• Blick in die Spitalerstraße am Montagmittag. 
  • Foto: Patrick Sun

Kundenzahl rückläufig: Überlebt die Hamburger City den Lockdown light?

Altstadt –

Seit fast zwei Wochen ist Hamburg im Lockdown light, um die Corona-Pandemie einzudämmen. Freizeiteinrichtungen und Gastronomie sind dicht, Kontaktbeschränkungen wurden verschärft, die Maskenpflicht ausgeweitet. Und das hat auch auf den Einzelhandel in Hamburg Auswirkungen – obwohl die Geschäfte geöffnet sind. In Sorge blicken die Ladenbesitzer nun auf das Weihnachtsgeschäft, das eigentlich in diesen Tagen beginnt. 

In der Hamburger Innenstadt ist es seit dem 2. November, dem Beginn der erneuten Beschränkungen, leerer geworden. „Wir bemerken, dass die Kundenfrequenz zurückgegangen ist. Aber Kunden kommen nach wie vor, weil sie wahrgenommen haben, dass die Sicherheitsmaßnahmen in den Geschäften sehr streng umgesetzt werden“, sagt Brigitte Engler vom City Management Hamburg. 

Hamburger City: Überlebt der Handel den Lockdown light?

Viele Hamburger, die sonst in der Innenstadt arbeiten, sind im Homeoffice – auch das macht sich bei den Händlern bemerkbar. Ebenso die ausbleibenden Touristen. Generell vermeiden viele Hamburger jetzt weniger wichtige Besorgungen und folgen damit den Appellen, wie sie auch die Bundeskanzlerin an die Bevölkerung gerichtet hatte: „Bleiben Sie zu Hause, wann immer es möglich ist!“ 

Kundenfrequenz Spitalerstraße

So sah die tägliche Kundenfrequenz in der Spitalerstraße in der Woche ab 2. November aus. In der Vorjahreswoche (rote Linie) waren dort rund 257.000 Passanten unterwegs, in dieser Woche insgesamt nur rund 162.000. 

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Wie das Weihnachtsgeschäft in der Innenstadt laufen wird, da wagt die City-Managerin noch keine Prognose. „Das wäre ein Blick in die Glaskugel“, sagt sie. Die Weihnachtsmärkte, die mit ihren Lichtern für so viel Atmosphäre sorgen, fallen in diesem Jahr aus. Damit die Kunden trotzdem in Weihnachtsstimmung kommen, will das City Management Bäume am Jungfernstieg mit Lichterketten versehen und zwei große Tannen in der Mönckebergstraße aufstellen. Zusammen mit dem Senat wird außerdem geprüft, ob eine Beleuchtung der Bäume rund um den Rathausmarkt finanzierbar wäre. „Uns ist wichtig, dass die Innenstadtbesucher wie in allen Jahren zuvor in eine weihnachtliche Atmosphäre eintauchen können“, sagt Brigitte Engler. Ab 23. November wird die Mönckebergstraße außerdem mit Schlittschuhläufern, Schlitten und Schneeflocken beleuchtet, finanziert vom „Innovationsquartier Mönckebergstraße“.

Hamburg: Kundenfrequenzen in der City sind gesunken

Rückläufige Kundenfrequenzen im Hamburger Einzelhandel seit Beginn des Lockdown light bestätigt auch Mareike Petersen, Geschäftsführerin beim Handelsverband Nord. Genaue Zahlen gebe es noch nicht dazu. „Viele Händler sind sorgenvoll, wenn sie auf das Weihnachtsgeschäft blicken. Ich gehe davon aus, dass das Online-Geschäft von den Einschränkungen profitieren wird“, sagt sie. 

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Es ist die Unsicherheit über den weiteren Verlauf der Pandemie, die es dem Handel schwer macht. Niemand weiß, wie es ab Ende November weitergehen wird. Bleiben die Einschränkungen bestehen, werden sie vielleicht noch verschärft, werden die Geschäfte gar schließen müssen? Für den Einzelhandel ist dies die wichtigste Zeit des Jahres. Manche Branchen erwirtschaften im November und Dezember ein Viertel ihres Jahresumsatzes – ein wichtiges Polster für die Saure-Gurken-Zeit am Anfang des neuen Jahres. 

Weihnachtsbeleuchtung in der Spitalerstraße

In der Spitalerstraße hängt bereits dezent weihnachtliche Beleuchtung. 

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Der Handelsverband Deutschland hat bundesweit gerade 500 Handelsunternehmen befragt. Sie melden einen Kundenrückgang um bis zu 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, besonders betroffen sind die Bekleidungs- und Schuhhändler. Etliche Geschäfte waren schon vor Corona pleitegegangen. In der ersten Wochen seien die Umsätze um mehr als ein Drittel zurückgegangen. Der Handelsverband Deutschland (HDE) appelliert deshalb an die Bundesregierung, auch Einzelhändler in ihr Nothilfeprogramm aufzunehmen und die Hürden für Überbrückungshilfen zu senken.

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Weihnachtsgeschäft: Verband rechnet mit einem Plus

Trotz der coronabedingten Einschränkungen rechnet der Handelsverband Deutschland im November und Dezember mit einem Umsatzplus von 1,2 Prozent – der Großteil des Wachstums wird dabei aber auf den Online-Handel sowie auf Branchen wie Möbel, Baumärkte und Lebensmittel fallen. 

„Die Kunden kaufen auch in der Corona-Krise Geschenke, sie shoppen aber deutlich mehr online und gehen seltener in die Innenstädte“, sagt HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. Das zeigen auch Daten des HDE-Konsumbarometers: Demnach wollen 44 Prozent der Verbraucher ihre Weihnachtseinkäufe verstärkt online erledigen. Für den Online-Handel erwartet er ein Plus von 19 Prozent gegenüber dem Vorjahres-Weihnachtsgeschäft. 

Galeria Kaufhof dicht

Galeria Kaufhof an der Mönckebergstraße ist seit Mitte Oktober dicht. An den Türen hängen Zettel mit der Aufschrift „Filiale dauerhaft geschlossen“. 

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Um trotz allem viele Kunden in die Kaufhäuser zu locken, hat Galeria Karstadt Kaufhof Anfang November die Flucht nach vorn angetreten und die nach eigenen Angaben größte Rabattaktion seiner Geschichte begonnen. Bis vergangenen Dienstag gab es 20 Prozent auf viele Marken, ab einem Einkaufswert von 60 Euro gab es außerdem mindestens 10 Euro Extrarabatt. Für Galeria Kaufhof an der Mönckebergstraße kommt diese Aktion zu spät, das Kaufhaus hat am 15. Oktober nach 53 Jahren geschlossen.

Zumindest gibt es Hoffnung, dass es keine weiteren Beschränkungen für die Geschäfte geben wird. Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) sagte am Freitag: „Ich gehe aus heutiger Sicht nicht davon aus, dass wir weitere Einschränkungen für den Einzelhandel beschließen müssen.“ Der Einzelhandel sei gut organisiert. 

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