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Hauptpastor Jens-Martin Kruse, Hanna Lehming und Landesrabbiner Shlomo Bistritzky (v.l.) stehen an einem Tisch. Davor Stühle, auf denen Fotos der Geiseln angebracht sind
  • Jens-Martin Kruse, Hauptpastor St. Petri, Hanna Lehming, Beauftragte der Nordkirche für christlich-jüdischen Dialog, und Hamburgs Landesrabbiner Shlomo Bistritzky (v.l.)
  • Foto: Florian Quandt

Leere Schabat-Tafel: Nordkirche erinnert mit 200 Stühlen an Hamas-Geiseln

Mit 200 leeren Stühlen an einer festlich gedeckten Schabat-Tafel hat die Nordkirche auf die von der Terrororganisation Hamas entführten israelischen Geiseln aufmerksam gemacht. Die Hauptkirche St. Petri und die norddeutsche Evangelisch-Lutherische Kirche erinnerten am Mittwoch gemeinsam mit der Jüdischen Gemeinde der Hansestadt an das Schicksal der Menschen. Unter dem Titel „Bring them Home“ (deutsch: „Bringt sie nach Hause“) soll bei der Aktion jeder Stuhl das Fehlen der Entführten symbolisieren.

An jedem der leeren Stühle hängt ein kleiner Steckbrief mit Foto. Dror, 48 Jahre, Aline, 23 oder Lior, 61 Jahre alt. Die dreijährigen Zwillinge Emma und Yuli. Männer, Frauen, Kinder, lachende Gesichter, Porträtbilder aus der Zeit, als Israel noch auf seine Wehrhaftigkeit vertraute.

200 Stühle vor der Hauptkirche St. Petri: Jeder steht symbolisch für eine von der Hamas verschleppte Geisel Florian Quandt
Leere Stühle und Betrachter vo St. Petri
200 Stühle vor der Hauptkirche St. Petri: Jeder steht symbolisch für eine von der Hamas verschleppte Geisel.

„Angesichts des beängstigenden Antisemitismus in Deutschland soll die Aktion am Vorabend des 9. November ein deutliches Zeichen gegen Judenfeindschaft setzen“, erklärte Pastorin Hanna Lehming , die innerhalb der Nordkirche für den christlich-jüdischen Dialog verantwortlich ist. Landesrabbiner Shlomo Bistritzky sprach ein Gebet und versicherte: „Die Befreiten des Herrn werden zurückkommen.“

Viele Hamburger waren zu der Aktion vor der Kirche gekommen

Die Geiseln, die die Terroristen bei ihrem Blutbad am 7. Oktober aus ihren Häusern und von einem Festival verschleppten, das seien Menschen, „die einen Namen und ein Gesicht haben, Familie und Freunde, Begabungen und eine Lebensgeschichte“, erinnerte Jens-Martin Kruse, Hauptpastor von St. Petri, bei der Eröffnung der Aktion. Es sei „unerträglich, dass Juden heute in Deutschland Angst haben müssen. Dagegen müssen wir aufstehen.“

Jeder leere Platz erinnert an einen verschleppten Menschen Florian Quandt
Stühle mit Fotos der Geiseln
Jeder leere Platz erinnert an einen verschleppten Menschen.

Zahlreiche Hamburger waren vor die Kirche gekommen, gingen still oder im leisen Gespräch an der langen Tafel entlang, betrachteten die Bilder und Namen der Vermissten. Gegen 16 Uhr wurde die Installation, die ständigen Polizeischutz erhielt, wieder abgebaut.

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Am 7. Oktober hatten Terroristen der Hamas und anderer Gruppen bei Massakern und Angriffen im israelischen Grenzgebiet mehr als 1400 Menschen getötet und viele Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. Die israelischen Streitkräfte flogen daraufhin Luftangriffe und rückten mit Bodentruppen in den dicht besiedelten Küstenstreifen ein. Die Zahl der im Gazastreifen getöteten Palästinenser ist nach Angaben des Hamas-kontrollierten Gesundheitsministeriums auf mehr als 10.500 gestiegen. Die Zahlen lassen sich nicht unabhängig überprüfen. (dpa/ste)

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