Daniele lapaglia, 22, und Nigel Rimek, 20 (v.li.) vom Malerbetrieb „Fa. Pigmento“ haben beim Lastenrad Angst vor Diebstahl.
  • Daniele lapaglia, 22, und Nigel Rimek, 20 (v.li.) vom Malerbetrieb „Fa. Pigmento“ haben beim Lastenrad Angst bezüglich eines möglichen Diebstahls.
  • Foto: Patrick Sun

Lastenrad-Debatte: „Bei großen Aufträgen ergibt das keinen Sinn“

Die Anmerkung des Grünen Bundestagsabgeordneten Sven-Christian Kindler, dass auch viele Handwerker und Kleinunternehmer ihre Dienstleistungen und Fahrten mit E-Lastenrädern anbieten könnten, sorgte für Empörung im Netz. Viele warfen den Grünen Weltfremdheit vor. Wie sehen das Hamburgs Handwerker? Die MOPO hat nachgefragt.

Im Gespräch mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) sprach sich der Grünen-Bundestagsabgeordnete Sven-Christian Kindler für eine Förderung von einer Million Lastenräder aus. Ihm zufolge sollen in der nächsten Legislaturperiode eine Milliarde Euro dafür bereit gestellt werden. Dann sollen nicht nur private Nutzer ebenfalls einen Anspruch auf den Zuschuss haben, sondern die gewerbliche Förderung soll zusätzlich gesteigert werden.

Lastenräder in Hamburg: Das sagen die Handwerker

In den sozialen Medien sorgte die Aussage, dass auch Handwerker von Lastenrädern profitieren könnten, für viel Spott, Häme und vor allem Unverständnis. Von Klientel-Politik und Weltfremdheit war die Rede – wie sollen die vielen Materialien transportiert werden?

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So ähnlich sieht das der 56-jährige Tischler Andreas Fenske aus Eimsbüttel. „Per se sind Lastenräder eine gute Idee für Kleinaufträge“, sagt er. „Ich bin aber Möbelbauer und muss viel ausliefern und beim Kunden einbauen. Auch habe ich viel Werkzeug dabei – und die Möbel natürlich.“ Alles in allem sei das zu groß für eine Lastenrad-Nutzung.

Andreas Fenske (56) aus Eimsbüttel hält das Lastenrad per se für eine gute Idee.
Andreas Fenske (56) aus Eimsbüttel hält das Lastenrad per se für eine gute Idee.

Die beiden Maler-Gesellen Daniele Iapaglia (22) und Nigel Rimek (20) vom Malerbetrieb Fa. Pigmento machen sich zudem Sorgen um möglichen Diebstahl. „Man muss alles an und auf dem Lastenfahrrad sichern“, sagen sie. „Für kleine Aufträge könnte das gut klappen, aber bei großen Montagen ergibt das keinen Sinn. Da brauchen wir viel Material und können das gar nicht schaffen mit einem Lastenrad.“

Daniele lapaglia, 22, und Nigel Rimek, 20 (v.li.) vom Malerbetrieb „Fa. Pigmento“ haben beim Lastenrad Angst vor Diebstahl.
Daniele lapaglia, 22, und Nigel Rimek, 20 (v.li.) vom Malerbetrieb „Fa. Pigmento“ haben beim Lastenrad Angst vor Diebstahl.

Ganz anders sieht es wiederum beim 57-jährigen Jan Hempel von „Moove tabel Licht“ aus Altona aus. Er hat das Auto vor drei Jahren ganz abgeschafft und benutzt jetzt zwei bis dreimal im Monat Car-Sharing. „Die Parkplatz-Situation ist einfach zu schlecht in Altona“, sagt er.

Jan Hempel (57) hat vor drei Jahren das Auto verkauft und benutzt ein paar Mal im Monat Carsharing.
Jan Hempel (57) hat vor drei Jahren das Auto verkauft und benutzt ein paar Mal im Monat Carsharing.

„Ich brauche das Auto für die Vorbesprechung und Auslieferung. Ansonsten reicht das Fahrrad für einen kleinen Betrieb, wie ich es bin.“ Dass Fahrräder subventioniert werden sollen, findet er eine gute Sache. „Für alle anderen, die auf ein Auto verzichten, sollte es auch eine Prämie geben.“

Die Verkehrsbehörde betont auf MOPO-Nachfrage die Vorteile von Lastenrädern für einige Handwerksbetriebe bei bestimmten Einsätzen. „Das trifft zu, wenn keine schweren Geräte oder Lieferungen transportiert werden müssen“, sagt Sprecher Dennis Krämer. „Das verringert den Parkdruck in engen Quartieren, hält Busspuren frei und läuft zudem emissionsfrei und nicht selten schneller.“

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