Im November beobachteten Bewohner der Flüchtlingsunterkunft in Rahlstedt die Demonstration für eine alternative Unterbringung der Geflüchteten.
  • Im November beobachteten Bewohner der Flüchtlingsunterkunft in Rahlstedt die Demonstration für eine alternative Unterbringung der Geflüchteten.
  • Foto: Hami Roshan

„Mehr Willkür als Verstand“: Erneuter Corona-Ausbruch in Hamburger Flüchtlingsheim

Rahlstedt –

Schon wieder ist es passiert: Im „Ankunftszentrum für Geflüchtete“ am Barkoppelweg in Rahlstedt hat es erneut einen Corona-Ausbruch gegeben. Schon nach der ersten großen Virus-Welle in der Flüchtlingsunterkunft im November musste der Senat viel Kritik wegen der Art der Unterbringung einstecken. Die Forderungen nach Veränderung von Politik und Flüchtlingsrat werden nun lauter.  

Die Diskussionen um die Flüchtlingsunterkunft in Rahlstedt reißen nicht ab – sie werden durch den erneuten Corona-Ausbruch stattdessen immer weiter angeheizt. Nach Informationen des Flüchtlingsrates, der sich auf Aussagen dort lebender Flüchtlinge bezieht, sei schon vor einigen Tagen der Bereich, in dem Familien untergebracht sind, unter Quarantäne gestellt worden.

Gestern kam dann demnach auch der Aufenthaltsbereich für die alleinstehenden Männer dazu. Der Grund: Mehrere Corona-Infektionen unter den Bewohnern. 

Linke in Hamburg: „Senat macht weiter wie gehabt“

Die Linksfraktion hatte schon nach dem ersten Ausbruch im November eine Entzerrung der Flüchtlinge in dem Heim gefordert. Nun meldet sich die Partei erneut zu Wort: „Gerade breiten sich neue, hochinfektiöse Virus-Mutationen aus und der Senat macht weiter wie gehabt. Geflüchtete müssen auf viel zu engem Raum leben.

So springt das Virus schnell über. Als Reaktion darauf werden dann „prophylaktisch“ oft mehrere hundert Menschen eingesperrt. Dabei hätte der Senat längst echte Prophylaxe betreiben können und müssen – und zwar mit dezentraler Unterbringung“, sagte dazu die flüchtlingspolitische Sprecherin der Linken, Carola Ensslen. 

Die Linksfraktion Hamburg beantrage deshalb in der Bürgerschaftssitzung am 27. Januar erneut die dezentrale Unterbringung der Geflüchteten und Wohnungslosen, wie die Partei in einem Beitrag auf Instagram erklärt.

Flüchtlingsrat in Hamburg: „Fordern sofortige Schließung“

Auch der Flüchtlingsrat schaltete sich nach dem erneuten Corona-Chaos in die Debatte ein. „Das jetzige erneute Infektionsgeschehen war klar vorhersehbar und wir haben immer wieder davor gewarnt. Wir werfen der Behörde für Inneres und Sport und der ‚AöR Fördern und Wohnen‘ völliges Versagen vor und fordern als erste Maßnahme die sofortige Schließung des sogenannten Ankunftszentrums Rahlstedt und die Unterbringung der dort lebenden Geflüchteten in Hotels“, sagt Franz Forsmann, Vorsitzender des Hamburger Flüchtlingsrates. 

Amt für Migration in Hamburg: Aussage „ist nicht zutreffend“

Auf eine Anfrage der MOPO erklärte das Amt für Migration, dass für die Einrichtung in Hamburg zuständig ist, dass die Aussage, es hätte sich nichts in der zentralen Erstaufnahmeeinrichtung (ZEA) geändert, nicht zutreffe.

Demnach wurde beispielsweise die Belegung durch die Öffnung weiterer Flächen entzerrt. „Familien mit Kindern verbleiben nur noch zum Durchlauf des Registrierungsprozesses im Ankunftszentrum und werden anschließend in eine dezentrale Einrichtung verlegt – auch dann, wenn sie eine schlechte Bleibeperspektive haben und eigentlich im Ankunftszentrum verbleiben müssten“, sagte ein Sprecher gegenüber der MOPO.

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Nach der ersten Corona-Welle in der Unterkunft äußerte sich auch Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD) zu den Vorwürfen: „Was es dort an Schilderungen gibt, das können wir nicht bestätigen. Wir glauben, dass es eine ordentliche Unterbringung ist und auch eine ordentliche Versorgung stattfindet“, sagte Grote im November.

Nach dem zweiten Corona-Ausbruch innerhalb von zehn Wochen ist jedoch durchaus verständlich, dass ein ausreichender Standard bei der Unterbringung von vielen Seiten angezweifelt wird.

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