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Friedrich Merz
  • CDU-Chef Friedrich Merz erfährt viel Unterstützung von prominenten Parteifreunden zu seinen Asyl-und-Zahnarzt-Thesen
  • Foto: dpa | Michael Kappeler

CDU-Politiker reißen die „Brandmauer“ zur AfD ein: Parteikollegen springen Merz bei

Schlimmer, so dachte man, als mit der unsäglichen Hetze von Parteichef Friedrich Merz gegen Migranten könne es nicht mehr werden. Und schon einen Tag später muss man erkennen: Doch, es geht noch schlimmer.

Kurz zur Erinnerung: Merz hatte sich in die Behauptung verstiegen, Flüchtlinge „sitzen beim Arzt und lassen sich die Zähne neu machen, und die deutschen Bürger nebendran kriegen keine Termine“. Das war und bleibt reinster AfD-Sprech, ist ausländerfeindliche Hetze pur und hat mit der Realität nichts zu tun.

Für so einen Satz kann es keine Rechtfertigung von Demokraten geben, gleich aus welcher Partei sie kommen; sollte man meinen. Das aber ist ein Irrtum. Und das ist das Schlimme.

Man könnte noch Verständnis haben, würden CDU-Mitglieder zu der erneuten Entgleisung ihres Vorsitzenden schweigen, peinlich berührt. Sie müssen ihn ja nicht auf offener politischer Bühne niedermetzeln. Aber dass prominente Unions-Politiker die realitätsferne Diffamierung von Flüchtlingen auch noch unterstützen, macht einen fassungslos.

Hendrik Wüst springt Merz bei

Der stets übereifrige Philipp Amthor sprang seinem Vorsitzenden ganz fix bei. Das für sich könnte man noch abhaken. Amthor ist immer so. Aber auch der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst bewertete die Merz-Aussagen demonstrativ positiv. Der habe nur auf die generelle Belastung des Staates, der Gesellschaft und der Sozialsysteme durch die stark gestiegene irreguläre Migration aufmerksam machen wollen.

Der Autor: Christoph Lütgert war Rundfunk-Korrespondent beim NDR, Erster Reporter beim ARD-Politik-Magazin „Panorama“ und 17 Jahre lang Chefreporter Fernsehen beim NDR. Er schreibt regelmäßig als Gastkommentator für die MOPO. privat/hfr
Lütgert
Der Autor: Christoph Lütgert war Rundfunk-Korrespondent beim NDR, Erster Reporter beim ARD-Politik-Magazin „Panorama“ und 17 Jahre lang Chefreporter Fernsehen beim NDR. Lütgert wurde wegen seiner sozialkritischen Reportagen mehrfach mit Preisen ausgezeichnet. Er schreibt regelmäßig als Gastkommentator für die MOPO.

CDU-Gesundheitspolitiker Tino Sorge rückte auch ganz dicht an Merz heran: „Dass Arzttermine auch wegen der Belastung durch Migranten vielerorts knapper werden, ist eine Realität.“

„Friedrich Merz spricht das an, was die Menschen auf der Straße sprechen“, sagte der CSU-Vize und prominente Europa-Politiker Manfred Weber, als sei das für sich ein Beweis für die Richtigkeit.

Der innenpolitische Sprecher der Union im Bundestag, Alexander Throm, attestierte Merz, der habe ein Thema pointiert angesprochen, das durchaus der Realität entspreche. Und der frühere Vorsitzende der CDU-Grundwertekommission, Andreas Rödder, setzte noch einen drauf: Merz „hat völlig recht“.

Ärzte widersprechen Merz

Sie alle ignorieren, dass führende Ärztevertreter dem CDU-Vorsitzenden massiv widersprechen. Der Präsident der Bundeszahnärztekammer, Christoph Benz, meinte, er könne Merz’ Aussagen nicht nachvollziehen. In dieselbe Richtung zielte der Vorstandschef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen.

Umso beschämender, dass man sich in der CDU nicht schämen will. Da ziehen prominente CDU-Politiker immer mal wieder, wenn es opportun erscheint, ihre berühmte „Brandmauer“ gegen die AfD hoch. Nein, mit der habe man nichts zu tun. Und dann reißen ebenfalls prominente CDU-Politiker in Gedanken diese „Brandmauer“ längst selber ein.

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