufen ist.

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