Fifa World Cup WM Gianni Infantino
  • FIFA-Boss Gianni Infantino hält beim Spiel England gegen den Iran Händchen.
  • Foto: IMAGO / Fotoarena

Blamiert Infantino! Der Fußball hat noch eine Chance, sich seine Würde zurückzuholen

Ein paar Stunden vor dem ersten Spiel unserer Nationalmannschaft bei der WM in Katar träume ich mal: Nicht nur, dass unsere Kicker bravourös aufspielen und einen glänzenden Sieg gegen die Japaner einfahren; nein, ich habe einen viel großartigeren Traum. Und der geht so:

DFB-Präsident Bernd Neuendorf hat nach seinem Kniefall vor der FIFA doch noch in den aufrechten Gang zurückgefunden und lässt Kapitän Manuel Neuer wenn nicht mit der Regenbogen-, dann wenigstens mit der „One-Love“-Armbinde auflaufen. Der schreckliche Fifa-Präsident Infantino würde in seinem klimatisierten Stadion-Sessel hyperventilieren, wild rumgestikulieren und der Schiedsrichter müsste irgendwie eingreifen. Dann gäbe es diverse Möglichkeiten. Die hat Schiedsrichter-Legende Manuel Gräfe neulich im ZDF aufgezeigt: Von der gelben Karte bis zum Spielabbruch, weil die FIFA die „One-Love“-Armbinde für unerlaubte Propaganda hält. Und dann könnte es richtig lustig werden.

Ich träume weiter: Natürlich hätte sich der DFB vorher mit den sieben anderen Mannschaften verständigt, die allesamt jene Armbinde tragen wollten, jenen harmlosen Stoff-Fetzen der doch nur für Vielfalt, Offenheit und Toleranz werben soll. Zu diesen Mannschaften gehören die Größten des Weltfußballs, ohne die jede WM völlig wertlos wäre: Neben Deutschland auch England, Niederlande, Belgien, Frankreich, und Dänemark. Blieben die allesamt hart und konsequent – ich träume ja nur – müsste die FIFA mit jedem dieser Verbände bei jedem Match in den Clinch gehen. Der Spielbetrieb würde nachhaltig gestört, die Eskalation könnte bis zum Abbruch der jeweiligen Spiele und bis zur Abreise der Mannschaften führen.

Privat / hfr Der Autor: Christoph Lütgert (geb. 1945) war Rundfunk-Korrespondent beim NDR, Erster Reporter beim ARD-Politik-Magazin „Panorama“ und 17 Jahre lang Chefreporter Fernsehen beim NDR. Lütgert wurde wegen seiner sozialkritischen Reportagen mehrfach mit Preisen ausgezeichnet. Er schreibt regelmäßig als Gastkommentator für die MOPO.
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Der Autor: Christoph Lütgert (geb. 1945) war Rundfunk-Korrespondent beim NDR, Erster Reporter beim ARD-Politik-Magazin „Panorama“ und 17 Jahre lang Chefreporter Fernsehen beim NDR. Lütgert wurde wegen seiner sozialkritischen Reportagen mehrfach mit Preisen ausgezeichnet. Er schreibt regelmäßig als Gastkommentator für die MOPO.

Könnte, müsste aber nicht, wenn die FIFA endlich nachgeben würde. Wenn aber nicht, stünde FIFA-Diktator und Großkotz Gianni Infantino, der noch gefaselt hatte, Katar erlebe die größte WM aller Zeiten, im übertragenen Sinne des Wortes splitterfasernackt da. Das Endspiel einer solchen WM ohne die großen Mannschaften könnte – einfach mal so dahingesponnen – Katar gegen Saudi-Arabien austragen.

Wie gesagt: Alles nur ein Traum … oder nicht ? Die Möglichkeiten jedenfalls sind noch da. Die WM in Katar hat gerade erst angefangen. Der Fußball hätte immer noch die Chance, sich seine Würde und seine Werte gegen die korrupte FIFA-Clique um Gianni Infantino zurückzuholen. Er hat immer noch die Chance, jene in Grund und Boden zu blamieren, die zwar von Fußball reden, denen es aber nur um ihren Profit und ihre Macht zur Absicherung dieses Profits geht.

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Dafür bräuchte es nur jene Werte, von denen doch gerade im Fußball so oft die Rede ist: Kameradschaft, Verlässlichkeit und ein bisschen Mut – viel, viel weniger Mut als ihn die iranischen Kicker zeigten, die sich vor den Kameras der Welt weigerten, ihre Nationalhymne zu singen und damit den Peinigern zuhause Respekt zu zollen.

Und dass es nicht allzu schade wäre, ginge bei dieser WM 2022 einiges schief, wissen wir doch seit Jahren. Und es wurde nochmal demonstriert mit dem Eröffnungsspiel vor halbleeren Rängen ohne den berühmten WM-Spirit. Das wäre doch toll: Die WM von Katar kaputt, dafür in Zukunft wenigstens wieder ein bisschen zurück zu den alten Werten.

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