• Am 21. Februar, kurz vor der Bürgerschaftswahl in Hamburg, hielt Luisa Neubauer noch eine Rede vor den Fridays for Future Aktivisten.
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Luisa Neubauer abgesägt!: Hamburgerin wird zum Streitthema bei Fridays for Future

Promi-Bremse bei „Fridays for Future“! Die Hamburgerin Luisa Neubauer wird als Dauerrednerin ausgebootet. Auch auf der umstrittenen Bürgerversammlung im Juni in Berlin wird Neubauer nicht mehr sprechen. Was steckt dahinter?

Bereits auf der Hauptversammlung von Siemens am 5. Februar sprach Neubauer nicht mehr, an ihre Stelle trat Helena Marshall, eine 17-jährige Schülerin und FFF-Aktivistin aus Oberursel bei Frankfurt am Main.

Hamburgerin Luisa Neubauer zu prominent für Fridays for Future

Das Problem: Neubauer stehe zu sehr in der Öffentlichkeit. „Dieser Personenkult um Luisa Neubauer ist schon schwierig“, sagte Laetitia Seyboldt aus dem FFF-Führungsteam im Schwarzwald der „Welt“. „Sie soll in der Vergangenheit auch relativ oft geflogen sein – ich bin mir deshalb nicht sicher, ob sie als Repräsentantin geeignet ist“. Es komme bei Fridays for Future nicht auf Einzelpersonen an, sondern auf die Sache an sich. 

Neubauer geht mit den Vorwürfen offen um. Sie habe es sich ja nicht ausgesucht, eine öffentliche Person zu sein, sagte sie zur Kritik aus dem Schwarzwald. „Wo es geht, gebe ich Anfragen ab und verweise mit herzlichen Grüßen auf andere Bewegungen“, wird sie im „Focus“ zitiert.

Fridays for Future: Neubauer hat zu viele Reden zugeteilt bekommen

Bereits zu Beginn des Frühjahrs 2019, also drei Monate nachdem die Medien auf Neubauer aufmerksam wurden, gab es den ersten Zoff. Vorwürfe von Karrieregeilheit gegen Luisa und wenige Vertraute wurden laut. Und auch die enge Zusammenarbeit im Führungsteam mit Neubauers Cousine Carla Reemtsma wurde häufig kritisiert – die Verteilung der Reden und Auftritte sei zu einseitig.

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Dass wiederkehrender Verzicht auf Neubauer selbst bei prominentesten Anlässen ist kein Zufall, sondern eine neue Strategie, bestätigt eine von vier verantwortlichen Presseteam-Mitgliedern gegenüber dem „Focus“. „Wir sind uns durchaus bewusst über den Vorteil, den die Bewegung der Professionalität und Prominenz von Luisa verdankt. Aber wir wollen uns in Zukunft diverser aufstellen“, begründet Giada Marino diese „Promi-Bremse“ für FFF.

Das sei so im Presseteam beschlossen worden, und dieses Team sei zuständig für die Koordinierung von Rednern bei FFF-Veranstaltungen. Zwar sei es „schwierig, von Luisa abzulenken“, darüber sei man sich ebenfalls im Klaren, gibt Marino zu. „Aber es wäre auch schade, künftig weiterhin vor allem sie als Rednerin zu wählen.“ Immer nur auf Luisa zurückzugreifen sei „zu dominant, zu wenig divers“. Auf der anderen Seite gäbe es „so viele Super-Kompetente in der Bewegung“. Und die wollten sie nun „stärker fördern und in der Öffentlichkeit bekanntmachen“.

Umstrittene Bürgerversammlung im Juni in Berlin

Sicher ist: Auf der umstrittenen Bürgerversammlung am 12. Juni im Olympiastadion in Berlin wird Neubauer wohl nicht mehr sprechen. Dort sollen bis zu 90.000 Menschen zusammen kommen und an ihren Handys live Bundestagspetitionen unterzeichnen. Die Initiatoren der Live-Bürgerinitiative, die Gründer des Kondomunternehmens „Einhorn“ hatten Fridays for Future im vergangenen Jahr als Unterstützer vorgestellt.

Dies wies die Organisation allerdings nach schwerer Kritik an der Veranstaltung – auch aufgrund des Firmenbrandings und des Eintrittspreises in Höhe von 29,95 Euro – entschlossen zurück.

Ohne die Hamburgerin wäre die Bewegung nicht so weit gekommen

Neubauer hatte sich unabhängig von Fridays for Future an dem Vorhaben in Berlin zunächst beteiligt und dafür geworben. Mittlerweile distanziert sie sich jedoch auch als Privatperson von der Veranstaltung im Juni.

Eins ist aber allen klar, ohne Luisa Neubauer wäre die Bewegung nie so weit gekommen. Die Hamburgerin hat gerade durch ihre Medienpräsenz und ihr persönliches Engagement für das Klima zum Erfolg von Fridays for Future in Deutschland beigetragen. (sr)

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