• Auf einigen Abschnitten der Max-Brauer-Allee ist der Radweg vereist — im Gegensatz zu der Fahrbahn.
  • Foto: Florian Quandt

Mal wieder nur Straßen geräumt: „Fahrradstadt Hamburg“ versagt im Winter

Die Radfahrer in Hamburg sind verärgert. Der Grund? Nach den Schneefällen am Freitag waren sowohl Velorouten als auch viele benutzungspflichtige Radwege in der Hansestadt am Wochenende nur sehr eingeschränkt oder gar nicht nutzbar. Auf Twitter machen die Radfahrer ihrer Wut Luft – doch so einfach ist die Sache nicht.

„Rad- und Fußverkehr gilt in der Freien- und Autostadt Hamburg halt nicht als Verkehr, sondern als lästiges Mobilitätsbeiwerk“, schreibt ein wütender Twitter-Nutzer unter die geposteten Bilder von vereisten Radwegen. „Das ist wirklich ein Armutszeugnis“, stimmt ein anderer zu.

Radfahren im Winter: Hamburgs Wege sind nicht geräumt

Im Zentrum der Anklagen: Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne), dem die Twitter-Nutzer vorwerfen, es mit dem erklärten Ziel einer „Fahrradstadt Hamburg“ doch nicht ganz so ernst zu meinen.

Denn im Gegensatz zu den glatten Radwegen sind die daneben gelegenen Autostraßen oftmals komplett frei und befahrbar.

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Die Stadtreinigung Hamburg kennt die Problematik, doch so einfach ist die Sache eben doch nicht. An sich gebe es für die Velorouten Räumungspläne, die parallel zu den Räumungen der Autostraßen laufen könnten.

„Der große Unterschied zwischen Fahrbahnen und Radwegen ist der, dass wir in Hamburg aus Umweltgründen Streusalz nur auf Fahrbahnen nutzen dürfen“, erklärt Andree Möller, Sprecher der Stadtreinigung, auf MOPO-Nachfrage.

Vereiste Radwege: Das sagt die Stadtreinigung Hamburg

Denn im Gegensatz zu den Fahrbahnen seien Geh- und Fahrradwege oftmals nicht versiegelt. Würde dort ebenfalls Streusalz eingesetzt, könnte das ins Grundwasser sickern und dieses verschmutzen. „Deswegen können wir dort nur mit Walzgeräten drüberfahren, die den Schnee lose wegfegen, und Kies darüber streuen“, fährt Möller fort. Dies führe allerdings dazu, dass die eigentlich geräumten Wege wieder hubbelig würden und vereisten, wenn etliche Fahrräder darüber gefahren seien. Das Gleiche gelte für Fußgängerwege.

„Das ist natürlich eine suboptimale Lösung“, so Möller. Während man bei den Fahrbahnen schon am Freitagnachmittag streuen konnte, habe man bei den Fahrradwegen warten müssen, bis der Schnee liegt.

Neues Projekt in Hamburg: Neue Streustoffe für Radwege werden getestet

Deshalb testet die Stadtreinigung auf dem Airbus-Gelände sowie auf einer Strecke auf dem Rethedamm in Wilhelmsburg derzeit umweltverträgliche Streustoffe. Diese werden hintereinander auf einer Versuchstrecke ausgestreut, Fahrradfahrer fahren dann die Strecke ab und bewerten die Tauwirkung.

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Auch Teile der Thadenstraße auf der Veloroute 1 sind nicht vollständig geräumt.

Foto:

Florian Quandt

„Radfahrende müssen auch während des Winters und bei Schnee und Eis darauf vertrauen können, dass sie sicher an ihr Ziel kommen“, sagt Verkehrssenator Anjes Tjarks. „Die Benutzung neuer innovativer Streumittel ist deshalb nicht nur ein toller Beitrag zum Umweltschutz, sondern auch Bestandteil einer erfolgreichen Mobilitätswende.“ Das Projekt „E-Win“ wird vom Bundesverkehrsministerium gefördert und läuft bis Juli 2022.

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